Kommentar: Die zynischen Kalküle der Nahostkrieger

Oft gibt es Krieg, obwohl niemand ihn will. Ein solches Szenario ist insbesondere im Nahen Osten möglich, jener gefährlichsten Konfliktregion der Welt, in der sich ganze Generationen von Diplomaten vergebens an einer Befriedung der Konflikte abgearbeitet haben.
Der israelische Doppelschlag in Beirut und Teheran gegen die Hamas, die Hisbollah und den Iran zugleich ist nur der jüngste Mosaikstein eines Bildes, das durch eine Spirale der eskalierenden Gewalt gekennzeichnet ist.
Denn spätestens mit dem 7. Oktober des vergangenen Jahres, dem Massaker, das die Hamas in Israel verübte, ist die Zeit der kontrollierten Vergeltungsstrategie vorbei. Bislang galt: gesichtswahrende Vergeltung ja, aber ohne den großen Krieg zu riskieren. An diese Logik halten sich die Konfliktparteien kaum noch.
Das zeigt die Eskalationsspirale: die Tötung zweier iranischer Topgeneräle in Damaskus, der erstmals von iranischem Territorium aus durchgeführte massive Raketen- und Drohnenangriff auf Israel, jetzt die staatlich verordnete Ermordung des Hisbollah-Kommandeurs Fuad Shukr in Beirut und des Hamas-Anführers Ismail Hanija in Teheran kurz nach der Amtseinführung des neuen iranischen Präsidenten – der Tabubruch hat Methode.