Geldentwertung: Inflation von 0,1 Prozent: Was Japan besser macht als Europa und die USA
Japanische Unternehmen geben gestiegene Einkaufskosten nur sehr begrenzt an ihre Kunden weiter – weil diese sensibel reagieren.
Foto: ReutersTokio. In den USA, Europa und vielen asiatischen Ländern überlegen Notenbanken, ob sie die steigende Inflation mit Zinserhöhungen bekämpfen. Die Bank von Japan aber steht immer noch vor dem gegenteiligen Problem: Nicht einmal die massiven Corona-Hilfsprogramme und steigende Rohstoffpreise können Japan aus dem mehr als 20-jährigen deflationären Umfeld befreien.
Während der Anstieg des Verbraucherpreisindexes in den USA im November mit 6,8 Prozent ein 40-Jahreshoch erreicht hat, stiegen die Preise in Japan nur um 0,1 Prozent. Die Ökonomen der Investmentbank Nomura sagen zwar für den Sommer 2022 eine Inflationsspitze von 1,5 Prozent voraus, weil auch in Japan die höheren Rohstoffpreise durchschlagen.
Aber der Marktkonsens liegt für das kommende Jahr bei einer Inflationsrate von nur 0,7 Prozent – und damit weiterhin deutlich unter dem zweiprozentigen Inflationsziel der Notenbank.
„Japan bleibt damit die Ausnahme unter den großen Volkswirtschaften“, urteilt John Vail, Chefstratege des japanischen Vermögensverwalters Nikko Asset Management. Denn in Japan zügeln vier Faktoren den Inflationsdruck – manche, wie eine nicht so starke Beeinträchtigung der Lieferketten oder eine langsamere konjunkturelle Erholung, sind sehr spezifisch für die drittgrößte Volkswirtschaft der Welt. Andere jedoch der Lage in Europa nicht unähnlich.