US-Zölle: Chinas Geheimwaffe im Handelsstreit mit den USA heißt Fentanyl

Seit Samstag verhandeln die USA und China, die beiden größten Volkswirtschaften der Welt, über eine Lösung im von Amerika begonnenen Zollkrieg. Die USA erheben seit Mitte April 145 Prozent Strafzölle auf die meisten chinesischen Importe. China schlägt im Gegenzug 125 Prozent auf die meisten US-Einfuhren auf. Das hat de-facto zu einem gegenseitigen Handelsembargo geführt. Und belastet die gesamte Weltwirtschaft.
Schon bald dürften sich in den USA die Regale der Kaufhäuser leeren, die Preise deutlich anziehen – und der Druck auf US-Präsident Donald Trump steigen. Zudem wird immer wieder darüber spekuliert, dass die Staatsführung in Peking ihren riesigen Bestand an US-Staatsanleihen von 760 Milliarden US-Dollar als Druckmittel gegenüber den USA einsetzen könnte. Doch Chinas eigentliche Geheimwaffe im Handelsstreit mit den USA ist etwas ganz anderes: Fentanyl.
Rund 450.000 Menschen in den USA sind bereits an einer Überdosis der stark süchtig machenden Billigdroge gestorben. Die Grundchemikalien für das synthetische Opioid kommen zumeist aus China. In Mexiko, Kanada oder den USA selbst werden sie zur tödlichen Droge zusammengemischt.
Trump begründet Zölle mit Fentanyl
Die ersten Zölle gegen China, Kanada und Mexiko hat Trump bereits im Februar explizit mit Fentanyl begründet. China verweist stets darauf, dass es eines der strengsten Drogengesetze der Welt hat. In einem Kontrollstaat wie China könnte der Export der Vorsubstanzen unterbunden werden, wenn die Staatsführung dies nur wollte.
Dass China Fentanyl als politisches Druckmittel einsetzt, zeigt der Blick ins Jahr 2022. Als Protest gegen den Taiwanbesuch Nancy Pelosis, damals Sprecherin des US-Repräsentantenhauses, setzte die Staatsführung die Zusammenarbeit mit den USA bei der Drogenbekämpfung vorübergehend aus. Zwischen Oktober 2022 und September 2023 stieg die Zahl der Drogentoten in den USA auf den traurigen Rekord von 114.000, darunter zahlreiche Fentanyl-Tote.
Seit Januar vergangenen Jahres kooperieren China und die USA wieder bei der Drogenbekämpfung. Seitdem sinkt die Zahl der Drogentoten in den USA, die an einer Überdosis mit einem synthetischen Opioid sterben, deutlich. Als wichtiger Grund gilt die geringere Verfügbarkeit von Fentanyl.
Erinnerung an Opiumkriege
Dass Drogen in einem Handelskrieg eingesetzt werden, ist nicht neu. Bereits in den Opiumkriegen im 19. Jahrhundert dienten sie als Mittel der asymmetrischen Kriegsführung. Damals fluteten die Briten China mit Opium, machten das halbe Volk abhängig. Am Ende des ersten Opiumkriegs (1839–1842) musste China die Hafenstadt Hongkong an Großbritannien abtreten. Am Ende des zweiten Opiumkriegs (1856–1860) erzwangen Großbritannien, Frankreich, USA und Russland eine Öffnung des damals weitgehend verschlossenen Qing-Reichs für Handel, politische Vertretungen der vier Länder sowie christliche Missionare.
In China gilt diese Zeit als „Jahrhundert der Demütigung“. Die Chinesen wissen sehr genau, wie mächtig Drogen als politisches Druckmittel sein können.