Euro-Zone: Griechische Banken schütten wieder Gewinne aus
Athen. Griechenlands Geschäftsbanken erholen sich von den Folgen der Staatsschuldenkrise. Im ersten Quartal erwirtschafteten die vier systemrelevanten Institute zusammen Reingewinne von mehr als einer Milliarde Euro. Für das Geschäftsjahr 2023 meldeten sie Gewinne von insgesamt 3,8 Milliarden Euro.
Von dem Comeback profitieren auch Anleger. Der griechische Bankenindex legte seit Jahresbeginn 26 Prozent zu. Jetzt erwartet die Aktionäre ein Bonus: Die vier großen Geschäftsbanken – National Bank of Greece (NBG), Eurobank, Piraeus Bank und Alpha Bank – wollen ihren Anteilsinhabern für das abgelaufene Geschäftsjahr eine Dividende zahlen.
Es wäre die erste Ausschüttung seit 2008, dem Jahr der internationalen Finanzkrise, an die sich in Griechenland die Staatsschuldenkrise anschloss. In der Folge mussten die griechischen Banken dreimal mit öffentlichen und privaten Geldern rekapitalisiert werden. Die Altaktionäre verloren damals fast 100 Prozent ihres Kapitals.
Jetzt planen die Institute, rund 840 Millionen Euro aus den Gewinnen des Geschäftsjahrs 2023 als Dividenden auszuschütten und für Aktienrückkäufe zu verwenden. Dafür brauchen sie allerdings noch das Plazet der Euro-Bankenaufsicht. Dieser Einheitliche Aufsichtsmechanismus (SSM) besteht aus der Europäischen Zentralbank und den einzelnen Aufsichtsbehörden der teilnehmenden EU-Mitgliedstaaten.
Die griechischen Banken haben bereits im April dem SSM ihre Dividendenpläne vorgelegt. Eine Entscheidung der Behörde wird im Juni erwartet. Anschließend müssen im Juli die Hauptversammlungen zustimmen.
Auf den ersten Blick stehen die griechischen Banken gut da, wie die steigenden Gewinne zeigen. Sie sind vor allem ein Ergebnis der hohen Zinsen im Euro-Raum. Aber auch bei der Senkung der Kosten haben die Institute viel erreicht. Das Kosten-Ertrags-Verhältnis lag im vergangenen Jahr bei 34,7 Prozent. Eine höhere Effizienz haben in der Euro-Zone nur die portugiesischen Geldinstitute mit einer Cost Income Ratio von 33,3 Prozent. Liquiditätsprobleme, die während der massiven Kapitalflucht im Frühjahr 2015 fast zum Zusammenbruch des griechischen Finanzsystems geführt hatten, gibt es heute nicht mehr.
Griechenlands Zentralbankchef Yannis Stournaras wirbt denn auch dafür, die Ausschüttung zu genehmigen: „Wir alle kennen die Zwänge, aber die Zeit ist gekommen, wieder Dividenden zu erlauben“, sagte Stournaras kürzlich der Nachrichtenagentur Bloomberg. Mit den „Zwängen“ spielt Stournaras auf die Folgen der Krise an, die immer noch in den Bankbilanzen abzulesen sind. Die Aufseher des SSM werden sich deshalb die Dividendenpläne sehr genau ansehen.
Denn es gibt Schwächen. Die vier systemischen Institute haben beim Abbau der faulen Kredite aus der Krisenära zwar große Fortschritte gemacht. Die Quote der notleidenden und akut ausfallgefährdeten Forderungen (NPE), die noch 2016 fast 50 Prozent der ausgereichten Darlehen betrug, fiel nach Angaben der griechischen Zentralbank durch Abschreibungen und Verbriefungen Ende 2023 auf 6,6 Prozent. Aber das ist immer noch das Dreifache der Durchschnittsquote im Euro-Raum von 2,3 Prozent.
Sorge dürfte den Aufsehern auch die Kapitalisierung der Geldinstitute bereiten. Nach Angaben der Notenbank in Athen lag die Kernkapitalquote (CET1) des griechischen Bankensektors Ende 2023 bei 15,5 Prozent. Das war eine Verbesserung von einem Prozentpunkt gegenüber 2022. Die griechischen Banken liegen damit jetzt nahe am Durchschnitt der Währungsunion. Er beträgt für die 109 „bedeutenden Banken“, die direkt von der EZB beaufsichtigt werden, 15,6 Prozent.
Aufseher mahnen zur Zurückhaltung
Aber es hapert in Hellas an der Qualität des Eigenkapitals: Ein Großteil entfällt auf latente Steuergutschriften aus Verlustvorträgen. Damit gewährte der Staat 2012 den Banken eine Kompensation für die Verluste aus dem Schuldenschnitt bei den griechischen Staatsanleihen.
Auch bei Banken in anderen früheren Krisenländern ist es üblich, sich Steuergutschriften aufs Eigenkapital anzurechnen. Aber nirgendwo hat diese Praxis solche Ausmaße angenommen wie in Griechenland. Im Durchschnitt der vier systemischen Banken macht diese „weiche“ Komponente nach Berechnungen der Ratingagenturen Moody’s und DBRS 56 Prozent des Eigenkapitals aus.
Die EZB drängt daher auf Zurückhaltung bei den Ausschüttungen. Entsprechend konservativ sind die Banken bei ihren Dividendenplänen. Die Piraeus Bank will sich nach Aussage ihres CEO Christos Megalou auf eine „symbolische“ Dividende in Höhe von zehn Prozent des Jahresgewinns beschränken. Die Alpha Bank will zehn Prozent ihres Gewinns als Dividende zahlen und weitere zehn Prozent für Rückkäufe eigener Aktien verwenden. Eurobank und NBG wollen 30 Prozent ihrer Jahresgewinne an die Aktionäre verteilen.
In den kommenden Jahren planen die Banken aber, ihre Aktionäre großzügiger an den erwarteten Gewinnen zu beteiligen: Eurobank und Alpha Bank wollen ihre Dividende im kommenden Jahr auf 35 bis 40 und 2026 auf 50 Prozent der Gewinne erhöhen.