1. Startseite
  2. Meinung
  3. Morning Briefing
  4. Morning Briefing: Lässt sich die Unsterblichkeit kaufen?

Morning BriefingLässt sich die Unsterblichkeit kaufen?

Teresa Stiens 05.01.2024 - 06:16 Uhr
Handelsblatt Morning Briefing

Der Traum der Unsterblichkeit – Longevity im Selbstversuch

05.01.2024
Abspielen 07:30

Guten Morgen liebe Leserinnen und Leser,

hätten Sie Lust, ewig zu leben? Eine Frage, die ich mir aufgrund mangelnder Umsetzbarkeit offen gesagt noch nicht gestellt habe – mein Kollege Felix Holtermann aber schon. Felix hat sich in den USA auf die Suche gemacht nach dem Jungbrunnen, dem Stein der Weisen, dem Weg zum ewigen Leben. Longevity heißt das heutzutage und ist ein Trend der Tech-Elite. Doch ist der Traum vom ewigen Leben wirklich realistisch? Und wenn ja, ist er erstrebenswert?  

Um das herauszufinden, hat unser Tech-Korrespondent ganz schön viel auf sich genommen. Vieles davon klingt alles andere als lebensbejahend: Ein Superveggie-Smoothie (schwarze Linsen, Blumenkohl, Hanfsamen und Co.), strikte Enthaltsamkeit und das Gefühl, lebendig begraben zu sein – auf einem Vulkan mit Panflöten. Was es mit diesen Methoden auf sich hat, ob Felix sich die Unsterblichkeit erkaufen konnte und welcher Sinn im Tod liegen könnte, lesen Sie in unserem großen Wochenendtitel.

Eigentlich ist es nicht meine Art, Sie frühmorgens schon mit Hegel zu belästigen. Die Werke des deutschen Philosophen gelten schließlich als kompliziert und schwer verdaulich. Doch beim Thema Schuldenbremse, das ebenfalls den Ruf hat, kompliziert und schwer verdaulich zu sein, komme ich nicht umhin, an den gebürtigen Stuttgarter zu denken.  

Kurz zusammengefasst sieht Hegel den Prozess der Wahrheitsfindung in Rede und Gegenrede. Eine offene Herangehensweise, in der auch gegensätzliche Positionen Raum finden. Ich freue mich deshalb sehr, den Geist der hegelschen Dialektik beim Thema Schuldenbremse im Handelsblatt wiederzufinden. Es finden sich einerseits all jene Stimmen, die an der Schuldenbremse im Grundgesetz festhalten wollen und ihr Aussetzen für keine gute Idee halten.

Niklas Potrafke, Professor für Volkswirtschaftslehre an der LMU München, argumentiert in einem Gastbeitrag, die Schuldenbremse halte die Politik dazu an, ihre Ausgaben sorgfältig zu überprüfen. In Zeiten, in denen die Zinsen dauerhaft kleiner als das Wirtschaftswachstum seien, lohne sich das Schuldenmachen zwar, aber „nun haben wir eine Rezession und so hohe Zinsen, wie wir sie seit Jahrzehnten nicht mehr erlebt haben“, schreibt Potrafke.

Auch mein Kollege Martin Greive, zuständig für Finanzpolitik, argumentiert für die Schuldenbremse. Er warnt vor haushaltspolitischen Tricksereien und schreibt: „Die deutsche Finanzpolitik würgt die Konjunktur nicht ab, sie wirkt neutral“. Einen Sparkurs gebe es nicht, auch nicht durch das Haushaltsurteil des Bundesverfassungsgerichts.

Womit wir bei der Dialektik wären. Denn es finden sich andererseits auch gegensätzliche Positionen. Der Chef des Deutschen Instituts für Wirtschaftsforschung (DIW), Marcel Fratzscher, fordert etwa, die Schuldenbremse wegen der Hochwasserlage in Deutschland auszusetzen. „Diese Katastrophe wird den Staat voraussichtlich einen erheblichen Milliardenbetrag kosten“, argumentiert er. Die Alternative wäre ein Wohlstandsverlust durch weitere Einsparungen.

Und die Professorin für Volkswirtschaftslehre an der University of Massachusetts Amherst, Isabella Weber, sagt in einem Interview, das Kollegen des „Tagesspiegel“ geführt haben: „Die Schuldenbremse allen notwendigen Investitionen überzuordnen und eine Rezession hinzunehmen, destabilisiert Wirtschaft und Gesellschaft“.

Und nun? Laut Hegel liegt die Wahrheit in der Synthese zwischen These und Antithese. Auf Deutsch gesagt also irgendwo dazwischen.

Das neue Jahr 2024 ist aus volkswirtschaftlicher Sicht bereits mit einer Reihe schlechter Nachrichten gestartet – jetzt kommt noch eine weitere hinzu. Im neuen Jahr droht ein deutlicher Anstieg der Insolvenzzahlen in Deutschland. Experten erwarten nach Handelsblatt-Recherchen ein Plus von bis zu mehr als 30 Prozent.

Handelsblatt-Konsumgüterexperte Michael Scheppe sieht eine Art staatliche Insolvenzverschleppung. Denn der Bund habe während der Pandemie viele Pleiten durch Milliardenzahlungen verhindert. Nun zeige sich: Der Großteil der Insolvenzen wurde dadurch allerdings nur verzögert, nicht verhindert.

Betroffen sind vor allem der Handel, die Modebranche, das Gesundheitswesen, die Immobilienwirtschaft und die Baubranche. Der Druck auf die Unternehmen, sich mithilfe von Restrukturierungsmaßnahmen an die neue ökonomische Großwetterlage anzupassen, steigt.

Doch es drohen nicht nur mehr Insolvenzen – Fachleute sehen auch immer schlechtere Chancen, angeschlagene Firmen durch ein Sanierungsverfahren zu retten. Das könnte allerdings vermehrte Firmenübernahmen bedeuten. Jens Krane, der das M&A-Geschäft der Commerzbank leitet, sieht neue Impulse für das Transaktionsgeschäft: 2024 würden Notverkäufe ein Treiber für Fusionen und Übernahmen sein.

In acht Tagen startet Taiwan nach Bangladesch als zweites Land ins Superwahljahr 2024. Die Abstimmung interessiert die Machthaber in Washington, Peking und Brüssel sehr. Denn zur Wahl steht auch der neue Chinakurs in Taipeh – eine geopolitisch potenziell richtungsweisende Entscheidung. Im Raum steht eine mögliche gewaltvolle Einverleibung der Insel durch China. Die USA haben Taiwan für einen solchen Fall ihre Unterstützung zugesagt – es droht eine direkte Konfrontation der Supermächte. Alles, was Sie zur anstehenden Wahl wissen müssen, lesen Sie in unserer großen Analyse.

Zum Abschluss noch einen Blick auf die aktuellen Entwicklungen beim Brexit, der bisweilen wunderliche Blüten treibt. Diesen Monat sollen neue Grenzkontrollen für die Einfuhr von Pflanzen in Kraft treten. Wie der britische „Guardian“ berichtet, schlagen die niederländischen Blumenzüchter wegen der neuen Kontrollen Alarm.  

Denn schon jetzt braucht es, um etwa eine Petunie einzuführen, rund 59 einzelne Schritte. Die Niederländer warnen deshalb: Vor allem für Valentinstag und Muttertag könnten die Lieferungen ausbleiben.  

„Halb so wild“, denken sich überzeugte Brexiteers. Der EU-Austritt war ja ohnehin dafür da, mehr britische Produkte zu konsumieren. Ich empfehle im Strauß für die Mama die „stinkende Iris“, eine in Großbritannien heimische Pflanze, deren Blätter nach Fleisch riechen sollen. So kann man sich den Braten zum Fest dann auch direkt sparen.

In der kommenden Woche übernimmt an dieser Stelle mein Kollege Christian Rickens wieder die morgendliche Wortführung. Ich verabschiede mich deshalb von Ihnen und wünsche Ihnen einen guten Tag, an dem Sie sich nicht in die Nesseln setzen.

Es grüßt Sie herzlich

Verwandte Themen
USA
Deutschland
China
Schuldenbremse
Commerzbank

Ihre

Teresa Stiens
Redakteurin Handelsblatt

PS: Warum ist das mittlere Management so unattraktiv? Und welchen Herausforderungen stehen Führungskräfte gegenüber? Darüber diskutiert diese Woche die Handelsblatt-Leserschaft. Lesen Sie hier eine Auswahl der Kommentare.

Mehr zum Thema
Unsere Partner
Anzeige
remind.me
Jetziges Strom-/Gaspreistief nutzen, bevor die Preise wieder steigen
Anzeige
Homeday
Immobilienbewertung von Homeday - kostenlos, unverbindlich & schnell
Anzeige
IT Boltwise
Fachmagazin in Deutschland mit Fokus auf Künstliche Intelligenz und Robotik
Anzeige
Presseportal
Direkt hier lesen!
Anzeige
STELLENMARKT
Mit unserem Karriere-Portal den Traumjob finden
Anzeige
Expertentesten.de
Produktvergleich - schnell zum besten Produkt