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Kommentar Millionen Amerikaner verlieren ihre Jobs – und doch sind die USA nicht bereit zu Reformen

Es ist ein schwarzer Tag für die US-Wirtschaft. Im April verloren so viele Menschen wie noch nie ihre Arbeit. An der Ausrichtung der Politik wird das nichts ändern.
08.05.2020 - 18:13 Uhr 1 Kommentar
Die schwere Corona-Rezession zeigt erneut den großen Bedarf an Reformen in den USA. Quelle: dpa
USA, Salt Lake City: Menschen warten vor einem Arbeitsamt.

Die schwere Corona-Rezession zeigt erneut den großen Bedarf an Reformen in den USA.

(Foto: dpa)

Nobelpreisträger Joseph Stiglitz vergleicht die US-Wirtschaft gern mit einem Rennwagen. In guten Zeiten geht es schnell voran, und die Amerikaner ziehen an anderen Volkswirtschaften vorbei. Anfang des Jahres in Davos prahlte US-Präsident Donald Trump noch mit dem rasanten Anstieg auf dem Arbeitsmarkt – es herrschte Vollbeschäftigung, die Märkte jagten ein Rekordhoch nach dem anderen.

Doch der Rennwagen hat eine große Schwäche. Er hat kein Ersatzrad. Kommt es zu einer Panne, ist der Schaden besonders hoch. Das hat sich bereits in der Finanzkrise gezeigt. Und die schwere Corona-Rezession macht deutlich, dass sich an dem Rennwagen seit dem nicht viel geändert hat.

Dabei wäre es höchste Zeit, umzusteigen. Im April verloren 20,5 Millionen Amerikaner ihre Jobs – so viele wie noch nie zuvor in der Geschichte des Landes. Die Arbeitslosenquote schoss auf 14,7 Prozent nach oben – das ist der höchste Wert seit Beginn der Aufzeichnungen nach dem Zweiten Weltkrieg und mehr als vier Mal so hoch als noch im Februar, als die Welt noch in Ordnung war.

Die Demokraten um Präsidentschaftskandidat Joe Biden und renommierte Ökonomen wie Stiglitz, die links der Mitte stehen, liebäugeln mit einem europäischen Modell. Das hat nicht so viele PS wie ein Rennwagen, doch es hat ein Ersatzrad und wenn man etwas langsamer, dafür aber mit konstanterer Geschwindigkeit fährt, kommt man langfristig weiter voran.

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    Schon vor der Coronakrise gab es in den USA großen Bedarf an Reformen. Viele Amerikaner sind unterversichert, trauen sich wegen der hohen Kosten nicht zum Arzt. Die Lebenserwartung sinkt seit Jahren – während sie in allen anderen wohlhabenden Ländern der Welt steigt.

    40 Prozent der Amerikaner konnten vor Corona ungeplante Ausgaben von 400 Dollar oder mehr nicht decken, weil sie keine Ersparnisse haben. Und es sind gerade diese Geringverdiener, die nun am schnellsten ihre Jobs verlieren und dem Abstieg in die Armut ausgesetzt sind.

    Zum Kurswandel wird es nicht kommen

    In wenigen Wochen haben es die USA geschafft, drei Billionen Dollar für Rettungspakete auf den Weg zu bringen, und so noch schlimmere Folgen für die Wirtschaft abzufedern. Das wäre eine gute Basis, um das Arbeitslosengeld permanent aufzustocken, um endlich eine solide und bezahlbare Krankenversicherung einzuführen, Lohnfortzahlung im Krankheitsfall gesetzlich zu verankern und die staatlichen Institutionen wieder zu stärken, denen die Regierung in den vergangenen Jahren systematisch das Geld entzogen hat.

    Trumps Republikaner könnten angesichts der hohen Zahl der Toten in den USA gesichtswahrend einen Kurswandel ausgeben. Doch dazu wird es nicht kommen. Der Rausch der Geschwindigkeit, er ist tief verankert in den USA und Trump ist danach besonders süchtig.

    Wie kein anderer Präsident hat er seinen Erfolg an den der Wirtschaft und der Aktienmärkte geknüpft. Und während die USA das Land langsam wieder öffnen, ist es ihm daran gelegen, möglichst schnell wieder zu schnellen Wachstumsraten zurückzukehren.

    Mehr Ausgaben für staatliche Behörden und ein engmaschigeres soziales Netz würden dabei nur stören. Die Aktienmärkte geben das Tempo vor: An einem der schwärzesten Tage der US-Wirtschaft sind die Leitindizes alle deutlich im Plus.

    Sie haben die schlechten Zahlen längst erwartet und hoffen nun auf die zweite Jahreshälfte, in der der Rennwagen repariert sein und wieder kräftig Gas geben soll.

    Im Zweifel das schnelle Wachstum

    Selbst dem designierten Trump-Herausforderer Joe Biden wird es schwer fallen, sich vom Rausch der Geschwindigkeit loszusagen. Für grundlegende Reformen bräuchte er Mehrheiten im Repräsentantenhaus und im Senat.

    Und selbst dann wird es ein Kampf, wie schon Präsident Obamas Bemühungen um eine Gesundheitsreform zeigten. Biden, der Obamas Vizepräsident war, wird sich daran noch gut erinnern. Lange musste die Obama-Regierung für das Gesetzespaket kämpfen, das am Ende doch nicht so weitreichend war, wie sie es gerne gewollt hätten.

    „Wollen Amerikaner wirklich zu einer Phase des langsameren Wachstums mit geringeren Lohnzuwächsen zurückkehren, wie wir sie unter Obama und Biden erlebt haben?“, fragte das „Wall Street Journal“ neulich seine Leser provokant. „Oder wollen sie lieber Schritte, die die Wirtschaft zu schnellem Wachstum zurückbringen, von denen auch die Geringverdiener schneller profitieren werden?“

    Aus europäischer Sicht ist das ein verzerrter Blick auf die Wirklichkeit. Wer würde nicht lieber eine solide soziale Absicherung haben und dafür auf ein paar Prozentpunkte Wachstum verzichten? Doch viele Amerikaner denken anders. Sie würden im Zweifel immer wieder das Rennauto wählen.

    Mehr: Nobelpreisträger Stiglitz: Coronakrise wird Trump das Amt kosten.

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    1 Kommentar zu "Kommentar: Millionen Amerikaner verlieren ihre Jobs – und doch sind die USA nicht bereit zu Reformen"

    Das Kommentieren dieses Artikels wurde deaktiviert.

    • Also mehr Staat und weniger Markt soll also die Wirtschaft wieder in Schwung bringen? Wo hat das jemals funktioniert?

      Fuer Leute in Deutschland, die in der Regel kontinuierlich ueber das System der USA falsch und mit vielen Vorurteilen belastet informiert werden - es gibt Arbeitslosenversicherung (Social Security) in den USA! Und das wird viele jetzt in Kognitive Disonanz stuertzen, aber die meisten haben in den USA nach einem Jobverlust das Anrecht auf Arbeitslosengeld - und das ohne, dass man vorher seine ganzen Ersparnisse aufgebraucht hat. Zudem hat die USA jedem, der weniger als 90,000 U$ verdient, einen Scheck von ungefaehr 1200 U$ wegen COVID-19 geschickt. Wieviel war das noch einmal in Deutschland? Und auch nur 7% haben in den USA keine Krankenversicherung - einfach googeln, wenn man es nicht glaubt.

      Also, so unterschiedlich sind die Sozialsysteme zwischen den USA und Deutschland garnicht. Was genau soll den in den USA nun reformiert werden, was in Deutschland besser laeuft?

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