Stahl-Tarifrunde: Noch ein Einigungsversuch vor Ablauf der Friedenspflicht
Berlin. Die Tarifverhandlungen für die Beschäftigten der Stahlindustrie in Niedersachsen, Bremen und Nordrhein-Westfalen haben auch in der dritten Runde kein Ergebnis gebracht. Arbeitgeber und die Gewerkschaft IG Metall wollen aber am 30. September noch einen Einigungsversuch unternehmen. Ab dem 1. Oktober sind Warnstreiks möglich.
Die Arbeitgeber hätten ein Angebot unterbreitet, das weit weg von der von der Gewerkschaft geforderten Reallohnsicherung sei, sagte der Bezirksleiter der IG Metall in Nordrhein-Westfalen, Knut Giesler. Weil beide Seiten noch weit auseinanderlägen, sei die dritte Verhandlungsrunde nach fünf Stunden unterbrochen worden. Aber: „Wir stehen bis zum Ende der Friedenspflicht jederzeit für weitere Gespräche bereit“, sagte Giesler.
Auch wenn die IG Metall nicht müde werde zu betonen, dass ihr die dramatische Lage der Industrie bewusst sei, liege ihre Forderung weiterhin weit weg von der Realität, sagte der Hauptgeschäftsführer des Arbeitgeberverbands Stahl, Gerhard Erdmann. „Auf dieser Basis kann und wird es keine Einigung geben.“
Arbeitgeber bieten Lohnerhöhung um 1,2 Prozent an
Die IG Metall war ohne bezifferte Prozentforderung in die Verhandlungen gegangen, will für die 60.000 Beschäftigten der nordwestdeutschen Stahlindustrie aber mindestens einen Inflationsausgleich durchsetzen. Verhandelt wird auch für die 8000 Stahlarbeiter in Ostdeutschland. Dort hatte die IG Metall nach der ergebnislosen zweiten Runde am Montag erklärt, Vorbereitungen für Warnstreiks ab dem 1. Oktober zu intensivieren.
Bei den Verhandlungen für die nordwestdeutsche Stahlindustrie in Düsseldorf haben die Arbeitgeber, die zunächst nur eine Einmalzahlung zugestehen wollten, am Dienstag ihr Angebot nachgebessert. Sie boten eine Erhöhung um 1,2 Prozent ab dem 1. Januar 2026 bei einer Laufzeit des Tarifvertrags von 16 Monaten. Für die Monate Oktober bis Dezember 2025 soll es nichts geben.
Die IG Metall hatte immer betont, sich nicht mit einer Einmalzahlung zufriedenzugeben. Sie forderte in der dritten Runde nun eine Erhöhung um zwei Prozent ab Januar 2026 bei einer Laufzeit des Tarifvertrags von zwölf Monaten.
Für die Monate Oktober bis Dezember 2025 verlangt die Gewerkschaft einen Pauschalbetrag von 300 Euro, der je nach wirtschaftlicher Situation eines Betriebs auf 450 Euro steigen oder auf null Euro abgesenkt werden kann. IG-Metall-Mitglieder sollen aber auf jeden Fall mindestens 150 Euro erhalten. Einen solchen „Gewerkschaftsbonus“ lehnen die Arbeitgeber jedoch entschieden ab.