Nach Milei-Reformen: Jeder zweite Argentinier lebt in Armut
Buenos Aires. Die Armut in Argentinien war im ersten Halbjahr 2024 so hoch wie zuletzt in der Finanzkrise 2001. Etwa 52,9 Prozent der Argentinier lebten unterhalb der Armutsgrenze, zeigt die offizielle Statistik. Im Vorjahreszeitraum waren es noch 41,7 Prozent.
„Das ist eine Zahl, die mit Sicherheit die nackte Realität widerspiegelt, die die argentinische Gesellschaft als Folge des Populismus durchmacht, der Argentinien so viele Jahre der Schande und der Verwüstung beschert hat“, sagte Präsidentensprecher Manuel Adorni am Donnerstag.
Der libertäre Präsident Javier Milei hatte zuletzt ein Schocktherapieprogramm eingeleitet, um die bereits taumelnde Wirtschaft wieder auf die Beine zu bringen. Mit einem aggressiven Sparprogramm will er die ausufernde Inflation eindämmen.
Vor allem die Inflation von fast 237 Prozent sorgt für den rasanten Anstieg der Armutsquote. Der Anteil der Menschen, die sich nicht selbst versorgen können, hat sich seit der zweiten Hälfte des Jahres 2017 mehr als verdoppelt. Der jährliche Anstieg der Verbraucherpreise ist zwar von einem Höchststand von 289 Prozent im April zurückgegangen, liegt aber immer noch weit über den 18 Prozent, die Milei bis Dezember 2025 vorausgesagt hat.
Die monatliche Inflation war zuletzt auf etwa vier Prozent gesunken, nachdem sie im Dezember bei fast 26 gelegen hatte. Milei hatte damals die staatlichen Preisvorgaben für zahlreiche Produkte und Dienstleistungen - von Milch bis zu Telefonrechnungen - aufgehoben, die Währung stark abgewertet. Die Preise stiegen in der Folge deutlich schneller als die Renten und Löhne im öffentlichen Dienst.
Gewalttätige Proteste gegen Milei
Obwohl die zweitgrößte Volkswirtschaft Südamerikas in der sechsten Rezession innerhalb eines Jahrzehnts steckt, gibt es erste Anzeichen für eine Erholung: Die Löhne wachsen seit drei Monaten in Folge stärker als die Inflationsrate, und sowohl die Verbraucherausgaben als auch das verarbeitende Gewerbe haben in letzter Zeit zugelegt.
Die Wirtschaftstätigkeit stieg im Juli um 1,7 Prozent gegenüber dem Vormonat, angeführt von der Landwirtschaft und dem Bergbau. Die Opposition gegen den Sparkurs der Regierung droht jedoch die beständigen Haushaltsüberschüsse zu gefährden, die dazu beigetragen haben, die Inflation zu dämpfen. In diesem Monat legte Milei sein Veto gegen einen Gesetzesentwurf ein, der die Ausgaben für Renten deutlich erhöht hätte. Das führte zu gewalttätigen Protesten vor dem Kongress.
Am kommenden Mittwoch drohen an den öffentlichen Universitäten weitere öffentliche Unruhen und ein 24-stündiger Streik wegen des versprochenen Vetos des Libertären gegen den erweiterten Haushalt.
Auf den Straßen Argentiniens wird die hohe Armutsstatistik sichtbar: Menschen in Buenos Aires betteln vor Lebensmittelläden, wühlen im Müll wühlen und klingeln an Türen, um gebrauchte Kleidung zu kaufen. Präsidentensprecher Adorni betonte, dass die Regierung die Mittel für die beiden wichtigsten Programme des Landes, Kindergeld und Lebensmittelmarken, erhöht hat.