Kommentar: Trumps „Big Beautiful Bill“ ist ein Affront gegen die ökonomische Vernunft

Im Augenblick seines Triumphs klang Donald Trump beinahe demütig. „Der größte Sieger ist das amerikanische Volk“, schrieb der Präsident der Vereinigten Staaten in einer Onlinebotschaft, nachdem der Senat sein Mammutgesetz für niedrigere Steuern, höhere Verteidigungsausgaben und einen militarisierten Grenzschutz verabschiedet hatte.
Der untypische Anflug von Bescheidenheit war jedoch schnell wieder vorbei, genau genommen nach zwei Absätzen. Dann fand Trump zu seinem gewohnten Hochstapler-Sound zurück. Nichts weniger als ein „goldenes Zeitalter“ versprach er den US-Bürgern.
Trump hat seinen Willen bekommen. Die Frage ist nun, welche Kosten dafür fällig werden. Nicht nur politisch für seine Partei, die Republikaner. Sondern vor allem ökonomisch. Die „Big Beautiful Bill“ ist ein Schuldenexzess. Die Zukunft wird verpfändet und in der Gegenwart verschleudert. Der Glaube, dass die gewaltigen Steuersenkungen sich durch Wirtschaftswachstum selbst finanzieren, ist nicht nur naiv, er ist gefährlich.
Trumps teure Machtdemonstration
Bevor Trump das Gesetz mit seiner Unterschrift in Kraft setzen kann, muss das Abgeordnetenhaus dem Entwurf noch zustimmen. Das ist noch nicht ausgemacht, gilt aber als wahrscheinlich. Trumps zweite Amtszeit ist bislang eine einzige Machtdemonstration. Er hat seine politischen Gegner ausgeschaltet, die Opposition ist orientierungslos, seine innerparteilichen Kritiker sind verstummt. Auch der oberste Gerichtshof lässt ihn gewähren. Und genau das ist das Problem. Die fehlende Kontrolle des exekutiven Tatendrangs könnte in eine Finanzkrise führen.