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KommentarVerzockt und verkalkuliert – Finanzinvestoren befinden sich in Not

Die übertriebene Risikoneigung aus der Boom-Zeit der Private-Equity-Branche holt die Beteiligungsmanager jetzt ein. Viele geraten selbst verschuldet in Bedrängnis. Peter Köhler 10.03.2024 - 18:28 Uhr
Die Private-Equity-Manager kommen von allen Seiten unter Druck. Foto: dpa

Vor zwei, drei Jahren war die Versuchung einfach zu groß. Extrem niedrige Zinsen und der zu Rekorden anschwellende Strom neuer Gelder von den Versicherungen, Pensionskassen und reichen Familien lockte die Finanzinvestoren ins Risiko. Die Private-Equity-Fonds ignorierten alle Warnungen vor Übertreibungen und kauften munter zu Höchstpreisen ein. Die Bewertungen erreichten immer neue Rekorde.

Da auch Kredite sehr günstig waren, steckten die Finanzmanager auch möglichst viel Fremdkapital in die Deals. Und alle verdienten prächtig in der Euphorie – die Private-Equity-Manager, die Rechtsanwälte, die Investmentbanken.

Diese Leichtsinnigkeit während des Booms rächt sich jetzt, denn die Private-Equity-Manager kommen von allen Seiten unter Druck. Das Fundraising – also das Einsammeln neuer Mittel für die Fonds – ist mühsamer geworden, besonders für diejenigen Player, die ihre Deals im Mittelstand machen. Denn die institutionellen Investoren bekommen wieder vergleichsweise hohe risikoarme Zinsen bei Staats- und Unternehmensanleihen.

Und die Portfoliofirmen der Private-Equity-Manager können sich dem ganz normalen konjunkturellen Stress nicht entziehen – steigende Preise, schleppende Nachfrage, zu hohe Kosten. Jetzt muss sich zeigen, ob die Beteiligungsmanager das operative Geschäft wirklich beherrschen oder ob das behauptete „Hands-on“-Management nur eine PR-Blase war. Das drückt auf die Stimmung und auf die Renditen.

Es fehlen die lukrativen Börsengänge als Exit

Damit Private Equity langfristig erfolgreich bleibt, muss die Branche aber eine deutliche Überrendite gegenüber den Aktien erwirtschaften. Wenn aber die Kurse an den Aktienbörsen weiter auf Rekordkurs bleiben, dürfte das schwierig werden. Vor allem aber fehlen die Exits über die Börse.

Beteiligungsbranche

Private-Equity-Fonds unterschätzen Folgen der Konjunkturflaute

Mit der Parfümeriekette Douglas kommt jetzt zwar ein Schwergewicht eines Finanzinvestors an die Börse, aber entscheidend wird hier die Performance nach dem IPO sein. Denn viele Börsenneulinge aus dem Besitz von Finanzinvestoren haben die Investoren in den vergangenen Jahren bitter enttäuscht, man ist deshalb vorsichtig geworden.

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Deshalb herrschte in Deutschland auch monatelang totale Flaute in puncto Börsengängen. Und auch die Verkäufe an Konzerne stocken oftmals, weil die Beteiligten nicht von ihren Preisvorstellungen abrücken wollen.

In den kommenden Monaten und Jahren wird sich deshalb zeigen, dass die Schere zwischen guten und schlechten Private-Equity-Fonds noch weiter auseinandergeht, als es in der Vergangenheit ohnehin schon der Fall war. Die rosigen Zeiten werden nicht zurückkommen, die Spreu trennt sich vom Weizen.

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