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Folgen des Lockdowns Start-ups haben das Nachsehen bei Corona-Hilfen

Bund und Länder versprachen schnelle Hilfe, doch Gründer beklagen noch immer lange Wartezeiten. Zudem gibt es oft regionale Unterschiede.
10.09.2020 - 19:04 Uhr 1 Kommentar
„Start-up-Hilfen in der Corona-Pandemie dürfen keine leeren Versprechungen sein.“ Quelle: dpa
Start-up-Zentrum in Leipzig

„Start-up-Hilfen in der Corona-Pandemie dürfen keine leeren Versprechungen sein.“

(Foto: dpa)

Berlin, Düsseldorf Die Bundesregierung reagierte schnell: Zwei Milliarden Euro an Corona-Hilfen für Start-ups stellten Finanzminister Olaf Scholz und Wirtschaftsminister Peter Altmaier am 1. April in Aussicht. Anfang Mai verkündete das Wirtschaftsministerium: „Die Umsetzung des Maßnahmenpakets steht jetzt“, die Liquiditätshilfen sollten „effizient und unbürokratisch“ fließen.

Doch vier Monate später warten viele Gründer immer noch auf die versprochenen Hilfen. Vor allem die Bundesländer tun sich schwer, die gemeinsam mit dem Bund angeschobenen Programme ans Laufen zu bringen. „Start-up-Hilfen in der Corona-Pandemie dürfen keine leeren Versprechungen sein“, kritisiert der Präsident des Digitalverbandes Bitkom, Achim Berg. „Dass drei Monate später vielerorts noch nicht einmal Anträge gestellt werden können, ist völlig inakzeptabel.“

Der Verband hat einen Überblick über die Programme der Länder zusammengetragen, der dem Handelsblatt vorab vorlag. Das Ergebnis: In fünf von 16 Ländern können junge Firmen bis heute noch keinen Antrag auf die Hilfen stellen, und zwar in Baden-Württemberg, Thüringen, Mecklenburg-Vorpommern, Sachsen-Anhalt und im Saarland.

Auch Christoph Stresing, Geschäftsführer des Bundesverbands Deutsche Startups, übt Kritik. Die Umsetzung lasse „in einigen Bundesländern leider noch immer auf sich warten“. In einer Bitkom-Umfrage hatte zuletzt fast jedes zweite Start-up angegeben, die Coronakrise bedrohe die eigene Existenz.

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    Altmaier und Scholz hatten die Schutzschild-Mittel für die Gründerszene in Deutschland auf zwei Töpfe aufgeteilt. Die Länder sind für die Auszahlung der Gelder aus der sogenannten Säule II zuständig, die 800 Millionen Euro umfasst. Die Programme richten sich an kleine Mittelständler und Gründer, die noch keinen Zugang zu Wagniskapitalgebern haben. Sie können bis zu 800.000 Euro erhalten.

    Besonders Schleswig-Holstein, Hamburg und NRW reagierten schnell

    Die erste Säule richtet sich nicht direkt an Start-ups, sondern an Wagniskapitalfonds als wichtigste Finanziers der Unternehmen. Sie sollen über die sogenannte Corona-Matching-Fazilität die öffentlichen Mittel mit eigenen Investitionen aufstocken und über ihr Know-how garantieren, dass die Steuergelder gut angelegt sind. Das Programm läuft seit Mai, verantwortlich ist eine Tochter der staatseigenen Kreditanstalt für Wiederaufbau, KfW Capital. Dort sind nach eigenen Angaben bislang 78 Anträge in Höhe von rund 1,17 Milliarden Euro eingegangen, genehmigt wurden 33 Anträge mit einem Volumen von 830 Millionen Euro.

    Bei den Landesprogrammen der Säule II gibt es stark unterschiedliche Zugangshürden für die Hilfsprogramme, zudem unterscheidet sich der Umfang der Hilfen. „Ob ein innovatives Technologie-Start-up in Deutschland in dieser unverschuldeten Krise gerettet wird oder nicht, darf nicht davon abhängen, wo es gegründet wurde“, kritisiert Bitkom-Präsident Berg. Der Föderalismus sei hier Fluch und Segen zugleich, sagt Stresing: Manche Länder nutzten die Chance, durch Flexibilität und Schnelligkeit hervorzustechen.

    Besonders Schleswig-Holstein, Hamburg und NRW reagierten schnell auf die pandemiebedingte Notlage vieler Gründer. Davon profitierte etwa das Düsseldorfer Start-up Retraced: 100.000 Euro aus der Säule II erhielt das Unternehmen im August – „wir sind sehr erleichtert“, sagt Mitgründer Lukas Pünder. Für den Aufbau der Plattform hatten die Gründer 250.000 Euro Wagniskapital aufgenommen – Geld, das bis Anfang 2021 reichen sollte. Doch dann kam Corona. „Mit dem Lockdown hatten Modemarken andere Sorgen, als über ihre Lieferkettentransparenz nachzudenken und mit uns Gespräche zu führen“, sagt Pünder.

    Mehr: Kommentar: Deutsche Technologie ist besser, als wir oft denken – und uns einreden.

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    1 Kommentar zu "Folgen des Lockdowns: Start-ups haben das Nachsehen bei Corona-Hilfen"

    Das Kommentieren dieses Artikels wurde deaktiviert.

    • Das Beispiel mit Start-ups und anderen Einschränkungen in der Wirtschaft - Politik sprich Bürokratie kann das eben nicht.
      Absichtserklärungen sind schnell gemacht, aber an der Umsetzungskompetenz hapert es - jedenfalls in Deutschland.
      Lockdowns sind schnell gemacht, Einschränkungen sind mindestens so schnell verfügt - und dann .....?
      Überall gibt es Mindestqualifikationen - nur bei politischen Entscheidungsträgern nicht - und es haftet keiner wie in der Privatwirtschaft.
      Gut, dass wir qualifizierte Entscheidungsträger in der Privatwirtschaft haben die es einfach können, mit Problemen umzugehen und - wichtig - zu lösen, weil sie leben Verantwortung für das Unternehmen in Gänze und den Mitarbeitern:innen im Besonderen.

      Der Rest ist einfach nur Laberei und peinlich.

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