Kriegsfolgen: Putins Demografie-Katastrophe – Was mit einem Land passiert, wenn Männer plötzlich Mangelware werden
Frauen laufen an Portraits russischer Soldaten vorbei.
Foto: ReutersBerlin. Wladimir Putin wählte drastische Worte, um die dramatische Situation seines Landes zu beschrieben. „Die demografische Entwicklung ist ein Notfall“, resümierte Russlands Präsident vor der versammelten Politelite am 21. April 2021 in der „Manezh Central Exhibiton Hall“ in Moskau. Die Dinge seien nun leider einmal so. Dies gelte es zu akzeptieren, man müsse den Umstand zugeben und etwas dagegen unternehmen. Schließlich Putins Schlussfolgerung: „Die Rettung der Menschen in Russland ist unsere oberste nationale Priorität.“
Fast auf den Tag genau zehn Monate später hatten sich Putins Prioritäten, sollte er sie jemals wirklich so gesetzt haben, augenscheinlich verschoben. 200.000 Soldaten überfielen die Ukraine, schätzungsweise 300.000 Russen verließen aus Sorge vor dem, was da in den nächsten Monaten kommen könnte, in einer ersten großen Fluchtwelle das Land.
Weil der Überfall anders als erwartet nicht binnen weniger Tage erledigt war, legte Putin im September nach. 300.000 weitere Reservisten werden seit der Teilmobilisierung eingezogen und an die Front gebracht. So zumindest lauten die offiziellen Angaben. Als wahrscheinlicher gilt jedoch, dass der Kreml bei seiner Suche nach neuen Soldaten, die die Lücken an der Front schließen, deutlich mehr Männer rekrutierte.