Nazi-Regime: Diese drei Bücher erklären das Kriegsende vor 80 Jahren
Düsseldorf. Das Datum, 80 Jahre nach Kriegsende, ist nicht nur prägnant – sondern angesichts des Vormarschs einer rechtsradikalen Partei an die Spitze der deutschen Wahlumfragen aus vielen Gründen bedenkenswert. Und doch findet sich derzeit kein Sachbuch, das aus dem Deutschland des Jahres 1945 erzählt, auf den einschlägigen Sachbuch-Bestsellerlisten vorn.
Dabei lohnt der Blick in aktuelle Bücher, die diese Zeit aus unterschiedlichen Perspektiven schildern. Drei Empfehlungen:
Jochen Hellbeck: Ein Krieg wie kein anderer
Jochen Hellbeck:
Ein Krieg wie kein anderr
S. Fischer
688 Seiten
36 Euro
Der deutsch-amerikanische Historiker analysiert in diesem umfassenden Werk den Vernichtungskrieg Deutschlands gegen die Sowjetunion. Er zeigt, wie Antisemitismus und Antibolschewismus in der NS-Propaganda verschmolzen und zur systematischen Ermordung von Juden und Kommunisten führten.
Anhand bisher wenig bekannter Zeugnisse schildert Hellbeck die Erfahrungen der betroffenen Menschen und bietet eine neue Perspektive auf die Entstehung des Holocaust. Für seine „Revision“ hat der Osteuropahistoriker etliche Reportagen, aber auch private Dokumente ausgewertet, die etwa die erfolgreiche Indoktrination und den Rassismus der deutschen Truppen belegt, und zwar sowohl der SS als auch der Wehrmacht.
Volker Weiß: Das deutsche demokratische Reich
Volker Weiß:
Das deutsche demokratische Reich
Klett-Cotta
288 Seiten
25 Euro
Kaum jemand hat sich so intensiv mit der Geschichte der extremen Rechten auseinandergesetzt wie Volker Weiß. In diesem Buch untersucht er die geschichtspolitischen Strategien der extremen Rechten in Deutschland.
Er analysiert, wie historische Ereignisse umgedeutet werden, um autoritäre und nationalistische Ideologien zu stützen. Besonderes Augenmerk legt er auf die Umdeutung des Nationalsozialismus und den Einfluss russischer Geschichtspolitik auf deutsche rechte Milieus.
Von den drei Büchern angesichts der politischen Lage in der Bundesrepublik sicherlich das aktuellste – und das beklemmendste.
Stephan Lehnstaedt: Der vergessene Widerstand
Stephan Lehnstaedt:
Der vergessene Widerstand
C.H. Beck
382 Seiten
28 Euro
Die Nationalsozialisten sahen für Menschen jüdischer Abstammung nur eine Rolle vor: die des passiven Opfers. Stephan Lehnstaedt, Professor für Holocaust- und Jüdische Studien an der Touro University Berlin, beleuchtet in diesem Werk den oft übersehenen Widerstand von Jüdinnen und Juden gegen den Holocaust.
Er zeigt, dass jüdischer Widerstand vielfältig war und von bewaffneten Aufständen bis zu kulturellem und geistigem Widerstand reichte. Das Buch bietet eine umfassende Darstellung dieser Aspekte und würdigt den Mut der Beteiligten.