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CoronakriseWarum auch Zombie-Unternehmen mit Hilfe rechnen können

Wie geht die Bundesregierung mit Hilfsanfragen von Unternehmen um, denen es schon vor der Coronakrise schlecht ging? Die Regierung spielt das Problem eher herunter.Frank Matthias Drost 29.03.2020 - 10:39 Uhr

Der Bundesfinanzminister will die Wirtschaft umfangreich schützen.

Foto: AFP

Frankfurt. Bundesfinanzminister Olaf Scholz (SPD) hat die Bazooka ausgepackt. Mit wirtschaftlichen Hilfen für Unternehmen, die durch die Coronakrise in Not geraten, soll geklotzt, nicht gekleckert werden. In Rekordgeschwindigkeit hat der Bundestag ein Hunderte Milliarden Euro schweres Hilfsprogramm verabschiedet. Für alle ist etwas dabei – es geht von Zuschüssen zu Liquiditätshilfen bis hin zu Krediten und Beteiligungen.

Doch wer wacht darüber, dass nicht Unternehmen die Hilfen bekommen, die schon vor der Coronakrise auf wackeligen Füßen standen? In einer parlamentarischen Anfrage konfrontierte der FDP-Politiker Frank Schäffler das Bundesfinanzministerium (BMF) mit der Ansicht der Bank für Internationalen Zahlungsausgleich (BIZ).

Demnach hat sich in Deutschland die Zahl der sogenannten Zombie-Unternehmen, deren Erträge über einen längeren Zeitraum geringer sind als ihre laufenden Zinskosten, in den vergangenen Jahren tendenziell erhöht. Dass diese Unternehmen in der Coronakrise besonders anfällig sind, ist nachvollziehbar.

Doch das BMF hält dieses Thema nicht für gravierend. „Insgesamt dürfte der Anteil der Unternehmen mit einer anhaltenden Ertragsschwäche in Deutschland eine untergeordnete Rolle spielen. Ihr Anteil dürfte je nach Datenbasis und Definition im einstelligen Prozentbereich liegen“, heißt es.

Aber dass Zombie-Unternehmen der Volkswirtschaft nicht guttun, ist für das BMF klar. „Die Existenz von Unternehmen mit anhaltend kritischer Ertragslage ist ein mögliches Anzeichen dafür, dass notwendige Marktprozesse der schöpferischen Zerstörung behindert werden“, formuliert das BMF.

Dies würde dazu führen, dass sowohl Kapital als auch Arbeitskräfte in Unternehmen mit unterdurchschnittlicher Produktivität und geringerer Investitionstätigkeit gebunden werden. „Kredite, die finanzschwachen Unternehmen zur Verfügung gestellt werden, fehlten damit für produktivere Projekte.“

Nicht folgen kann das BMF der Vermutung der BIZ, dass eine erhöhte Anzahl von Zombie-Unternehmen auf die anhaltende Niedrigzinsphase zurückzuführen ist. Es lägen der Bundesregierung keine Erkenntnisse über einen eindeutigen Zusammenhang vor, heißt es. Aber generell können niedrige Zinsen tendenziell zur Verbreitung ertragsschwacher Unternehmen beitragen, indem sie die Finanzierungskosten der Unternehmen reduzieren.

Schärfer formuliert es der FDP-Abgeordnete Schäffler: „Die Niedrigzinspolitik der Europäischen Zentralbank (EZB) wird in der Krise zum Bumerang, weil notwendige Anpassungen in der Vergangenheit nicht erfolgt sind.“ Die EZB habe ihr Pulver zu früh verschossen. „Das rächt sich jetzt.“ Und stellt den Staat gleichzeitig vor eine schwere Entscheidung: Wer ist Trittbrettfahrer, wer braucht die Hilfen tatsächlich?

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