Union: Merz und Wüst streiten plötzlich um die CDU-Kanzlerfrage
Hinter den beiden Politikern liegt eine „verheerende Woche“, wie es in der Partei heißt.
Foto: dpaBerlin. Bei 28 Grad im Schatten verbittet es sich zu streiten – erst recht beim Sommerfest des Landes Nordrhein-Westfalen in Berlin. Ministerpräsident Hendrik Wüst (47) steht am Eingang der Landesvertretung und begrüßt mit demonstrativer Freundlichkeit seinen Parteifreund Friedrich Merz, 67. Der CDU-Chef gibt sich an diesem schwülen Mittsommerabend nicht minder erfreut.
Dabei liegt hinter beiden eine „verheerende Woche“, wie es in der Partei heißt. Eine Woche, in der Wüst und Merz auf offener Bühne um die Frage stritten: Wer wird Kanzlerkandidat der CDU? Beim Sommerfest prosten sie einander mit Bier zu. So als wollten sie vergessen machen, was Wüst gut eine Woche vorher in einem Interview gesagt hatte.
Es reichten nur wenige sprachliche Feinheiten, um die CDU in Aufregung zu versetzen. Das zeigt, wie nervös die Konservativen sind. Und dass Merz als Parteichef nicht automatisch Kanzlerkandidat wird. Klar ist: Mit den Personen Merz und Wüst ist auch eine Grundsatzentscheidung über den politischen Stil verbunden. Wüst, der Konsensorientierte. Merz, der Konfliktbereite.