Erderwärmung: Luft und Wasser werden immer wärmer – Hitzewellen auch im Mittelmeer
Berlin. Agadir 50,4 Grad, Algier 49,2 Grad, Tunis 49 Grad: Nicht nur in Nordafrika, sondern weltweit war es im vergangenen Jahr so warm wie nie seit Beginn der Industrialisierung. Die globale Durchschnittstemperatur lag rund 1,45 Grad Celsius über den Werten, die zwischen 1850 und 1900 gemessen wurden.
Das zeigt der Jahresbericht der Weltorganisation für Meteorologie (WMO), der an diesem Dienstag veröffentlicht wurde. Die WMO ist eine Organisation der Vereinten Nationen, ihr Hauptsitz befindet sich in Genf.
WMO-Generalsekretärin Celeste Saulo sprach von einem „Alarmsignal“. Die Staatengemeinschaft hatte sich bei der Weltklimakonferenz in Paris 2015 darauf verständigt, die Erderwärmung auf unter zwei Grad begrenzen zu wollen. Später wurde das Ziel auf 1,5 Grad verschärft. Dieser Wert gilt als Grenze dafür, die Auswirkungen des Klimawandels noch halbwegs beherrschen zu können – und die Welt nähert sich dieser Grenze stetig, auch wenn die einzelnen Jahre Temperaturschwankungen unterliegen.
Für 2023 zeigt der WMO-Bericht nicht nur Temperaturrekorde in der Luft. Die „beispiellose Erwärmung der Ozeane“, schwindende Gletscher und schmelzendes antarktisches Eis sind für Saulo „Anlass zu großer Sorge“.
Global gesehen sei jeder Monat von Juni bis Dezember für den jeweiligen Monat rekordverdächtig warm gewesen, heißt es in dem Bericht. Ein Grund dafür ist dem Bericht zufolge ein Wechsel bei zwei natürlichen Klimaphänomenen, El Niño und La Niña.
El Niño tritt im Durchschnitt alle zwei bis sieben Jahre auf und dauert normalerweise neun bis zwölf Monate. Mit ihm ist eine Erwärmung der Meeresoberfläche vor allem im tropischen Pazifik verbunden, und er beeinflusst Wetter- und Sturmmuster in verschiedenen Teilen der Welt. Mit La Niña geht eine Abkühlung einher. Durch den Wechsel von La-Niña- zu El-Niño-Bedingungen Mitte 2023 seien die Temperaturen deutlich angestiegen, erklärt die WMO.
Hitzewellen auch im Mittelmeer
Generell haben sich die Ozeane in den vergangenen beiden Jahrzehnten besonders stark erwärmt, so die Forscher. Mehr als 90 Prozent der Meere seien im Verlauf des vergangenen Jahres gar von einer Hitzewelle betroffen gewesen.
Allgemein gesprochen ist eine marine Hitzewelle eine an fünf aufeinanderfolgenden Tagen oder länger andauernde, temporäre Erwärmung eines bestimmten Meeresgebiets, die weit über dem üblichen Temperaturanstieg im Jahresverlauf liegt, erklärt die Umweltschutzorganisation World Wildlife Fund (WWF).
Die WMO erwartet, dass sich die Erwärmung fortsetzt. Das betrifft auch das Mittelmeer. Dort habe es zum zwölften Mal in Folge nahezu flächendeckend starke und schwere marine Hitzewellen gegeben, heißt es. Laut WWF lag Mitte Juli 2023 die Wassertemperatur im Mittelmeer rund fünf Grad Celsius über der für die Jahreszeit normalen Wassertemperatur.
Warum 2023 ein verlorenes Jahr für den Klimaschutz war – und was sich 2024 tun muss
Nicht nur marine Hitzewellen, sondern auch andere Folgen des Klimawandels wie Überschwemmungen, Wirbelstürme, extreme Hitze und Trockenheit haben verheerende Folgen. Sie führen zu Ernteausfällen, wirtschaftlichen Schäden in Milliardenhöhe und – vor allem in den Ländern auf der südlichen Halbkugel – zur Vertreibung von Millionen Menschen.
Die Zahl der Menschen, die weltweit von akuter Ernährungsunsicherheit betroffen sind, ist nach WMO-Angaben deutlich gestiegen: von 149 Millionen Menschen vor der Coronapandemie auf 333 Millionen Menschen 2023. Wetter- und Klimaextreme seien zwar nicht die Hauptursache, aber ein verschärfender Faktor, heißt es.
Treffen in Kopenhagen: Vorbereitungen für die COP29
Der Bericht der UN-Organisation dient unter anderem als Grundlage für das erste klimapolitische Spitzentreffen dieses Jahres. Am Donnerstag und Freitag kommen im dänischen Helsingör rund 30 Klima- und Umweltminister zusammen, um über die Erwartungen an die nächste Weltklimakonferenz, die sogenannte Conference of the Parties (COP), Ende des Jahres zu diskutieren.
Die Präsidentschaft der vergangenen COP28 aus den Vereinigten Arabischen Emiraten und die kommende aus Aserbaidschan richten das Treffen gemeinsam mit dem dänischen Minister für Entwicklungszusammenarbeit und globale Klimapolitik, Dan Jörgensen, aus.
Auch Brasilien, Ausrichter der COP30 im Jahr 2025, ist mit von der Partie. Für Deutschland nimmt Jennifer Morgan, Staatssekretärin im Auswärtigen Amt, teil. Es ist das dritte Mal, dass Jörgensen zu so einem Treffen einlädt.
Eines der Hauptthemen dürfte die globale Energiewende sein. 2023 sei der Zubau an erneuerbaren Energien gegenüber 2022 um fast 50 Prozent auf insgesamt 510 Gigawatt erhöht worden, heißt es in dem WMO-Bericht. Dieses Wachstum zeige, dass es möglich sei, die Kapazitäten bis 2030 auf 11.000 Gigawatt weltweit zu verdreifachen.
Wie dringlich das ist, macht die WMO am Beispiel der Klimafinanzierung deutlich. Dabei geht es einerseits um finanzielle Unterstützung beim Aufbau einer sauberen Infrastruktur in Entwicklungs- und Schwellenländern.
Andererseits geht es um finanzielle Hilfen vor allem an Entwicklungsländer, damit diese sich an den Klimawandel anpassen können. Sie haben teilweise schon heute mit hohen Kosten aufgrund von Extremwetterereignissen zu kämpfen. Wie sich die Finanzierung in ausreichender Höhe in den kommenden Jahren sicherstellen lässt, blieb in Dubai weitgehend offen. In Aserbaidschan wird das eines der Hauptthemen sein.
Erneuerbare Energien reichen nicht
Auch andere Experten halten den Ausbau grüner Technologien für essenziell auf dem Weg zu einer weltweiten Dekarbonisierung. Sie mahnen aber auch an, weniger fossile Brennstoffe zu fördern und das Potenzial natürlicher Kohlenstoffsenken zu nutzen, etwa die Aufforstung oder die Wiedervernässung von Mooren.
Viele andere Staaten, darunter auch Deutschland, vertraten die Ansicht, den Einsatz von CCS vor allem dort einzusetzen, wo schwer vermeidbare Emissionen anfallen, etwa in der Zementindustrie. Auf der Klimakonferenz in Dubai war es letztlich gelungen, sich auf eine Abkehr von Öl und Gas zu verständigen. Ein Datum wurde jedoch nicht vereinbart.