Südostasien: Der Mann hinter Vietnams Boom will noch mehr Macht
Bangkok. Die Kulisse könnte traditioneller kaum sein: Hammer und Sichel zieren das Rednerpult, im Rücken wachen die Porträts von Karl Marx und Ho Chi Minh. Doch die Pläne, zu denen Vietnams mächtigster Mann To Lam am alle fünf Jahre stattfindenden Parteikongress in dieser Woche die Zustimmung seiner Genossen einholen möchte, bedeuten für die Kommunistische Partei (KP) des Landes einen radikalen Neuanfang.
Der Parteichef tritt für einen schlanken Staat ein, ebenso wie für eine starke Privatwirtschaft und ein rasantes Wirtschaftswachstum, mit dem er die anderen Schwellenländer Asiens weit hinter sich lassen möchte. Der 68 Jahre alte Topkommunist verlangt dafür auch einen Umbau an der Spitze. Sein wichtigster Änderungswunsch: mehr Macht für ihn selbst.
Medienberichten zufolge plant er, künftig auch das Amt des Präsidenten zu übernehmen. Damit würde sich Vietnam dem Modell Chinas annähern, wo Xi Jinping die Rolle des Staats- und Parteichefs in Personalunion einnimmt.
Ob die knapp 1600 Delegierten, die über den Kurs des Landes in den kommenden fünf Jahren entscheiden sollen, diesen Weg mitgehen werden, ist noch unklar. Sollten sie es tun, wäre dies aber ein starkes Signal für eine Fortsetzung des Staatsumbaus.