Benachrichtigung aktivieren Dürfen wir Sie in Ihrem Browser über die wichtigsten Nachrichten des Handelsblatts informieren? Sie erhalten 2-5 Meldungen pro Tag.
Fast geschafft Erlauben Sie handelsblatt.com Ihnen Benachrichtigungen zu schicken. Dies können Sie in der Meldung Ihres Browsers bestätigen.
Benachrichtigungen erfolgreich aktiviert Wir halten Sie ab sofort über die wichtigsten Nachrichten des Handelsblatts auf dem Laufenden. Sie erhalten 2-5 Meldungen pro Tag.
Jetzt Aktivieren
Nein, danke

Kommentar Konjunktur: Für kollektives Aufatmen ist es zu früh

Neue Konjunkturdaten deuten kurzfristig auf einen starken Aufschwung hin. Doch schon im Herbst könnte die Erholung wieder abgewürgt werden – und es droht womöglich ein Winter der Insolvenzen.
07.08.2020 - 14:27 Uhr Kommentieren
Auch dem Musterland Deutschland steht wirtschaftlich ein trüber Herbst bevor - und ein womöglich tiefschwarzer Winter Quelle: dpa
Die Sonne geht hinter den hochgeklappten Containerbrückenkränen in Hamburg unter

Auch dem Musterland Deutschland steht wirtschaftlich ein trüber Herbst bevor - und ein womöglich tiefschwarzer Winter

(Foto: dpa)

Die deutsche Wirtschaft setzt gerade wieder Maßstäbe. Alle Stimmungsindikatoren aus dieser Woche kündigen einen kräftigen Aufschwung an. Auf den Corona-Crash könnte tatsächlich ein atemberaubender Aufstieg folgen, die Konjunktur also den erhofften Verlauf eines „V“ einnehmen. Vor Corona war Deutschland mit Italien noch Wachstums-Schlusslicht in der EU. Nach Corona könnte die Bundesrepublik nun womöglich die Konjunktur-Lokomotive sein, die Europa aus der Rezession zieht.

So füllten sich die Auftragsbücher der deutschen Industrie im Juni so stark wie nie zuvor – und dreimal stärker als von Ökonomen erwartet. Auch die Industrieproduktion legte spürbar zu und hat die Hälfte des Einbruchs während des Shutdowns im Frühjahr bereits im Juni wieder wettgemacht.

Die Zahlen aus der Industrie machen aus zweierlei Gründen besonders Mut: Vor der Coronakrise war die Industrie das Sorgenkind der deutschen Wirtschaft. Jetzt zieht sich der Aufschwung quer durch alle Branchen. Und zweitens erholt sich ausgerechnet die schwächelnde Autoindustrie rasch.

Auch die Exporte, neben der Industrie derzeit die zweite Achillesferse der deutschen Wirtschaft, kommen wieder ans Laufen. Deutschlands Exportabhängigkeit ist ein Problem, wenn die Weltwirtschaft schwächelt.

Top-Jobs des Tages

Jetzt die besten Jobs finden und
per E-Mail benachrichtigt werden.

Standort erkennen

    Befindet sich die globale Konjunktur allerdings wieder auf dem Weg zu alter Konstitution, profitiert Deutschland davon wie kaum ein anderes Land. Insbesondere China, Deutschland wichtigster Handelspartner, erholt sich schnell, weil dort der Höhepunkt der Pandemie schon eine Weile zurückliegt.

    Neben der offenen Volkswirtschaft gibt es weitere Erfolgsfaktoren, die Deutschland im Vergleich zu fast allen anderen Industrienationen bislang besser durch die Krise kommen lassen: Die gute Haushaltslage, dank der die Bundesregierung mit Wumms riesige Rettungsprogramme auflegen konnte.

    Eine krisenerfahrene Regierung: Kanzlerin und Vizekanzler haben das Land schon durch die Finanzkrise gesteuert. Ebenfalls Erfolgsfaktoren: Der Respekt der Bevölkerung vor wissenschaftlicher und staatlicher Autorität. Und funktionierende staatliche Institutionen, die Kurzarbeit oder Firmenkredite schnell unters Volks bringen können.

    Trüber Herbst und Winter

    Beeindruckt, aber auch etwas verängstigt schaut deshalb das Ausland auf Deutschland. Die EU-Nachbarländer fürchten, die wirtschaftliche Dominanz Deutschlands in Europa könnte nach Ende der Coronakrise noch größer werden – und damit auch die Spannungen im Euro-Raum.

    Allerdings ist es für solche Bedenken ebenso noch zu früh für wie Jubelgesänge. Denn auch dem Musterland Deutschland steht wirtschaftlich ein trüber Herbst bevor – und ein womöglich tiefschwarzer Winter.

    Weil viele staatliche Hilfsprogramme auflaufen, droht vielen kleinen und mittelständischen Unternehmen im Herbst die Insolvenz. Und auch große Konzerne stecken durch die Einbrüche während der Pandemie oder zuvor versäumter Transformation in großen Schwierigkeiten, wie der angekündigte Abbau Zehntausender Stellen bei Airbus, Lufthansa oder Daimler etwa zeigt.

    Eine höhere Arbeitslosigkeit könnte die bislang überraschend robuste Kauffreude der Deutschen im Herbst drosseln. Und die Risiken eines weiteren Ereignisses im Herbst werden bislang völlig unterschätzt: eine drohende Hängepartie nach den US-Präsidentschaftswahlen im November.

    Sollten die Wahlen kein klares Ergebnis bringen, wochenlang ausgezählt werden und beide Kandidaten den Sieg für sich reklamieren, wäre das ein Unsicherheitsschock, der die gesamte Weltwirtschaft ins Mark treffen dürfte. Mit der Erholung der deutschen Exporte dürfte es dann vorerst einmal vorbei sein.

    Und dann ist da natürlich die große Frage, ob und wie stark das Virus wiederkehrt, womöglich eine zweite Corona-Welle durchs Land schwappt und inwiefern es der Regierung gelingt, die Auswirkungen auf die Wirtschaft so gering wie möglich zu halten.

    Der Aufschwung in Deutschland ist schon da. Aber ob er über den Herbst und Winter gerettet werden kann, weiß derzeit niemand.

    Mehr: „Gebt das V nicht auf!“: Industrieaufträge steigen unerwartet stark

    Startseite
    Mehr zu: Kommentar - Konjunktur: Für kollektives Aufatmen ist es zu früh
    0 Kommentare zu "Kommentar: Konjunktur: Für kollektives Aufatmen ist es zu früh"

    Das Kommentieren dieses Artikels wurde deaktiviert.

    Zur Startseite
    -0%1%2%3%4%5%6%7%8%9%10%11%12%13%14%15%16%17%18%19%20%21%22%23%24%25%26%27%28%29%30%31%32%33%34%35%36%37%38%39%40%41%42%43%44%45%46%47%48%49%50%51%52%53%54%55%56%57%58%59%60%61%62%63%64%65%66%67%68%69%70%71%72%73%74%75%76%77%78%79%80%81%82%83%84%85%86%87%88%89%90%91%92%93%94%95%96%97%98%99%100%