Kommentar: Die Bundeswehr betreibt in Grönland Symbolpolitik

Sie ist der ganze Stolz der Deutschen Marine – die Boeing P-8A Poseidon. Der brandneue Fernaufklärer aus amerikanischer Produktion kann aus der Luft große Seegebiete überwachen, etwa das „Tor zur Arktis“. Die ersten zwei von acht bestellten Maschinen sind an die Bundeswehr ausgeliefert worden.
Doch in diesen Tagen stellt sich die Frage, worauf die Besatzungen der Maschinen künftig eigentlich achten sollen. Auf verdächtige Bewegungen russischer und chinesischer Schiffe, die die Sicherheit der Nato bedrohen könnten? Oder auf eine Expeditionsflotte der USA, die sich von Westen der weltgrößten Insel nähert?
Allein diese Frage zeigt die ganze Absurdität der Lage, in der wir momentan leben. Ein für viel Steuergeld in Amerika eingekauftes Flugzeug behält den größten Nato‑Verbündeten im Blick, damit der nicht auf dumme Gedanken kommt und seinen imperialistischen Hunger im Eismeer stillt? Verrückt.
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Fast verzweifelt versuchen Dänemark, Deutschland und die anderen europäischen Nato‑Verbündeten gerade, Donald Trumps vermeintliche Sicherheitsbedenken zu zerstreuen. Doch die Erkundungstrupps, die sie jetzt nach Grönland entsenden, werden den US-Präsidenten kaum beeindrucken.
Denn ginge es Trump zuvorderst um die Sicherheit Grönlands, könnte er sie leicht mit einer Reaktivierung der einst großen amerikanischen Truppenpräsenz auf der Insel erhöhen. Dem Herrn des Weißen Hauses geht es um mehr – ihm geht es um Rohstoffe, um Hegemonie in der westlichen Hemisphäre, um Macht. Macht, die ihm – vielleicht abgesehen vom US-Kongress – niemand streitig machen kann.
Selbst wenn die deutschen Seeaufklärer eines Tages eine US-Flotte mit Kurs auf Grönland ausmachen sollten, wird kein Schuss fallen. Nato-Truppen, die auf Nato-Truppen schießen, ist zumindest diesseits des Atlantiks noch eine abseitige Vorstellung. Allerdings würde man es im Zweifel wahrscheinlich sogar darauf ankommen lassen.