Kommentar: Klare Regeln für die Kryptowelt sind wichtig – doch sie kommen zu spät
Inszeniert sich als neuer, mächtiger Sheriff der Kryptobranche.
Foto: BloombergDer Vorstoß der Börsenaufsicht ist wichtig. Doch er hätte viel früher kommen müssen.
Die Kryptowelt ist in den vergangenen Jahren rapide gewachsen. 77 Token haben eine Marktkapitalisierung von über einer Milliarde Dollar. Der Markt für wertstabile Währungen, sogenannte Stablecoins, kommt auf 113 Milliarden Dollar.
Das dezentrale Finanzsystem (DeFi) ist als eine Art Schatten-Wall-Street herangewachsen. Sie funktioniert mit Blockchains und digitalen Währungen und ist bewusst so angelegt, dass sie sich nicht oder nur schwer mit den derzeitigen Vorschriften etwa zur Bekämpfung von Geldwäsche und Anti-Terror-Finanzierung vereinbaren lässt. Die Aufsicht hätte viel früher auf die Start-ups und Krypto-Organisationen zugehen müssen, um gemeinsame Regeln auszuarbeiten.
Genslers großspurig angekündigte Initiative hat nämlich drei Haken:
Erstens: Ihm fehlen die Ressourcen. Sheriff im Wilden Westen zu sein ist aufwendig und erfordert Experten, die sich mit Blockchains, Smart Contracts und den komplizierten Mitspracheregeln auskennen, die die DeFi-Welt prägen.
Die SEC will ein größeres Budget beim Kongress beantragen. Doch bis das durchgewinkt wird, könnte es eine Weile dauern. Hätte sie früher reagiert, würden ihr nun vermutlich teure und aufwendige Verfahren erspart bleiben.
Zweitens: Die Branche ist mobil. Ohnehin haben die wenigsten Krypto-Firmen Büros. Teams sind oft über die ganze Welt verteilt, und der Bedarf an digitalen Währungen bleibt gerade in Ländern, die mit hoher Inflation zu kämpfen haben, weiterhin hoch.
Und drittens: Gensler muss eine schwierige Balance finden. Auf der einen Seite muss er sicherstellen, dass die Stabilität der Finanzmärkte und der Schutz der Investoren aufrechterhalten wird. Andererseits will er Innovationen nicht abwürgen.
Der Erfolg der DeFi-Welt hat nun zu einem Boom bei sogenannten NFTs geführt. Das sind Blockchain-basierte Echtheitszertifikate, die sich gerade unter anderem auf dem Kunstmarkt als feste Größe etablieren. Auch hier sind die USA die treibende Kraft. Und der Druck ist hoch, das nicht kaputt zu machen.