Kommentar: Der Fall der Bose-Boxen steht exemplarisch für ein Systemproblem

Der Fall Bose ist kein Ausrutscher, sondern ein Lehrstück. Smarte Lautsprecher verlieren Funktionen, obwohl sie technisch einwandfrei sind. Was wie ein Einzelfall wirkt, beschreibt ein Grundproblem digitaler Produkte: Wer heute smarte Technik kauft, kauft kein fertiges Produkt mehr, sondern ein Versprechen auf Zeit. Der Kunde wird zum Bittsteller.
Bose handelt wirtschaftlich rational. Für den Hersteller lohnt sich der Betrieb alter Cloud-Dienste nicht mehr. Kunden sollen auf neue Geräte umsteigen. Doch viele möchten das nicht. Schließlich funktionieren die Lautsprecher weiter. Auf die Kritik reagiert Bose mit längeren Fristen und technischen Nachbesserungen. Aber am Kern ändert sich nichts: Smarte Lautsprecher werden dumm.
Bose ist keine Ausnahme. Es gibt eine lange Liste von vergleichbaren Fällen. Smarte Lampen, die nach einer Serverabschaltung nicht mehr angehen. Türschlösser, die sich ohne Cloud-Zugang nicht mehr öffnen lassen. Heizungen oder Kameras, die nicht mehr ferngesteuert werden können, weil Apps eingestellt werden. Frustrierte Kunden haben im Netz in dem Blog „Internet of Shit“ viele Fälle zusammengetragen.
All diese Produkte funktionieren technisch – und versagen digital. Nicht Verschleiß macht Geräte unbrauchbar, sondern abgeschaltete Server. Funktionierende Technik verliert per Mausklick ihren Wert.
Der Kauf eines digitalen Produkts ist zum Vertrauensgeschäft geworden. Beim Kauf erfährt niemand, wie lange zentrale Funktionen garantiert sind. Der Preis ist fix, der Funktionsumfang nicht. Genau hier beginnt das Problem der sogenannten Software-Obsoleszenz.
Das Umweltbundesamt warnt seit Jahren vor dieser Entwicklung. Die Behörde spricht von einem strukturellen Risiko für Verbraucher und Umwelt.
Wer smarte Produkte verkauft, muss auch Verantwortung für ihre digitale Lebensdauer übernehmen. Ohne klare Regeln bleibt Software-Obsoleszenz ein Wachstumsmodell – auf Kosten der Käufer.
Der Fall Bose zeigt: Das eigentliche Problem ist kein Lautsprecher – sondern ein Markt, in dem niemand mehr weiß, was er kauft.