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Morning BriefingIsraels Krieg in Gaza – Aus Selbstverteidigung ist Rache geworden

Teresa Stiens 08.04.2024 - 06:23 Uhr
Handelsblatt Morning Briefing

Rache statt Selbstverteidigung: Die Isolation Israels

08.04.2024
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Guten Morgen liebe Leserinnen und Leser,

ein halbes Jahr ist es jetzt her, dass die Terrororganisation Hamas Israel überfiel, über 1200 Menschen tötete und 250 Geiseln nahm. Ein Tag, der das Leben der Israelis aber auch der Palästinenser tiefgehend veränderte. Heute ist vor allem der israelische Premier Benjamin Netanjahu im Fokus der internationalen Kritik. Wegen seines Vorgehens im Gazastreifen steht Israel innen- wie außenpolitisch immer isolierter da. In einem Telefonat drohte US-Präsident Joe Biden Netanjahu vergangene Woche Konsequenzen an, sollte Israel nicht mehr für den Schutz von Zivilisten tun.

Auch Teile der eigenen Bevölkerung wenden sich ab: In Jerusalem und anderen Städten gingen mehr als hunderttausend Menschen auf die Straße. Sie warfen Netanjahu vor, zu wenig für die Freilassung der Geiseln zu tun, und forderten den Rücktritt der Regierung.

Protest gegen Israels Premier Netanjahu. Foto: IMAGO/ZUMA Wire

Handelsblatt-Meinungschef Jens Münchrath findet sechs Monate nach dem grausamen Angriff der Hamas klare Worte: „Ein Zivilisationsbruch lässt sich nicht durch einen neuen unschädlich machen.“

Was die israelische Armee, die sich für die „moralischste der Welt“ hält, in Gaza an menschlicher Tragödie verursacht, gehe längst in diese Richtung. Jens Münchrath spricht von Zügen einer „kollektiven Bestrafung“ der Palästinenser mit mehr als 30.000 Todesopfern, einem dem Boden gleichgemachten Gazastreifen und einer drohenden Hungerkatastrophe. Netanjahu betreibe keine Selbstverteidigung mehr, er übe Rache. Ein Vorgehen, das auch den langfristigen Sicherheitsinteressen Israels schade.

Manchmal sagt eine einzige Grafik mehr über die Probleme eines Unternehmens aus als jede noch so ausführliche Beschreibung. So auch im Fall des deutschen Luftfahrt-Flaggschiffs Lufthansa. Wer sich die Liste der beliebtesten Airlines des Luftfahrtportals Aerotelegraph und des Medienanalyseunternehmens Unicepta 2023 anschaut, muss weit nach unten scrollen, um die Lufthansa zu entdecken. Auf Platz 25 rangiert sie weit hinter dem Spitzenreiter Emirates oder europäischen Konkurrenten wie Iberia oder Turkish Airlines.

Die Kunden sind unzufrieden – nicht nur mit der Kernmarke. Die Töchter Swiss, Brussels Airlines und AUA rutschten zuletzt bei Passagierbefragungen deutlich ab. Nur Eurowings konnte sich verbessern. Dabei hat Lufthansa-Chef Carsten Spohr mit dem bevorstehenden Umbau des Vorstands, dem Gezerre um den Einstieg bei der italienischen ITA und schwierigen Tarifverhandlungen eigentlich schon genug Probleme zu lösen. Da kommen die mürrischen Kunden eher ungelegen.

Doch die unzufriedenen Fluggäste zu ignorieren, wäre fatal. Schließlich zählt die Lufthansa darauf, dass die Passagiere weiterhin bereit sind, Premiumpreise für die Tickets zu bezahlen. Vor allem den hohen Preisen ist es zu verdanken, dass die Airline 2023 ein Rekordergebnis erzielen konnte. Ansonsten fliegt die Konkurrenz den Kölnern derzeit davon. In Richtung Asien hat die Airline bereits Kunden an Anbieter wie Emirates verloren und fliegt dort mittlerweile deutlich weniger Ziele an.

Wenn Sie einen detaillierten Einblick ins derzeitige Innenleben des Unternehmens bekommen und erfahren wollen, wie die Lufthansa das Problem in den Griff bekommen will, empfehle ich Ihnen die Analyse von Handelsblatt-Luftfahrtexperte Jens Koenen.

Es klingt wie ein fast magisches Heilsversprechen: eine Impfung gegen Krebs. Schon seit einiger Zeit macht das Mainzer Unternehmen Biontech Hoffnung auf eine solche Wunderspritze. Biontech erforscht einen Impfstoff, der wie auch der Corona-Impfstoff Comirnaty auf mRNA basiert. Langzeitstudiendaten, die das Unternehmen am Sonntag veröffentlicht hat, senden jetzt positive Signale: Auch Jahre nach der Behandlung zeigt die Krebsimpfung noch Wirkung.

Demnach haben Patienten mit Bauchspeicheldrüsenkrebs, die auf den mRNA-Impfstoff angesprochen haben, drei Jahre nach der Behandlung ein geringeres Rückfallrisiko. Der Zeitplan für die nächsten Schritte ist ambitioniert: 2026 soll das erste Krebsmittel des Unternehmens auf den Markt kommen, wie Firmenchef und Mitgründer Ugur Sahin Anfang des Jahres ankündigte. Nicht nur für die Patienten, auch für das Unternehmen ist die Hoffnung auf das Arzneimittel groß. Da der Corona-Impfstoff kaum noch gefragt ist, war der Umsatz 2023 um 78 Prozent eingebrochen.

Die USA und Japan wollen ihre Zusammenarbeit in den Bereichen Technologie, Klima und Verteidigung stark ausbauen. Dazu reist der japanische Premierminister Fumio Kishida heute zu einem Staatsbesuch in die Vereinigten Staaten. Die Erwartungen sind hoch. Es geht um grüne Energie und Unterwasserdrohnen, um Halbleiter, Rohstoffe und Kommunikationsnetze. Das Ziel: Chinas Einfluss in der Region soll geschwächt werden.

Doch paradoxerweise könnte dem amerikanisch-japanischen Anti-China Bündnis ausgerechnet der anti-chinesische Kurs der USA im Wege stehen. Denn die protektionistischen Handels- und Investitionshemmnisse der USA treffen auch japanische Unternehmen.

DGB-Chefin Yasmin Fahimi Foto: Dominik Butzmann

In diesen Wochen passieren einige gar wunderliche Dinge in Deutschland: Der FC Bayern wird aller Voraussicht nach (zumindest bei den Männern) nicht deutscher Fußballmeister werden, Anfang April ist es über 30 Grad heiß und die CDU flirtet mit den Gewerkschaften. Am Mittwoch treffen sich Spitzen des Deutschen Gewerkschaftsbundes (DGB) und von Einzelgewerkschaften mit CDU-Chef Friedrich Merz und seinem Präsidium zum Abendessen.

Die unverhoffte Allianz eint eine Sorge: die Zukunft des Industriestandortes. Wer darin die Rückkehr des „christlichen Sozialismus“ der 1940er Jahre wittert, sei beruhigt: Es gibt auch noch viele Positionen, in denen die Christdemokraten und die Arbeitnehmervertreter weit auseinander liegen. Der CDU geht es wohl auch darum, mit einem sozialpolitischen Profil eine breitere Wählerschaft anzusprechen.

Zum Abschluss noch ein Blick auf die Sonne. Die wird sich heute in Teilen der USA für einige Momente verdunkeln. Denn von Texas über den Mittleren Westen bis nach Maine gibt es eine komplette Sonnenfinsternis zu sehen.

Und da die Amerikaner die Könige des Kapitalismus sind, wollen viele auch aus einer sich verdunkelnden Sonne noch Profit schlagen. Texas rechnet durch Touristen mit zusätzlichen Einnahmen von 1,4 Milliarden Dollar. Flüge von der Westküste nach Austin gibt es zurzeit ab 1500 Dollar. Für durchschnittliche 20 Dollar sind T-Shirts zu haben, die beweisen, dass man dabei gewesen ist.

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Wofür das alles? Nasa-Sprecherin Anita Dey fasst zusammen, was passieren wird: „Für die Menschen an der US-Ostküste wird es aussehen, als ob das Krümelmonster einen großen Bissen von einem Keks genommen hat.“

Ich wünsche Ihnen einen guten Tag mit viel Sonne und wenig Krümeln,

Herzliche Grüße
Ihre
Teresa Stiens
Redakteurin Handelsblatt

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