Erneuerbare Energien: China startet Aufholjagd bei grünem Wasserstoff – und könnte Europa vom Markt verdrängen
Mitarbeiter testen Brennstoffzellen-Akkus in einem Labor.
Foto: BloombergPeking. Für Chinas Staatsführung ist grüner Wasserstoff eine Zukunftstechnologie, mit der sie eine globale Vorreiterrolle einnehmen will. Technologisch bislang führende deutsche Hersteller wie Siemens und Thyssen-Krupp „droht mittelfristig ein ähnlicher Verdrängungswettbewerb wie in der Solarindustrie“, warnt Nis Grünberg vom China-Thinktank Merics. Das Forschungsinstitut hat am Dienstag eine Studie zu Chinas Wasserstoffambitionen veröffentlicht, über die das Handelsblatt exklusiv vorab berichtete.
Die Verlockung eines höheren Absatzes und der günstigeren Produktion von Wasserstoff in China hätten bereits mehrere europäische Hersteller von Elektrolysegeräten dazu verleitet, sich mit lokalen Anbietern zusammenzuschließen und in China zu produzieren, heißt es in der Studie. Damit komme China seinem langfristigen Ziel näher.
Ausländische Firmen und Regierungen sollten Vorsichtsmaßnahmen ergreifen, „um sicherzustellen, dass sie ihre langfristige Wettbewerbsfähigkeit nicht für kurzfristige Gewinne opfern“, warnen die Autoren. Denn China ist auch deswegen in der Solarbranche so stark geworden, weil Deutschland und Europa ihre Technologien exportiert haben, sagen Industrieexperten.
Grüner Wasserstoff gilt als zentrale Voraussetzung für die Energiewende der Industrie. Vor allem energieintensive Branchen wie die Stahl- und Chemieindustrie sind auf die Technologie angewiesen, um ihre CO2-Emissionen zu reduzieren. Da alle großen Volkswirtschaften die grüne Transformation vorantreiben, entsteht ein enormer Wachstumsmarkt, an dem auch chinesische Hersteller partizipieren wollen.