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HandelsstreitUSA tragen Trump-Zölle laut Studie fast vollständig selbst

Neue Berechnungen zeigen: Der Schaden durch die neuen Trump-Zölle liegt viel stärker in den USA als in Europa. Doch ein großes Problem liegt auf beiden Seiten.Julian Olk 19.01.2026 - 14:09 Uhr aktualisiert Artikel anhören
Donald Trump: Laut einer Studie spüren die USA die Folgen seiner Zölle am stärksten. Foto: AP

Berlin. Anders als von US-Präsident Donald Trump in der Vergangenheit behauptet, trägt nicht das Ausland den Großteil des Schadens durch die Einführung von Strafzöllen, sondern die USA selbst. Dieses Ergebnis einer neuen Studie des Kiel-Instituts für Weltwirtschaft ist gerade vor der jüngsten Drohung von Trump relevant.

Der US-Präsident hat am Wochenende angekündigt, vom 1. Februar an acht europäische Länder mit Zöllen von zehn Prozent zu belegen, zusätzlich zu den bereits geltenden 15 Prozent. Die Abgaben sollen so lange gelten, bis Europa die US-Pläne unterstützt, Grönland zu erwerben, verkündete Trump. Die Europäer bereiten wiederum Gegenzölle im Umfang von 93 Milliarden Euro vor.

„Die Zölle sind ein Eigentor“, sagt Julian Hinz, Forschungsdirektor am Kiel-Institut und Mitautor der Studie. „Die Behauptung, dass ausländische Staaten diese Zölle tragen, ist ein Mythos. Die Daten zeigen das Gegenteil: Die Amerikaner bezahlen die Rechnung.“

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Die Ökonominnen und Ökonomen analysierten 25 Millionen Datensätze zu Warenlieferungen mit einem Gesamtwert von etwa vier Billionen US-Dollar an US-Importen. Die Ergebnisse: Zwar stiegen die US-Zolleinnahmen 2025 um etwa 200 Milliarden US-Dollar, doch ausländische Exporteure trugen nur etwa vier Prozent der Zolllast, indem ihre Gewinne schrumpften. 96 Prozent hingegen wurden an US-Käufer weitergegeben, die höhere Preise für die Produkte zahlen oder auf teurere Produkte umsteigen mussten.

Auch bei kurzfristig und einseitig anberaumten Zöllen, wie sie jetzt im Konflikt um Grönland möglich sind, ist das Ergebnis des Kiel-Instituts ähnlich. Die Experten untersuchten in der Studie auch die unerwarteten Zollerhöhungen gegen Brasilien und Indien im August 2025: Für Brasilien stiegen die Zölle auf 50 Prozent, für Indien von 25 auf 50 Prozent.

„Langfristig Nachteile für alle“

Ausländische Exporteure senkten ihre Preise nicht, um die zusätzlichen Zölle abzufedern, heißt es in dem Papier. Das ist ein klares Zeichen dafür, dass nicht sie, sondern die US-Kunden die Zölle letztlich zahlten.

Unter dem Strich bringen die Zölle aber für alle Nachteile, stellt das Kieler Institut fest. Denn auch exportierende Länder mit Fokus auf die USA wie Deutschland verkaufen weniger und stehen unter dem Druck, neue Exportmärkte zu finden. „Die Zölle bringen langfristig Nachteile für alle“, sagt Hinz.

Bundeskanzler Friedrich Merz (CDU) warnte die US-Regierung bei einer Pressekonferenz am Montag vor zusätzlichen Kosten für ihre Bürger. „Zölle werden von denen bezahlt, in deren Länder die Importe gehen“, sagte Merz.

Auch der deutsche Industriepräsident Peter Leibinger schickte eine Warnung in die USA. Er sagte: „Zusätzliche zehn Prozent Zölle treffen nicht nur europäische Unternehmen, sie schaden vor allem auch der US-Wirtschaft und den Konsumenten in den USA selbst.“

0,2 Prozentpunkte Verlust an Wachstum

Carsten Brzeski, Chefvolkswirt der ING Deutschland, kommt zu ähnlichen Ergebnissen. Er schätzt, dass eine Erhöhung der Trump-Zölle auf 25 Prozent das europäische Wachstum des Bruttoinlandsprodukts um 0,2 Prozentpunkte jährlich senken würde.

Die Erhöhung im Zuge der Grönlanddebatte würde dabei den geringeren Anteil ausmachen. Denn laut Brzeski gibt es zahlreiche Möglichkeiten, diese zu umgehen. Er führt das Beispiel Belgien an, das nicht von der Erhöhung betroffen wäre. Die Nachbarstaaten Frankreich und Niederlande wären das hingegen schon.

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„Infolgedessen könnten die belgischen Häfen an Bedeutung gewinnen, da sie eine mögliche Route zur Umgehung der Zölle darstellen“, sagte Brzeski. Dadurch würde der Zoll weniger wirksam.

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Die genauen Auswirkungen bleiben jedoch unklar, stellte der Ökonom klar: „Diese modellbasierte Schätzung wird den vollen Auswirkungen der neuen Unsicherheit und der geopolitischen Spannungen infolge der eskalierten Lage definitiv nicht gerecht.“

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