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Naher OstenIsrael stellt sich auf unruhige Zeit in Syrien ein

Europa hofft auf eine kooperationsbereite neue Regierung in Syrien. Darauf will Israel sich nicht verlassen. Experten warnen vor einer türkisch-syrischen Achse als Bedrohung für den jüdischen Staat.Pierre Heumann 10.01.2025 - 08:56 Uhr Artikel anhören
Mitte Dezember 2024: Israelische Soldaten rücken auf syrisches Gebiet vor. Foto: Matias Delacroix/AP/dpa

Tel Aviv. Die engen Türkei-Verbindungen der neuen Machthaber in Syrien alarmieren Israel. Ankara könne durch Stellvertreterorganisationen Spannungen schüren und den Nahen Osten weiter destabilisieren, heißt es in einem von der israelischen Regierung in Auftrag gegebenen Bericht. „Die türkische Bedrohung könnte größer werden als die iranische.“

Eine direkte Konfrontation mit dem Nato-Staat sei nicht ausgeschlossen, steht weiter in dem Bericht, den ein ehemaliger Leiter des nationalen Sicherheitsrats vorgelegt hat. Auch israelische Sicherheitsoffiziere äußerten die Befürchtung, dass eine Achse Türkei-Syrien entstehen könnte, die zu einer Bedrohung für Israel werden  könnte.

Verteidigungsminister Israel Katz berief am Mittwoch ein Treffen mit Sicherheitsexperten zum Thema Türkei ein. Das deute darauf hin, dass man den wachsenden Einfluss der Türkei in der Region durch den Aufstieg der islamistischen Organisation Hayat Tahrir al-Sham (HTS) sehr ernst nehme, meinten Beobachter in Tel Aviv.

Das Milizenbündnis HTS hatte Anfang Dezember Diktator Bashar al-Assad gestürzt und die Regierungsgewalt übernommen. Die HTS wird seit mehr als einem Jahrzehnt von der Türkei unterstützt. Die Regierung in Ankara unterstützt zudem die radikalislamistische Hamas, die vor anderthalb Jahren einen brutalen Überfall auf Israel verübte und seitdem noch immer Geiseln hält.

Die Schlussfolgerungen des Regierungsberichts bestärken  Überlegungen in Israel, die neue Präsenz in Syrien auf Dauer anzulegen. Nach der Flucht von Diktator Assad aus Damaskus hatte Israel seine militärischen Aktivitäten in Syrien intensiviert.

Kaum war Assad nach Moskau geflohen, setzte sich Israels Regierungschef Benjamin Netanjahu an der israelisch-syrischen Grenze medienwirksam in Szene. Die Flucht des Diktators sei „eine große Chance“, erklärte er damals.

Wie entwickelt sich die Lage in Syrien?

Mittlerweile warnt Netanjahu jedoch: „Wir müssen wachsam bleiben.“ Die neuen Machthaber in Syrien könnten keinesfalls als vertrauenswürdig gelten, erklären Militärstrategen. Sie fürchten, dass die neue Lage in Syrien Terrororganisationen Aufwind verschaffen könnte, um Raketen- und Drohnenangriffe zu verüben oder nach dem Vorbild der Hamas in Israel einzudringen.

Der israelische Ministerpräsident Benjamin Netanjahu ruft zur Wachsamkeit auf. Foto: Maya Alleruzzo/AP/dpa

Israel und Syrien hatten zwar auch schon vor dem Umsturz keinen Friedensvertrag. Aber das Assad-Regime galt in Jerusalem als „bekanntes Übel“: problematisch, aber kalkulierbar. Ein Chaos im Nachbarland oder ein islamistischer Staat wären weitaus gefährlicher.

Syrien war Irans engster staatlicher Verbündeter in der Region, spielte eine Schlüsselrolle in der sogenannten „Achse des Widerstands“ gegen Israel und galt als Drehscheibe für Waffenlieferungen an Irans Stellvertreter wie der Hisbollah. Der Fall des Assad-Regimes wird in Sicherheitskreisen darum als erheblicher Rückschlag für Teherans Machtambitionen im Nahen Osten gewertet.

Israel rückte in Syrien vor

Israel nutzte die Gelegenheit, um weite Teile der syrischen Armee-Infrastruktur zu zerstören und weiter in das Land einzurücken. Seit Jahrzehnten hält Israel die Golanhöhen besetzt. Nun sind weitere Gebiete unter israelischer Kontrolle, auch das höchstgelegene Gebiet Syriens inklusive des Bergs Hermon, das als strategisch wichtig gilt.

Das israelische Vorrücken in den östlichen Teil der Golanhöhen sei „eine vorübergehende Verteidigungsposition, bis eine geeignete Lösung gefunden wird“, sagte Netanjahu damals auf Englisch. In der hebräischen Version des Statements fehlte allerdings die zeitliche Einschränkung. Beobachter interpretieren das als Konzession an Netanjahus rechtsgerichtete Koalitionspartner, die weitere Teile Syriens annektieren und dort Siedlungen möglich machen wollen.

Nicht alle im israelischen Sicherheitsapparat halten diese Schritte für notwendig oder klug. Ein Syrienexperte aus der Geheimdienstgemeinde meint zum Beispiel, dass die Milizengruppen nicht daran interessiert seien, Israel anzugreifen – erst recht nicht nach den Schlägen gegen die Hisbollah.

„Es gibt jetzt mehr Chancen für Israel in Syrien als Bedrohungen“, meint etwa Carmit Valensi vom Institut für Nationale Sicherheitsstudien in Tel Aviv. Die meisten Gruppierungen in der Nähe der Grenze zum Golan  stünden Drusen-Gemeinschaften nahe, mit denen Israel gute Beziehungen pflegt.

Ähnliches gelte auch für die Kurden, die im Nordosten Syriens dominant sind. Nach Assads Sturz und der Schwächung Irans könne Israel die Chance nutzen, um langfristige Stabilität und Sicherheit zu gewährleisten, sagt Valensi.

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Amos Yadlin, ein ehemaliger Leiter des militärischen Geheimdiensts, weist auf eine andere Front hin: Israels Priorität solle sein, den Krieg im Gazastreifen mit einem stabilen Waffenstillstand zu beenden.

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