Georgien: „Sie töten ihn Stück für Stück” – Kämpft Georgiens inhaftierter Ex-Präsident Saakaschwili um sein Leben?
Saakaschwilis politische Karriere steht sinnbildlich für die komplexe geopolitische Lage, in der sich Georgien seit seiner Unabhängigkeit befindet.
Foto: HandelsblattBerlin. Es ist ein grausiger Anblick, der sich aktuell im Internet präsentiert: Micheil Saakaschwili, der neun Jahre lang als Staatspräsident die Geschicke Georgiens leitete, ist bis auf die Knochen abgemagert, sein Körper mit Platzwunden übersät.
Er gebe mittlerweile ein „unmoralisches Bild” ab, gesteht der ehemalige Präsident und aktuell Inhaftierte in einer per Videoschalte geführten Gerichtsverhandlung, während er seinen Gesundheitszustand dokumentiert.
Diese Bilder wurden auch dem ukrainischen Präsidenten Wolodimir Selenski zugespielt, in dem Saakaschwili einen bedeutenden Fürsprecher hat.
„Ich glaube, dass die georgische Regierung versucht, ihn umzubringen”, sagte Selenski und präsentierte am Mittwoch die Bilder während einer Pressekonferenz mit dem österreichischen Präsidenten Alexander Van der Bellen.
„Erst haben sie ihn vergiftet und jetzt töten sie ihn Stück für Stück”, fügte Selenski an. Denn Saakaschwili hat nicht nur Unterstützer: Er gilt als persönlicher Feind des russischen Machthabers Wladimir Putin.
Mit roten Rosen zur Revolution
Saakaschwilis politische Karriere steht sinnbildlich für die komplexe geopolitische Lage, in der sich Georgien seit seiner Unabhängigkeit befindet. Im Jahr 2000 stieg er mit nur 32 Jahren unter Präsident Eduard Schewardnadse zum Justizminister auf. Schewardnadse war von 1985 bis 1991 der letzte sowjetische Außenminister, ehe er in die Politik seines Heimatlandes wechselte.