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Studium Private Hochschulen ziehen jeden zehnten Erstsemester an

Private Hochschulen sind beliebter denn je, denn sie sind klein, flexibel und praxisorientiert. Sie könnten allerdings noch innovativer sein, meint der Stifterverband. 
24.06.2020 - 07:00 Uhr Kommentieren
Private Hochschulen gewinnen an Beliebtheit. Quelle: dpa
Absolventen der Jacobs University (Archivbild)

Private Hochschulen gewinnen an Beliebtheit.

(Foto: dpa)

Berlin Deutschlands private Hochschulen sind auf der Überholspur: Von den Erstsemestern entschied sich trotz teilweise üppiger Gebühren im Jahr 2018 schon jeder Zehnte für eine private Hochschule. Insgesamt studieren an den mittlerweile 106 Einrichtungen 244.000 Studenten, das sind doppelt so viele wie noch 2010 – und 8,5 Prozent aller Studenten in Deutschland.  

Ausschlaggebend ist für viele die größere Praxisnähe und Flexibilität sowie die Digitalisierung, heißt es in einer Studie des Stifterverbandes, die dem Handelsblatt vorliegt. Danach sind die meisten Privaten keineswegs elitär und nur für Kinder aus reichen Elternhäusern.

Mehr als 90 Prozent bilden ältere, berufstätige und Teilzeit-Studierende aus. Insgesamt lernt fast jeder zweite Teilzeit-Student an einer privaten Hochschule und 41 Prozent aller, die ein Fernstudium absolvieren – vor allem weil das Angebot der staatlichen bei diesen Angeboten weit zurückliegt. Auch fast ein Drittel des immer beliebter werdenden dualen Studiums entfällt auf die Privaten. 

Die Höhe der Studiengebühren unterscheidet sich stark von Anbieter zu Anbieter: Sie liegen zwischen 1000 Euro und 8000 Euro pro Semester. Für ausgewählte Masterprogramme können sie noch höher sein. Hier reichen die Kosten bis zu 43.000 Euro für ein einjähriges Programm

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    Einen eindeutigen Vorsprung bescheinigt die Stifterverbands-Studie den kleinen, flexiblen privaten Hochschulen bei der Digitalisierung. Und rät ihnen zugleich, diesen „konsequent auszubauen und mit digitalen Formaten mutiger zu experimentieren“, schreibt Co-Autorin Julia Krume. 

    „Um das Potenzial der gesamten Hochschullandschaft zu heben, müssen aber öffentliche wettbewerbliche Förderprogramme auch für private Hochschulen geöffnet werden“, fordert Volker Meyer-Guckel, stellvertretender Generalsekretär des Stifterverbandes.  Bisher sind sie bei vielen Programmen von Bund und Ländern außen vor. Beim Hochschulpakt wurden sie bis 2015 nur in wenigen Ländern gefördert, seither überhaupt nicht mehr. 

    NRW ist Hochburg der privaten Anbieter

    „Dort, wo sie gleichberechtigt sind, müssen sie sich dann aber auch intensiv beteiligen“, so Meyer-Guckel. Das gelte etwa für das Bundesprogramm „Forschung an Fachhochschulen“ oder die so genannten EXIST-Programme für die Gründungsförderung. Hier stellten private Hochschulen bisher nur unterproportional oft Anträge.

    „Insgesamt zeigen die Ergebnisse der Studie, dass das hohe Maß an Digitalisierung und die enge Verzahnung von Wissenschaft und Wirtschaft die Attraktivität privater Hochschulen ausmachen“, so der Stifterverband. Diese könnten allerdings noch „flexibler auf die Anforderungen des Arbeitsmarktes reagieren“, hier seien die staatlichen inzwischen auch schon deutlich weiter. 

    Zudem sollten die Privaten „ihr innovatives Potenzial besser ausschöpfen“, empfiehlt Meyer-Guckel. So vermittelten auch die privaten Hochschulen – von Ausnahmen wie etwa der code-University in Berlin abgesehen – noch lange nicht ausreichend die „future skills“, die zukünftigen Fertigkeiten, die die digitale Arbeitswelt von morgen brauche. Denn „agil arbeiten mit allen digitalen Mitteln“ müssten künftig nicht nur Ingenieure und IT-Spezialisten, sondern eben auch Betriebswirte und Juristen.

    Und das ist die Domäne der Privaten: 70 Prozent ihrer Studenten sind in Wirtschafts-, Rechts- und Sozialwissenschaften eingeschrieben. Die mit Abstand meisten Kunden haben sie in NRW mit 43 Prozent der Studenten, weitere Hochburgen sind Hessen, Hamburg und Berlin. 

    Allerdings führt die Kontrolle des Staates mitunter dazu, dass private Hochschulen ihre Stärken für Erneuerung von Hochschulstrukturen nicht ausspielen können, konstatiert Meyer-Guckel. So werden ihnen teilweise Führungsstrukturen untersagt, die sich von staatlichen Hochschulen zu sehr unterscheiden.

    Szene der privaten Hochschulen in den vergangenen Jahren konsolidiert

    Auch bekämen sie manchmal Probleme, wenn sie moderne Lehrmodelle umsetzen wollten oder zu wenig hauptamtliche Professoren beschäftigten und stattdessen mehr auf Praktiker bauen, die nebenher lehren. Ein inhaltlicher Schwerpunkt der Privaten sind medizinische Berufe wie Pflege- oder Gesundheitsmanagement, die erst seit Kurzem akademisch gelehrt werden.

    Das ist politisch gewollt – wird aber am Arbeitsmarkt noch nicht  honoriert. Und „wenn Beschäftigte trotz akademischer Weiterqualifizierung die gleichen Aufgaben in den gleichen Tarif- und Hierarchiestrukturen erledigen wie vorher, werden die Studiengänge mittelfristig wieder an Attraktivität verlieren“, warnt Co-Autorin Andrea Frank. 

    Strukturell hat sich die Szene der privaten Hochschulen in den vergangenen Jahren konsolidiert, große Anbieter haben kleinere übernommen und Filialen gegründet. Marktführer ist mit mehr als 50.000 Studenten die FOM Hochschule für Ökonomie und Management, gefolgt von der IUBH Internationale Hochschule mit 22.000.

    Mehr als 10.000 Studenten haben auch die Hochschule Fresenius und die Hamburger Fern-Hochschule. Die Großen verzerren allerdings den Eindruck: Der Median liegt mit 900 Studenten deutlich niedriger. 

    Mehr: Durch die Coronakrise digitalisieren sich Deutschlands Hochschulen im Hauruck-Verfahren

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