Drohnenflüge über Nordkorea: Südkoreas Ex-Präsident Yoon Suk Yeol erneut angeklagt
Seoul. Der abgesetzte südkoreanische Präsident Yoon Suk Yeol sieht sich mit weiteren Strafvorwürfen konfrontiert. Ein Team von Sonderermittlern teilte am Montag mit, gegen Yoon und zwei frühere Spitzenmilitärs sei im Zusammenhang mit mutmaßlichen Drohnenflügen über Nordkorea Anklage erhoben worden. Ermittelt werde zu dem Vorwurf der Feindbegünstigung und des Machtmissbrauchs.
Park Ji Young, ein Mitglied des Ermittlungsteams, erklärte, bei den beiden anderen Angeklagten handele es sich um Yoons früheren Verteidigungsminister Kim Yong Hyun und Yeo In Hyung, den damaligen Chef des militärischen Abschirmdienstes. Die Ermittler werfen Yoon vor, er habe mit den Drohnenflügen die Spannungen mit dem Nachbarland befeuert und dies dafür nutzen wollen, zwei Monate später die Verhängung des Kriegsrechts zu rechtfertigen.
Nordkorea warf dem Süden vor, über der Hauptstadt Pjöngjang im Oktober 2024 bei drei Gelegenheiten Drohnen eingesetzt zu haben, um Propaganda-Flugblätter abzuwerfen. Der damalige südkoreanische Verteidigungsminister Kim stritt dies zunächst vage ab, später erklärte das Militär, es könne keine Angaben dazu machen, ob die Angaben aus Nordkorea der Wahrheit entsprächen oder nicht. Die Spannungen zwischen den verfeindeten Nachbarländern nahmen zunächst zu, gingen dann aber wieder zurück.
Als Yoon am 3. Dezember 2024 das Kriegsrecht verhängte, löste dies die schwerste politische Krise der jüngeren Vergangenheit in Südkorea aus. Er befahl Soldaten, das Parlament zu umstellen, das nach seiner Darstellung von „staatsfeindlichen Kräften“ dominiert wurde. Es gelang jedoch genügend Abgeordneten, in das Gebäude zu kommen, um mit dem von der Verfassung vorgeschriebenen Quorum nach wenigen Stunden die Aufhebung des Kriegsrechts durchzusetzen.
Yoon wurde aus dem Amt entfernt. Er sitzt in Untersuchungshaft. Im Zusammenhang mit der Ausrufung des Kriegsrechts ist er unter anderem bereits wegen Rebellion angeklagt.