Israelischer Ex-Geheimdienstchef: „Zivile Opfer zu vermeiden, wird uns nicht gelingen“
Ami Ajalon war Leiter des Inlandsgeheimdienstes Shin Bet.
Foto: Picture AllianceHerr Ajalon, Sie sind in einem Kibbuz am See Genezareth aufgewachsen. Wie haben Sie den Angriff der Hamas auf Kibbuzim im Süden des Landes erlebt?
Ich muss gestehen, dass ich diese Ereignisse nur schwer mit den Erinnerungen an meine Kindheit zusammenbringen kann. Denn ich wuchs sehr behütet auf in einem Umfeld, in dem wir uns sicher fühlten. Gewiss, die Syrer beschossen das Land gelegentlich, auf dessen Feldern meine Eltern arbeiteten. Ich konnte die Syrer auf den Bergen sehen, während wir im Jordantal lebten. Dennoch kann ich mich nicht daran erinnern, Angst gehabt zu haben.
Den Horror, den ich vergangene Woche gesehen habe, hätte ich mir auch später nicht ausmalen können. Ich weiß zwar, was dieser Angriff mit den Menschen gemacht hat und wie er auf uns als Gesellschaft wirkt, doch wird es Jahre brauchen, das Ausmaß der Zerstörung zu begreifen und damit umzugehen.
Hat Israel sein Versprechen gebrochen, ein sicherer Ort für Juden zu sein?
Ja. Die meisten von uns glauben, dass die Idee des Staates durch die Ereignisse der vergangenen Tage kollabiert ist. Denn das Konzept eines Staates besteht darin, seine Bürger zu schützen. Alles andere ergibt sich daraus und ist ein zusätzlicher Nutzen. Das Problem des Terrors ist immer die Brutalität. Es kommt nicht so sehr darauf an, wie viele Menschen umgebracht werden, sondern auf welche Weise das geschieht. In dieser Hinsicht hat die Hamas mit iranischer Unterstützung eine perfekte Terrorattacke durchgeführt.