Interview: Belarussischer Analyst über Putins Atomwaffenplan: „Eine schnelle Stationierung ist ausgeschlossen“
Die Möglichkeit, Atomwaffen von belarussischem Territorium abzuschießen, existiert bereits.
Foto: IMAGO/ITAR-TASSDer russische Präsident Wladimir Putin hat angekündigt, zum 1. Juli Atomwaffen in Belarus stationieren zu wollen. Was bedeutet das für Ihr Land?
Wir sollten Putins Äußerung zunächst nicht zwingend für bare Münze nehmen. Die Ankündigung ist eher im Kontext von Putins Rhetorik gegenüber dem Westen zu sehen, gewissermaßen als Erpressungsversuch. In Belarus gab es bislang keine vorbereitenden Schritte, die für eine solche Stationierung notwendig wären.
Westliche Geheimdienste überwachen das, was in Belarus auf diesem Gebiet passiert, sehr genau. Derzeit sind keine Hinweise bekannt. Das heißt nicht, dass eine Stationierung nie stattfinden wird, aber jedenfalls nicht schnell.
Was wären die Voraussetzungen?
Nach dem Fall der Sowjetunion wurden alle Atomwaffen aus Belarus abgezogen und nach Russland verlagert. In seiner 1994 verabschiedeten Verfassung erklärte sich Belarus zur kernwaffenfreien Zone. 2022 hielt Präsident Alexander Lukaschenka ein „Referendum“ ab und ließ in der Folge den Paragrafen aus der Verfassung streichen. Damit deutete sich diese Entwicklung bereits an. Aber auch schon vor der Änderung und der russischen Invasion in der Ukraine gab es Gespräche über eine mögliche Stationierung.