Arbeitsmarkt: Mehr als sechs Millionen Menschen in freien Berufen
Berlin. Mittlerweile arbeitet rund jeder achte sozialversicherungspflichtige Beschäftigte bei einer Freiberuflerin oder einem Freiberufler. Zwischen 2015 und 2019, in den Jahren vor der Coronakrise, lag der Anteil der Menschen, die etwa für selbstständige Ärzte, Apotheker, Anwälte, Notare, Architekten oder Ingenieure arbeiteten, nur bei zehn Prozent.
Die Zahl der Freiberufler selbst ist hingegen nicht gestiegen. Insgesamt waren so zu Beginn dieses Jahres erstmals mehr als sechs Millionen Menschen als oder für Freiberufler tätig. Die Daten hat das Nürnberger Institut für Freie Berufe (IFB) für den Bundesverband der Freien Berufe (BFB) erhoben.
„Besonders erfreulich ist, dass sich die freien Berufe als attraktive und zuverlässige Arbeitgeberinnen und Arbeitgeber nicht nur behaupten konnten, sondern immer bedeutender werden“, sagte BFB-Präsident Friedemann Schmidt dem Handelsblatt.
So erhöhte sich die Zahl der sozialversicherungspflichtig Beschäftigten, die bei Freiberuflern arbeiten, binnen Jahresfrist um 3,2 Prozent auf rund 4,2 Millionen. Hinzu kommen noch rund 317.000 mitarbeitende Familienangehörige, die nicht sozialversicherungspflichtig sind.
Die freien Berufe lassen sich in vier Gruppen unterteilen: die Heilberufe, wie Ärzte, Apotheker oder Physiotherapeuten. Die Rechts-, Wirtschafts- und Steuerberatung, zu der beispielsweise Anwälte, Notare und Wirtschaftsprüfer gehören. Den technisch-naturwissenschaftlichen Bereich mit Architekten, Ingenieuren oder Informatikern. Und den künstlerischen Bereich, der beispielsweise Autoren oder Lektoren umfasst.
Arbeitsmarkt: Weniger Menschen wollen gründen
Allerdings ist die Bereitschaft, sich in einem der freien Berufe eine eigene Existenz aufzubauen, nicht mehr so ausgeprägt wie in der Vergangenheit. War die Zahl der selbstständigen Freiberufler in den zurückliegenden Jahren kontinuierlich gewachsen, so stagniert sie im laufenden Jahr erstmals bei rund 1,47 Millionen. Von allen Selbstständigen in Deutschland sind damit weiter rund 38 Prozent in den freien Berufen tätig.
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Während der technisch-naturwissenschaftliche Bereich und die Rechts- und Steuerberatung noch leichte Zuwächse gegenüber dem Vorjahr verzeichneten, blieb die Zahl der Freiberufler in den Heilberufen etwa gleich, in den Kulturberufen ging sie zurück.
BFB-Präsident Schmidt führt die Stagnation unter anderem darauf zurück, dass sich der Arbeitsmarkt zu einem Arbeitnehmermarkt entwickelt habe. Qualifizierte Kräfte werden überall gesucht, und wer die Wahl hat, zieht vielleicht das sichere Angestelltendasein dem Wagnis der Existenzgründung vor. Gerade in konjunkturellen Schwächephasen lässt der Mut zum unternehmerischen Risiko ohnehin nach.
Zahl der Auszubildenden stieg nur leicht
Wichtig sei, wieder für eine größere gesellschaftliche Wertschätzung des Unternehmertums zu sorgen und unnötige bürokratische Hürden für Existenzgründer abzubauen, sagt der BFB-Präsident. Bei der Berufsorientierung in den Schulen müsse stärker auch auf die Chancen einer freiberuflichen Erwerbstätigkeit hingewiesen werden.
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Die Zahl der Auszubildenden in den freien Berufen wuchs gegenüber dem Vorjahr nur noch minimal auf 129.600, während die Zahl der neu abgeschlossenen Ausbildungsverträge insgesamt im Vergleich zu den Jahren vor der Coronapandemie stark zurückgegangen ist.
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BFB-Präsident Schmidt sprach von einer „verdienten Anerkennung“ für die ausbildenden freien Berufe und deren Kammern und Verbände. Zugleich sei der nur noch minimale Zuwachs bei den Auszubildenden aber auch ein „Ansporn, sich weiter zu engagieren“.
Erstpublikation: 10.12.2023, 14:51 Uhr.