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Epidemie „Keine Wunder erwarten“: Corona-Impfstoff kommt frühestens 2021

Die Entwicklung eines Medikaments wird noch länger dauern. Die ersten Tests sind angelaufen, Bundesforschungsministerin Karliczek mahnt zu Geduld. 
09.03.2020 - 20:50 Uhr Kommentieren
Die Forschungsministerin erwartet noch einen längeren Prozess, bis es wirksame Medikamente und Impfstoffe gegen das Coronavirus speziell gibt. Quelle: dpa
Anja Karliczek

Die Forschungsministerin erwartet noch einen längeren Prozess, bis es wirksame Medikamente und Impfstoffe gegen das Coronavirus speziell gibt.

(Foto: dpa)

Berlin Angesichts der Corona-Epidemie richten sich immense Hoffnungen auf die Forschung. Doch einen Impfstoff wird es voraussichtlich erst 2021 geben, ein Medikament gegen das Virus noch später, prognostizierten führende Virologen auf einer Pressekonferenz mit Bundesforschungsministerin Anja Karliczek und Gesundheitsminister Jens Spahn (beide CDU). In etwa einem Jahr habe man jedoch vermutlich „erste Daten, welche der vorhandenen Medikamente Infizierten helfen können“, hieß es.

„Deutschland ist zwar in der Virologie besonders gut aufgestellt, aber wir brauchen Geduld, wir können keine Wunder erwarten“, sagte Karliczek. Sie hatte Anfang vergangener Woche 45 Millionen Euro für die Erforschung des Virus bereit gestellt. An diesem Dienstag soll der Haushaltsausschuss des Bundestages weitere 145 Millionen Euro für die Erforschung eines Impfstoffes genehmigen.

Erste klinische Prüfungen für einen Corona-Impfstoff könnten schon im Sommer oder Herbst dieses Jahres möglich sein, sagte der Präsident des Paul-Ehrlich-Instituts, Klaus Cichutek. „Vielleicht gibt es dann schon 2021 einen Impfstoff, der in die klinische Phase II und III gehen und an Tausenden oder Zehntausenden Freiwilligen getestet werden kann.“ Das würde bedeuten, dass „wir dann vielleicht schon einen Schutz für Schwerstkranke haben“.

Länger wird es dauern, bis ein Medikament zur Behandlung von Erkrankten zur Verfügung steht. Das Institut für Biochemie an der Universität Lübeck habe zwar bereits auf der Grundlage der früheren Sars- und Mers-Viren einen Breitband-Wirkstoff entwickelt – der jedoch angesichts der geringen Fallzahlen von 8000 Sars-Erkrankten und 2500 Mers-Patienten für den Pharmamarkt uninteressant gewesen sei, erklärte der Leiter des Instituts, Rolf Hilgenfeld.

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    Klinische Studien laufen

    Angesichts der massenhaften Corona-Ausbreitung sei das nun anders. Der Lübecker Forscher zeigte sich zuversichtlich, ein Pharmaunternehmen zur Weiterentwicklung des Wirkstoffes zu finden, den das Institut zuletzt auch „für Corona-Viren optimiert“ habe.

    Dessen Genom sei seit dem 11. Januar 2020 bekannt. Hilgenfelds Team sei nun eingeladen, die Substanz mit dem Namen „13B“ in Kürze der „Innovative Medicines Initiative“ (IMI2) der EU-Kommission vorzustellen, an der diverse Unternehmen beteiligt sind. 

    IMI2 ist ein Public-Private-Partnership der EU mit einem Budget von 3,3 Milliarden Euro für den Zeitraum von 2014 bis 2020. 1,4 Milliarden davon kommen von Unternehmen. Die Leitung habe das japanische Pharmaunternehmen Takeda, beteiligt sei daneben auch das belgische Unternehmen Janssen Pharmaceutica, erklärte Hilgenfeld. 

    Unter den vorhandenen Medikamenten gibt es diverse „Kandidaten“, die sich eventuell für die Behandlung von Corona-Patienten eignen, sagte die Lungeninfektions-Spezialistin Susanne Herold von der Universität Gießen. Das gelte etwa für das Medikament „Remdesivir“ des US-Unternehmens Gilead, das gegen Ebola entwickelt und bereits  gegen Sars und Mers eingesetzt wurde. Daneben setze man auch Hoffnung auf diverse Proteasehemmer, die etwa gegen Influenza oder HIV angewandt werden. Die klinischen Studien dazu seien angelaufen, Ergebnisse laut Herold in etwa einem Jahr zu erwarten.

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