Coronavirus: Länder verschieben Semesterstart – Digitale Lehrformate werden geprüft
Der Start des Sommersemesters wurde in Baden-Württemberg und Bayern aufgrund der Verbreitung des Coronavirus verschoben.
Foto: dpaBerlin. Sowohl Baden-Württemberg als auch Berlin haben beschlossen, den Beginn des Sommersemesters an den Hochschulen generell auf den 20. April zu verschieben. Es sei auch mit einer weiteren Verschiebung zu rechnen, teilte die Berliner Staatskanzlei mit. Der Präsident der führenden Technischen Universitäten TU9, der Rektor der Universität Stuttgart, Wolfram Ressel, begrüßte dies als „sehr vernünftige Maßnahme“. „Schließlich ist der Betrieb einer Universität heute eine Massenveranstaltung“, sagte er dem Handelsblatt.
Ressel empfahl den Bundesländern dringend ein „einheitliches Vorgehen im ganzen Land“ – also eine gemeinsame flächendeckende Verlängerung der Semesterferien: „Sinnvoll wäre es, es so zu handhaben wie in Österreich und Italien.“ Dort hatten die Behörden in dieser Woche alle Hochschulen bis auf Weiteres geschlossen.
Auch die Hochschulrektorenkonferenz drängt auf ein abgestimmtes Vorgehen der Politik: „Eine Koordinierung zwischen den Ländern bei der Verschiebung von Vorlesungszeiten kann in dieser sehr dynamischen Situation zur Planungssicherheit beitragen“, sagte deren Generalsekretär Jens-Peter Gaul dem Handelsblatt.
Vorgeprescht war Bayern. Das Kabinett von Markus Söder hatte schon am Dienstag beschlossen, die Semesterferien für Fachhochschulen sowie Kunst- und Musikhochschulen auf den 20. April und damit auf die Zeit nach den Osterferien zu verschieben. Dann beginnt auch das Sommersemester an den Universitäten.
„Damit gewinnen wir fünf Wochen wertvolle Zeit. Wir wollen das Gesundheitssystem entlasten und die Bevölkerung und unsere Hochschulfamilie schützen“, sagte Wissenschaftsminister Bernd Sibler. Auch solle das Semester nicht „mit Bedenken und Unsicherheit beginnen“.
Saarland will diese Woche entscheiden
Andere Länder sind noch unentschlossen, obwohl der Semesterstart der Fachhochschulen offiziell fast überall Mitte/Ende März beginnt. Das Saarland will noch diese Woche entscheiden, ob es beim Semesterstart zum 1. April bleibt, sagte eine Sprecherin der Staatskanzlei anlässlich einer Umfrage des Handelsblatts. Zahlreiche andere Länder teilten mit, die Planungen seien bisher unverändert.
Der Deutsche Hochschulverband (DHV) warnt angesichts dieser Lage vor Kleinstaaterei: „Es kann sich als notwendig erweisen, zu bundesweit koordinierten Maßnahmen zu kommen, weil ein föderaler Flickenteppich den Kampf gegen das Virus erschwert“, sagte DHV-Präsident Bernhard Kempen dem Handelsblatt. „Die Gesundheit von Forschenden, Lehrenden und Lernenden muss Vorrang haben.“
Die Hochschulen stünden im engen Austausch mit den Gesundheitsbehörden. Ob es geboten ist, Semesterferien zu verschieben oder Lehrveranstaltungen auszusetzen, „wird anhand der Risikoeinschätzungen insbesondere des Robert-Koch-Instituts situativ zu entscheiden sein“, so Kempen weiter.
„Sollten einschneidende Vorsichtsmaßnahmen erforderlich werden, ist dafür Sorge zu tragen, dass kein Studierender dadurch Nachteile erleidet“, mahnte der DHV-Präsident. In Bayern hat die Regierung die Hochschulen gebeten, dafür zu sorgen, dass Lehrveranstaltungen, die von der Verschiebung des Vorlesungsbeginns betroffen sind, nachgeholt werden. So solle „sichergestellt werden, dass Studentinnen und Studenten alle im Sommersemester 2020 vorgesehenen Studienleistungen erbringen können“.
Die Semesterzeiten unterscheiden sich nicht nur von Land zu Land und unter den Hochschularten, sondern teilweise auch von Hochschule zu Hochschule. Einen Überblick hat auch die Kultusministerkonferenz nicht. Selbst Ministerien verweisen teilweise – wie etwa das hessische – auf die Webseiten der Hochschulen.
Digitale Lehrformate werden geprüft
An den Fachhochschulen in Niedersachsen hat das Semester bereits Anfang März begonnen. Das gilt auch für die Hochschule Bremen und die Hochschule für Angewandte Wissenschaften Hamburg. In Rheinland-Pfalz geht es an den meisten Fachhochschulen nach jetzigem Stand nächste Woche wieder los.
Unabhängig von möglichen künftigen Entscheidungen „prüfen die Hochschulen, inwieweit verstärkt digitale Lehrformate eingesetzt werden können“, hieß es in Hamburg. Nordrhein-Westfalen hat bislang keine Entscheidung getroffen. Dort beginnen die Vorlesungen der Fachhochschulen auch erst am 23. März, hieß es zur Begründung, also eine Woche später als in Bayern. Das Wissenschaftsministerium in NRW „bewertet tagesaktuell die Situation rund um das Thema Corona und etwaige Auswirkungen auf die Hochschulen im Land“, teilte ein Sprecher mit.
Auch der Deutsche Akademische Austauschdienst (DAAD) hat beschlossen, alle größeren Veranstaltungen mit mehr als 50 Personen zunächst bis Ende April abzusagen.