Essay: Eine Supermacht enttäuscht und Europa erhält eine letzte Chance
Vielleicht ist es die Wucht und Häufung der epochalen Ereignisse, die von diesem Jahr besonders in Erinnerung bleiben wird. Selten war die Wirtschaftselite so zerrissen zwischen technologischen Umbrüchen, einer zunehmend transformationsmüden Belegschaft, die hier und da in Widerstand umschlägt, und vor allem zwischen den unverhofft auftauchenden politischen und geopolitischen Krisen.
Das spüren auch Spitzenpolitiker, die sich in vielen Ländern Europas mit sinkenden Zustimmungswerten zu ihrer Klimapolitik konfrontiert sehen. Gleichzeitig verloren sie mit der Rückkehr des Zinses ihr liebstes politisches Werkzeug: den Kredit. Das Geld hat wieder einen Preis, Schulden kosten wieder etwas. Das bedeutet: Das politische Konzept, alle Probleme mit Geld zu lösen, gerät an seine Grenzen.
Und das ausgerechnet in einer Zeit, da in der Ukraine und in Gaza Krieg herrscht und die einstige Ordnungsmacht USA zunehmend mit sich selbst beschäftigt ist. Die Bevölkerungen in westlichen Ländern begeben sich derweil auf die Suche nach Orientierung, nach einem überzeugenden Zukunftsbild und erhalten allzu oft nur die einfachen Antworten von den politischen Rändern.