Lettland: Premier Karins: „Russland wird eine Bedrohung bleiben“
Wie seine baltischen Amtskollegen drängt Karins auf höhere Verteidigungsausgaben in den übrigen Nato-Mitgliedstaaten.
Foto: ReutersRiga. Anders als Bundeskanzler Olaf Scholz (SPD) sieht Lettlands Premierminister Krisjanis Karins die Zerstörung des Kachowka-Staudamms in der Ukraine nicht als „neue Dimension“ des Kriegs. „In Lettland, im Osten, machen wir uns schon seit Jahren keine Illusionen mehr über Russland“, sagt der Politiker im Handelsblatt-Interview.
Trotzdem zögen in Europa mittlerweile alle an einem Strang, so Karins. Die Schuld für die Katastrophe sieht er bei Russland, der Westen hätte die Ukraine aber schneller und besser unterstützen müssen. Mit Blick auf den anstehenden Nato-Gipfel im litauischen Vilnius plädiert Karins für langfristige steigende Militärausgaben im Bündnis.
Lesen Sie hier das vollständige Interview:
Herr Premierminister, Bundeskanzler Olaf Scholz bezeichnete die Zerstörung des Kachowka-Staudamms als „neue Dimension“ des Kriegs. Sehen Sie einen Wendepunkt in der Katastrophe?
Ich sehe das nicht als etwas Neues an. Es ist nur die nächste Wiederholung unglaublicher Grausamkeit. In Lettland, im Osten, machen wir uns schon seit Jahren keine Illusionen mehr über Russland – seit Putin an die Macht gekommen ist. Mit jedem Jahr haben wir die Alarmglocken immer lauter geläutet, und niemand hat zugehört. Was der Bundeskanzler jetzt zum Ausdruck bringt, ist, dass wir nun alle an einem Strang ziehen in Europa, egal ob Ost oder West. Olafs und meine Ansicht stimmen da überein. Mittlerweile ist die Erkenntnis in Europa allgegenwärtig, dass der Krieg in absehbarer Zeit nicht enden wird, und auch nach dem Ende des Kriegs werden wir nicht zu den gewohnten Verhältnissen zurückkehren können. Russland wird eine Bedrohung bleiben.