Immobilienmarkt: Wie Regierungen mit steigenden Hypothekenzinsen umgehen
Hilfen für sozial schwache Hypothekenbesitzer sind die häufigste Maßnahme, auf die Regierungen in Europa bislang zurückgreifen.
Foto: picture alliance / ZB/euroluftbiWien, Paris, Madrid, Berlin, London, Stockholm. Die rasante Zinswende der großen Notenbanken sorgt für Verwerfungen an den europäischen Immobilienmärkten. Schnell steigende Hypothekenzinsen in Kombination mit einer hohen Inflation und sinkenden Immobilienpreisen bringen quer über den Kontinent immer mehr Immobilienbesitzer in Not.
In Schweden können bereits vier Prozent aller Eigentümer ihre Kredite nicht mehr bedienen. Der Chef der schwedischen Finanzaufsicht Daniel Barr spricht von einem „nie da gewesenen finanziellen Druck auf die Haushalte“. Auch in anderen europäischen Ländern wächst das Problem.
In Deutschland erwartet die Wirtschaftsauskunft Creditreform, dass mittelfristig mehr Menschen Wohnungen oder Häuser zwangsversteigern müssen. „Die deutlich höhere Zinslast für Anschlusskredite wird insbesondere die Verbraucher treffen, die beim Kreditabschluss in einer Niedrigzinsphase knapp kalkuliert haben. Und das sind nicht wenige“, sagte der Leiter der Creditreform-Wirtschaftsforschung, Patrik-Ludwig Hantzsch, dem Handelsblatt. Eine steigende Ausfallquote bei Immobilienkrediten erhöht den Druck auf die Hauspreise und hätte Auswirkungen auf den Bankensektor – Immobilienkredite sind ein wichtiges Geschäft der Institute.
In Großbritannien sind die Hauspreise im März so stark gefallen wie seit 2009 nicht mehr. In Deutschland sind laut dem Immobilienverkäufer McMakler die Preise für Wohnimmobilien im ersten Quartal um 6,2 Prozent im Vorjahresvergleich zurückgegangen. Der Harvard-Ökonom Kenneth Rogoff warnte im Handelsblatt gerade erst, es drohe ein „steiler, nachhaltiger Rückgang der Preise für Wohnraum und Gewerbeimmobilien“.