Benachrichtigung aktivieren Dürfen wir Sie in Ihrem Browser über die wichtigsten Nachrichten des Handelsblatts informieren? Sie erhalten 2-5 Meldungen pro Tag.
Fast geschafft Erlauben Sie handelsblatt.com Ihnen Benachrichtigungen zu schicken. Dies können Sie in der Meldung Ihres Browsers bestätigen.
Benachrichtigungen erfolgreich aktiviert Wir halten Sie ab sofort über die wichtigsten Nachrichten des Handelsblatts auf dem Laufenden. Sie erhalten 2-5 Meldungen pro Tag.
Jetzt Aktivieren
Nein, danke

Covid-19 Coronavirus kostet Spanien fast eine Million Jobs – bisher

Das Land zählt inzwischen fast so viele Infizierte wie Italien. Die Ausgangssperre halten die Spanier zwar diszipliniert ein, vertrauen ihrer Regierung aber beim Krisenmanagement kaum.
02.04.2020 - 14:24 Uhr 1 Kommentar
In Madrid halten sich die meisten Spanier diszipliniert an die Ausgangssperre. Quelle: AP
Madrid

In Madrid halten sich die meisten Spanier diszipliniert an die Ausgangssperre.

(Foto: AP)

Madrid Spanien rutscht immer tiefer in die Coronakrise. Die Zahl der Infizierten lag an diesem Donnerstag nahezu gleichauf mit der von Italien – dem Land in Europa, in dem das Virus bisher am stärksten wütete und wo das Virus einige Tage früher ausgebrochen war. Am Donnerstagmittag zählte Spanien offiziell 110.238 Infizierte, während es in Italien nach Angaben der Johns Hopkins Universität 110.547 Fälle waren.

In Italien sind rund 3000 Menschen mehr gestorben als in Spanien, wo bislang 10.003 Menschen dem Virus erlegen sind – allein 950 davon in den vergangenen 24 Stunden, ein neuer Rekord. Insgesamt jedoch verlangsamt sich der Anstieg sowohl bei Infizierten, als auch bei den Toten und bei denjenigen, die in die Intensivstationen der Krankenhäuser eingeliefert werden. Das ist die gute Nachricht aus Spanien.

Die spanische Regierung versucht mit einer besonders strengen Ausgangssperre die Verbreitung des Virus einzudämmen und sein Gesundheitssystem vor dem Kollaps zu retten. Seit dem 14. März sind alle Bars, Restaurants und weite Teile des Handels geschlossen. Die Spanier dürfen nur einzeln und nur zum Einkaufen auf die Straße gehen.

Für die Wirtschaft hat diese Paralyse gravierende Folgen: Allein im März hat sie bereits fast eine Million Jobs zerstört: Die Zahl der sozialversicherungspflichtig Beschäftigten sank bis Ende März um 833.979 – das ist der größte jemals verzeichnete Rückgang.

Top-Jobs des Tages

Jetzt die besten Jobs finden und
per E-Mail benachrichtigt werden.

Standort erkennen

    Die Zahl der registrierten Arbeitslosen stieg um 302.265 Personen an, das entspricht einem Anstieg von 9,3 Prozent und ist ebenfalls ein neuer Rekord. Die Zeit ab März ist in Spanien traditionell eine Phase, in der viele Jobs entstehen, weil die Tourismus-Saison mit den Osterferien beginnt und zahlreiche zeitlich befristete Stellen in der Branche entstehen, die rund zwölf Prozent der spanischen Wirtschaftsleistung ausmacht.

    Spanier halten Ausgangssperre ein

    Weil der Tourismus besonders stark unter der Krise leidet, gehen viele Experten davon aus, dass die Wirtschaftskrise in Spanien stärker ausfallen wird als in anderen Ländern. Die Arbeitslosigkeit in Spanien war mit 14 Prozent bereits vor Ausbruch der Coronakrise bereits die zweithöchste in Europa hinter Griechenland. 

    Dabei sind in der Statistik vom März nur zwei Tage des verschärften Shutdowns enthalten, der seit dem vergangenen Montag gilt. Arbeiten gehen dürfen seitdem nur noch diejenigen, die in einem dringend notwendigen Bereich wie dem Gesundheitswesen oder der Nahrungsmittelbranche tätig sind. Die allermeisten anderen Branchen stehen still.

    Die Spanier ertragen die harte Ausgangssperre bislang mit großer Disziplin. In der Hauptstadtregion Madrid – der mit Abstand am stärksten betroffenen Gegend des Landes – sind die Straßen seit Wochen leer gefegt. Allein vor dem Supermärkten bilden sich bisweilen Schlangen, weil die Zahl der Personen begrenzt ist, die das Geschäft auf einem betreten dürfen, um den Mindestabstand von einem Meter einhalten zu können.

    In Umfragen unterstützen die meisten Spanier die Sperre. Weniger groß ist dagegen ihre Zustimmung zum Krisenmanagement der Regierung. In einer Umfrage des Meinungsforschungsinstituts GAD3 für die konservative Tageszeitung ABC zeigten sich 63 Prozent der Spanier überzeugt, dass die Regierung ihnen Daten verheimliche. Nur 41 Prozent gaben an, dass der spanische Premier Pedro Sánchez Vertrauen vermittele.

    In einer zweiten Befragung des Instituts Gesop für die katalanische Zeitung El Periodico sind die Zustimmungswerte für die Regierung innerhalb der vergangenen zehn Tage von 44 Prozent auf 33 Prozent gefallen. „Das ist ungewöhnlich, weil die Bevölkerung in dramatischen Krisen dazu neigt, ein patriotisches Gefühl zu entwickeln und sich hinter ihrem Regierungschef zu versammeln“, sagt Pablo Simón, Politologe von der Universität Carlos III in Madrid.

    Flaggen auf halbmast: Spanien trauert um Covid-19-Todesfälle

    Eine mögliche Erklärung dafür sieht er in der territorialen Zerrissenheit Spaniens, wo Teile der Bevölkerung in Katalonien oder dem Baskenland sich am liebsten vom Rest des Territoriums lossagen würden. Der Politologe warnt allerdings davor, die zwei vorliegenden Umfragen bereits als finalen Vertrauensentzug für die spanische Regierung zu werten.

    Doch auch innerhalb der Unternehmerschaft gibt es zahlreiche Stimmen, die mit dem Krisenmanagement von Sánchez und seiner jungen Koalitionsregierung unzufrieden sind. „Sie verbreiten eine große Unsicherheit und sprechen neue Einschnitte vorher mit niemandem ab“, sagt ein Manager, der namentlich nicht genannt werden möchte. „Stattdessen streuen sie den Entwurf für geplante Maßnahmen wie den Shutdown und ändern ihn je nach den Reaktionen, die sie darauf bekommen mehrmals ab, während sie die Maßnahme aber schon in einer Pressekonferenz verkünden.“

    Die finale Version des Dekrets zum Shutdown wurde am Sonntagabend erst kurz vor Mitternacht im offiziellen Amtsblatt veröffentlicht. Bis dahin wussten viele Unternehmen nicht, ob sie betroffen waren oder am Montag noch letzte Arbeiten erledigen durften oder nicht. Auch die Opposition, die ebenso wenig in die Entscheidung mit einbezogen worden war, übt heftige Kritik an der Regierung.

    Mehr: Alle Entwicklungen in der Coronakrise lesen Sie im Liveblog.

    Startseite
    Mehr zu: Covid-19 - Coronavirus kostet Spanien fast eine Million Jobs – bisher
    1 Kommentar zu "Covid-19: Coronavirus kostet Spanien fast eine Million Jobs – bisher"

    Das Kommentieren dieses Artikels wurde deaktiviert.

    • Traurige Zeiten. Für die Wirtschaft sieht es weltweit nach einer Vollbremsung aus. Die Folgen scheinen heftiger zu sein, als bei der Finanzkrise.

    Zur Startseite
    -0%1%2%3%4%5%6%7%8%9%10%11%12%13%14%15%16%17%18%19%20%21%22%23%24%25%26%27%28%29%30%31%32%33%34%35%36%37%38%39%40%41%42%43%44%45%46%47%48%49%50%51%52%53%54%55%56%57%58%59%60%61%62%63%64%65%66%67%68%69%70%71%72%73%74%75%76%77%78%79%80%81%82%83%84%85%86%87%88%89%90%91%92%93%94%95%96%97%98%99%100%