Gesundheitsministerium: Deutschland kann 170 Millionen Menschen mit Corona-Impfstoff versorgen
Deutschland hat sich insgesamt 300 Millionen Impfdosen gesichert, die für knapp 170 Millionen Menschen reichen würden.
Foto: ddp images/Sven SimonBerlin. Bundesgesundheitsminister Jens Spahn spricht von etwa 300 Millionen Impfdosen, die sich Deutschland in der Coronakrise gesichert habe. Wiederholt sagte der CDU-Politiker, dass die Bundesregierung „auf Nummer sicher“ gehe und Lieferzusagen von unterschiedlichen Herstellern eingeholt habe.
Dem Handelsblatt liegt ein internes Papier aus Spahns Ministerium von Anfang Dezember vor. Darin wird aufgeschlüsselt, mit welchen Lieferungen der Impfstoffproduzenten die Bundesrepublik rechnet und wann die Zulassungen zu erwarten sind. Aus dem Dokument geht auch hervor, dass die angepeilten 300 Millionen Dosen für knapp 170 Millionen Menschen reichen würden. Hintergrund ist, dass aktuell bei den meisten Vakzinen eine Doppelverimpfung nötig ist, um einen Immunschutz zu erzeugen.
Rund 250 Millionen Impfdosen stammen demnach aus der gemeinsamen Beschaffung in der Europäischen Union. Aus den über die EU-Kommission abgeschlossenen Vorverträgen erhält die Bundesrepublik mindestens den bei 18,6 Prozent liegenden Anteil der deutschen Bevölkerung an der europäischen Gesamtbevölkerung.
Daneben hat Deutschland die Aussicht auf gut 50 Millionen Impfdosen über Vereinbarungen mit drei nationalen Impfstoffherstellern. Im Gegenzug hatte die Bundesregierung Biontech, Curevac und IDT Biologika insgesamt 750 Millionen Euro an zusätzlicher Forschungsförderung zur Verfügung gestellt.
Die großen Hoffnungsträger
Drei Impfstoffkandidaten sind im Bewertungsverfahren bei der Europäischen Arzneimittel-Agentur (EMA) bereits weit fortgeschritten. Die Zulassung des Genpräparats der Mainzer Firma Biontech und ihres US-Partners Pfizer wird dem Papier des Bundesgesundheitsministeriums zufolge bis zum 30. Dezember 2020 erwartet. Über die EU-Verträge kann Deutschland mit rund 39 Millionen Impfstoffdosen und über die nationale Abmachung mit weiteren 30 Millionen Dosen rechnen.
Ebenfalls weit vorn ist der Impfstoff des US-Unternehmens Moderna, das den Zulassungsantrag in der EU am 1. Dezember eingereicht hat. Der Beschluss der EMA werde hier bis zum 12. Januar 2021 erwartet, heißt es in dem Papier der Bundesregierung. Deutschland kann sich im Rahmen des EU-Einkaufs auf mindestens 15 Millionen Dosen einstellen.
Die Zulassung des Impfstoffs des britisch-schwedischen Pharmakonzerns Astra-Zeneca, der ebenfalls in der Schlussphase des Verfahrens ist, könnte ein wenig länger dauern. Die Zwischenanalysen aus den Studien hätten noch Fragen aufgeworfen, so die Erklärung des Gesundheitsministeriums. Knapp 56,3 Millionen Dosen sind für Deutschland über die EU reserviert.
Der Impfstoffkandidat der Tübinger Firma Curevac ist in den klinischen Studien noch nicht so weit. Im Papier des Gesundheitsministeriums steht lediglich, eine EU-Zulassung werde im Jahr 2021 angestrebt. Ebenfalls nicht endgültig geregelt sei hier die abschließende Verteilung der bestellten Impfdosen zwischen den EU-Mitgliedstaaten. Über das EU-Kontingent würde Deutschland mindestens 42 Millionen Dosen erhalten und über die nationale Vereinbarung bis zu 20 Millionen weitere Dosen.
Auch beim Präparat des US-Herstellers Johnson & Johnson heißt es, dass eine Zulassung im kommenden Jahr anvisiert werde. Im Rahmen der EU-Initiative kann die Bundesrepublik mit mehr als 37 Millionen Dosen rechnen. Der Vorteil dieses Vakzins: Es muss nicht doppelt verimpft werden. Schon eine Dosis soll ausreichenden Immunschutz geben.
Das gemeinsame Impfstoffprojekt der Pharmakonzerne Sanofi und Glaxo-Smithkline (GSK) werde „frühestens 2021“ zugelassen, so die Erwartung der Bundesregierung. Anschließend sollen mindestens 56 Millionen Dosen über die EU-Sammelbestellung an Deutschland gehen.
Die Dessauer Pharmafirma IDT Biologika, die mit Forschungsgeldern des Bundes gefördert wird, steckt mit seinem Impfstoffkandidaten noch in der ersten Phase der klinischen Studien. Eine Zulassungsperspektive wird im Papier des Bundesgesundheitsministeriums nicht genannt. Deutschland hat sich fünf Millionen mögliche Dosen direkt gesichert. Mit der EU-Kommission finden derzeit keine Vertragsverhandlungen statt.