Analyse: Der neue Rüstungsgigant – Türkei wird für die Nato zum Problem
Das Schiff aus türkischer Produktion ist das neue militärische Statussymbol Erdogans.
Foto: Anchors Aweigh TR/CC-by-SA/WikipediaIstanbul. Für Griechenland ist es eine Provokation: Vor wenigen Tagen testete das türkische Militär eine Kurzstreckenrakete aus eigener Produktion. Das „Tayfun“-Geschoss, so hieß es, habe ihr Ziel in 561 Kilometern Entfernung präzise getroffen – die Distanz entspricht exakt jener zwischen Istanbul und der griechischen Hauptstadt Athen.
Der Konflikt zwischen den beiden Nato-Staaten wird immer offener ausgetragen. „Eines Nachts können wir kommen“, drohte Staatschef Recep Tayyip Erdogan noch kürzlich den griechischen Nachbarn. Es geht um Seegrenzen, mit denen die Türkei nicht einverstanden ist – und um Erdgasvorkommen unter dem Meer.
Im Nato-Hauptquartier in Brüssel wächst die Sorge über den Konflikt zwischen den beiden Mitgliedsländern. Ohnehin ist der Unmut beim transatlantischen Bündnis über den türkischen Präsidenten mittlerweile nicht mehr zu überhören. Und das liegt nicht nur an den Drohgebärden Ankaras gegenüber Griechenland.
Unbehagen bereitet Erdogans Lavieren zwischen Russland und dem Westen genauso wie seine Blockadehaltung gegenüber den Nato-Beitrittskandidaten Schweden und Finnland. Und dann ist da noch der Ärger über seine Absicht, der Shanghaier Organisation für Zusammenarbeit (SCO) beizutreten. Dem Bündnis gehören fast ausschließlich autoritär geführte Staaten an, allen voran Russland und China.