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Kommentar Geldpolitikern sitzt die Angst im Nacken

Notenbanken werden aus Furcht vor „japanischen Verhältnissen“ noch lange die Zinsen niedrig halten. Es gilt, gefährliche Nebenwirkungen zu beachten.
09.01.2020 - 15:01 Uhr Kommentieren
Besonders gefährlich, das hat die Finanzkrise vor mehr als zehn Jahren gezeigt, sind unbekannte oder unbeachtete Risiken, die plötzlich wie Ballons aufsteigen. Quelle: dpa
EZB in Frankfurt am Main beim Sonnenuntergang

Besonders gefährlich, das hat die Finanzkrise vor mehr als zehn Jahren gezeigt, sind unbekannte oder unbeachtete Risiken, die plötzlich wie Ballons aufsteigen.

(Foto: dpa)

Als sich vor Kurzem Notenbanker und Ökonomen aus allen Teilen der Welt im amerikanischen San Diego trafen, herrschte bei zwei Themen große Einigkeit. Erstens: Geldpolitisch mag 2020 ein ruhiges Jahr bleiben, aber die Zeit sehr niedriger Zinsen kann noch lange dauern. Zweitens: Die Sorge wächst, dass die Geldpolitik dadurch Risiken für das Finanzsystem schafft.

Daraus folgt: Die Europäische Zentralbank (EZB) muss bei ihrer anstehenden Strategiediskussion ihr Augenmerk besonders auf risikoreiche Nebenwirkungen der Geldpolitik legen. Besonders gefährlich sind unbekannte oder unbeachtete Risiken, die plötzlich wie Ballons aufsteigen. Das hat die Finanzkrise vor mehr als zehn Jahren gezeigt.

Vor 2007 und 2008 hatte kaum jemand auf dem Schirm, was im US-Hypothekenmarkt für Niedrigverdiener vorgeht, oder dass es „Monoliner“ – spezialisierte Versicherer für bestimmte Kreditrisiken – überhaupt gibt. Beides spielte in der Krise eine große Rolle.

Warum bleibt die Geldpolitik expansiv, wenn damit Risiken verbunden sind? Realistisch betrachtet ist kaum zu erwarten, dass die Notenbanker ihren Kurs grundsätzlich ändern, solange sich nichts grundlegend bei den wirtschaftlichen Trends, ihren Modellen oder ihrem Mandat ändert.

Letztlich sitzt den Geldpolitikern die Angst vor „japanischen Verhältnissen“ mit abrutschenden Preisen im Nacken. Paradox ist, dass sie mit „japanischen Verhältnissen“, also niedrigen Zinsen, dagegen ankämpfen.

„Gleiches mit Gleichem bekämpfen“ ist Standard

Aber das liegt in der Sache: Anders als in der Medizin gehört in der Geldpolitik Homöopathie – wörtlich „Gleiches mit Gleichem bekämpfen“ – zum Standard: Gegen hohe Inflation und entsprechend hohe Zinsen helfen hohe Leitzinsen – und umgekehrt.

Ein prominenter US-Notenbanker gestand einmal im kleineren Kreis: „Wenn wir unsere Modelle nicht mehr haben, wonach sollen wir uns dann richten?“

Die meisten Kritiker der weichen Geldpolitik haben keine konsistenten Gegenvorschläge zu den heute maßgebenden Denk- und Rechenmodellen bereit. Nüchtern betrachtet bleibt daher nur: Augen auf, wenn es um mögliche Risiken der Geldpolitik geht – ändern wird sie sich vorerst nicht.

Mehr: Die Politik der EZB trifft vor allem die Ersparnisse der Armen und der Mittelschicht. Nur Deutschland kann ein Ende dieser Geldpolitik herbeiführen, schreibt Gastautor Guillaume Duval.

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