Technik-Neuheiten der IAA: Bremsen per Kabel und ein Verbrenner für das E-Auto
München. Die Internationale Automobil-Ausstellung in München ist nicht nur eine Publikumsschau der großen Modell-Neuheiten. Etwas abseits der großen öffentlichen Bühnen präsentieren Hersteller und Zulieferer ihre Innovationen und Technik-Portfolios. Dabei verändert sich der Autobau mitunter fundamental.
Bremsen per Kabel – ZF und Bosch zeigen By-wire-Systeme
Die Zukunft der Bremse hängt am Kabel: Statt Kräfte mechanisch oder über Hydraulikflüssigkeit zu übertragen, laufen die Befehle vom Pedal oder Lenkrad als elektronische Signale zu kompakten Stellmotoren an Bremse, Lenkung oder Antrieb. Das spart Bauteile, schafft Platz im Fahrzeug – und ermöglicht Funktionen, die mit klassischer Technik nur schwer umsetzbar wären.
Der Zulieferer ZF zeigt auf der Messe vor allem seine Brake-by-Wire-Systeme. In der „trockenen“ Ausführung kommt die Anlage ganz ohne Bremsflüssigkeit aus: An jedem Rad sitzt ein Elektromotor, der die Bremsbeläge direkt anlegt. Das System soll im Vergleich mit der hydraulischen Variante besonders schnell und präzise arbeiten. Und es verhindert das leichte „Schleifen“ der Beläge an der Scheibe, das bei herkömmlichen Bremsen Energie frisst und Feinstaub erzeugt.
Für die Kunden der Zulieferer, die Autohersteller, hat der By-Wire-Ansatz aber noch weitere Vorteile: weniger Teile, weniger Leitungen, einfachere Montage – und mehr Freiheit beim Layout von Motorraum und Innenraum.
Bosch spannt den Bogen noch weiter und spricht von „Act-by-Wire“ – also der elektronischen Ansteuerung gleich mehrerer Fahrzeugfunktionen. Auf der Messe zeigen die Stuttgarter ein Brake-by-Wire-System, das ganz ohne mechanische Verbindung zwischen Pedal und Bremse auskommt, sowie Software, die Bremse, Lenkung, Fahrwerk und Antrieb gemeinsam regelt.
Das Ergebnis sollen feinere Eingriffe bei Assistenzsystemen, kürzere Reaktionszeiten in Notfällen und spürbar mehr Komfort im Alltag sein. Ein Beispiel ist der „Comfort Stop“: Duch das gesteuerte Zusammenspiel von Bremse und E-Antrieb soll der übliche Bremsruck um 70 bis 90 Prozent geringer ausfallen – laut Bosch erhöht das das Komfortempfinden und mindert Reiseübelkeit.
Ein Verbrenner für das E-Auto
Das Aggregat, inklusive Generator und Wechselrichter, misst lediglich 50 × 55 × 28 Zentimeter. Die erste, bis zu 70 kW/95 PS starke Saugmotorversion ist für Fahrzeuge aus dem B- und C-Segment konzipiert. In Planung ist zudem eine aufgeladene Variante mit bis zu 120 kW/163 PS, die auch für Modelle im D-Segment oder leichte Nutzfahrzeuge geeignet wäre.
Der Ottomotor treibt die Räder nicht direkt an, sondern läuft im stets effizientesten Drehzahlbereich, um die Traktionsbatterie während der Fahrt zu laden. So lassen sich Akkus kleiner dimensionieren, was Kosten, Gewicht und den Einsatz kritischer Rohstoffe reduziert – ohne die Reichweite zu beschneiden. Betankt werden kann der C15 mit Benzin oder synthetischen Kraftstoffen.
Steuerfreier Raum: Das Lenkrad wird klappbar
Mit einem einklappbaren Lenkrad will der Zulieferer ZF Lifetec Platz in automatisiert fahrenden Autos schaffen. Das neuartige Konzept verfügt über einen E-Motor, der den Lenkradkranz in rund zwei Sekunden nach unten einklappt, so dass sich das Steuer beispielsweise komplett in das Armaturenbrett einziehen lässt. Ein Einklemmschutz soll Verletzungen an Fingern und Händen verhindern.
Die Klapp-Funktion verschaffte den Insassen nicht nur während des autonomen Fahrens mehr Freiraum, sondern etwa auch beim Parken. Vor allem in Asien, so die Einschätzung des Unternehmens, gebe es den Trend, immer mehr Arbeits- und Freizeit im Auto zu verbringen; das klappbare Lenkrad sorge dabei für mehr Komfort.
Leichter und sicherer – Rimac zeigt Festkörper-Akku
Rimac Technology stellt auf der eine Batterieplattform mit Festkörperzellen vor. Entwickelt haben die Kroaten das System gemeinsam mit dem chinesischen Pro-Logium-Konzern sowie Mitsubishi Chemical Group. Die Akkus sollen leichter sein als herkömmliche Speicher mit Flüssig-Elektrolyt, eine höhere Energiedichte bieten und nicht zuletzt sicherer sein. Die Technik ist dem Zulieferer zufolge serienreif; wann und in welchem Fahrzeug sie auf die Straße kommt, wird nicht gesagt.
Bekannt ist allerdings eine Zusammenarbeit von Mercedes und Pro Logium bei Festkörperzellen, die unter anderem für die kommende elektrische S-Klasse interessant sein könnten. Darüber hinaus zeigt die Zulieferer-Tochter von Rimac Automobili in München weitere Batterie-Technologien, elektrifizierte Achsen sowie Elektronik-Komponenten und Steuergeräte für E-Autos.
Kraft aus dem Boden – Neuer Elektro-Cayenne lädt induktiv
Porsche bringt das induktive Laden in Serie. Auf der IAA in München zeigt der Autohersteller ein berührungsloses Ladesystem mit 11 kW Leistung und einem Wirkungsgrad von 90 Prozent. Es besteht aus einer Charging-Vorrüstung zwischen den Vorderrädern des Fahrzeugs sowie einer rund 80 mal 12 Zentimeter großen Bodenplatte für die heimische Garage oder einen Stellplatz unter freiem Himmel.
Als erstes Modell ermöglicht der für 2026 erwartete elektrische Cayenne das Laden durch die Luftlücke. Zu diesem Zweck muss er mithilfe der Umfeldkamera über die Bodenplatte manövriert werden, wo er sich leicht absenkt. Das Laden starte automatisch, lasse sich aber auch per App überwachen und steuern. Einen Preis für das System nennt der Hersteller nicht.