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USAGrönland-Strategie schadet Trump in Wahlumfragen

Ein US-Militäreinsatz auf Grönland wäre für amerikanische Wähler unpopulär – selbst bei Republikanern. Allerdings hat für die meisten Wähler ein anderes Thema viel größere Bedeutung.Dana Heide 19.01.2026 - 17:41 Uhr Artikel anhören
Anti-Trump-Protest in Davos: Die Unterstützung für den Präsidenten sinkt. Foto: Bloomberg

Washington. Dass die wiederholten Drohungen von US-Präsident Donald Trump, Grönland notfalls militärisch einzunehmen, in Europa nicht gut ankommen, liegt auf der Hand. Aber auch im eigenen Land ist die Meinung dazu extrem negativ. Und das könnte seiner republikanischen Partei bei den in diesem Jahr anstehenden wichtigen Zwischenwahlen Stimmen kosten.

In einer Umfrage der Quinnipiac University von Mitte Januar gaben insgesamt 86 Prozent der Befragten an, dass sie eine militärische Operation zur Übernahme Grönlands ablehnen würden. Besonders hoch ist die Ablehnung einer Invasion mit 95 Prozent bei den Demokraten. Aber auch unter den Republikanern gaben dies immerhin 68 Prozent an.

Anders sieht es bei der Frage aus, ob die USA Grönland kaufen sollten. Bei den Demokraten ist mit 85 Prozent der Befragten eine große Mehrheit dagegen. Hingegen gaben 67 Prozent der Republikaner an, dass sie einen Kauf befürworten.

Der Fokus auf Grönland birgt für Trump nur zehn Monate vor den wichtigen Zwischenwahlen im Herbst noch ein anderes Risiko: Ablenkung von den Themen, die für die amerikanischen Wähler wirklich wichtig sind. Und das ist nicht die Außenpolitik: Das wichtigste Thema für US-Wähler ist mit Abstand die Wirtschaft.

Am Donnerstag dürften die finalen Daten für das dritte Quartal ein BIP-Wachstum von 4,3 Prozent bestätigen – keine schlechte Zahl für eine entwickelte Wirtschaft wie die der USA. Die Frage ist jedoch: Was kommt bei den Menschen im Land an? Und da sehen viele Wähler zu wenig.

Sorgen wegen der Inflation

Vor allem die hohen Preise machen vielen Amerikanern zu schaffen. Trump hatte versprochen, die Preissteigerungen anzuhalten. Vergangene Woche sagte der Präsident bei einer Rede in Detroit gar, die Inflation sei gestoppt. Das stimmt jedoch nicht.

In Trumps zweiter Amtszeit als US-Präsident hat sich bei der Inflation sehr wenig bewegt – die Rate liegt derzeit bei 2,7 Prozent, im Februar 2025 lag sie bei 2,8 Prozent. In einer aktuellen Umfrage des Nachrichtensenders CNN gaben entsprechend 64 Prozent der Teilnehmer an, dass Trump nicht genug getan habe, um die Preise zu reduzieren.

Zu den höheren Preisen beigetragen hat auch, dass Trump selbst die Welt mit Strafzöllen überzogen hat. Das Kiel Institut für Weltwirtschaft analysierte mehr als 25 Millionen Lieferungsdatensätze mit einem Gesamtwert von fast vier Billionen US-Dollar an US-Importen. Das Ergebnis: Ausländische Exporteure kompensierten nur etwa vier Prozent der zusätzlich erhobenen Zölle, 96 Prozent wurden an US-Käufer weitergegeben, die entweder höhere Preise zahlen oder auf teurere Alternativen ausweichen mussten.

Handelsstreit

USA tragen Trump-Zölle laut Studie fast vollständig selbst

Trump hatte in der Vergangenheit stets seinen Vorgänger im Präsidentenamt, Joe Biden, dafür verantwortlich gemacht, wenn Wirtschaftsindikatoren schlecht ausfielen. Diese Erklärung funktioniert offenbar nicht mehr.

In einer Umfrage des konservativen US-Senders Fox News aus dem November sagten 62 Prozent aller Wähler, dass Trump für die aktuelle wirtschaftliche Situation verantwortlich ist – nicht Biden. Auch unter republikanischen Wählern ist die Zahl relativ hoch: Unter ihnen sagten 42 Prozent, dass Trump die Verantwortung trage.

Insgesamt zeigen die meisten politischen Umfragen derzeit, wie gespalten die USA sind, wenn es um Trump geht. Laut einer Yougov-Befragung vom Januar sehen 92 Prozent der Demokraten-Wähler Trumps Umgang mit der Wirtschaft negativ – dieser Meinung sind hingegen nur 18 Prozent der republikanischen Wähler. Ein Problem könnte für Trump noch die wichtige Wählergruppe der Unentschlossenen sein – unter denen ist er beim wichtigsten Thema unbeliebt: 62 Prozent halten nichts von seiner Wirtschaftspolitik.

Beobachter glauben daher, dass die Demokraten bei den Zwischenwahlen im Herbst eine Mehrheit im Repräsentantenhaus erreichen könnten. „Zehn Monate vor dem Wahltag wird immer deutlicher, dass die Demokraten in einer starken Position sind, um im November die Kontrolle über das Repräsentantenhaus zu gewinnen“, schreibt etwa Erin Covey von „The Cook Political Report“.

Grund dafür ist auch, dass Trump bei den Wählern insgesamt unbeliebt ist. Laut einer Auswertung aller aktuellen Umfragen sehen im Durchschnitt nur 42 Prozent der US-Bürger seine Politik positiv. Im Januar lag dieser Wert noch bei mehr als 50 Prozent. In seiner ersten Amtszeit waren seine Umfragewerte nach seinem ersten Jahr im Amt ähnlich schlecht – so schlecht wie die keines anderen US-Präsidenten der Nachkriegszeit.

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Wie sich die EU gegen Trumps Grönland-Zölle wehren kann

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Gefährlich könnte es für Trump auch noch beim Thema Immigration werden. In den vergangenen Wochen spitzte sich die Lage immer weiter zu, Medien zeigen immer wieder gewalttätige Übergriffe von ICE-Beamten gegenüber US-Bürgern. Jüngst schoss ein ICE-Mitarbeiter einer Mutter in Minneapolis mehrfach in den Kopf, die daraufhin starb.

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Wie Videoanalysen zeigen, hatte der Mann dabei nicht wie von der Trump-Regierung behauptet aus Notwehr gehandelt. Trump drohte angesichts der anhaltenden Proteste dennoch damit, das Militär in den US-Bundesstaat zu schicken.

Umfragen zeigen, dass das Vorgehen vielen Amerikanern zu weit geht. Laut einer Umfrage des Senders CBS sagen das mittlerweile 61 Prozent – im November waren es noch 56 Prozent.

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