Nahost: Canceled, canceled, canceled – Die abgeschottete Region
Zürich. Die Gefahr, dass es im Nahen Osten zu einem größeren Krieg kommt, wirkt sich dramatisch auf den Luftverkehr in der Region aus. Viele Fluggesellschaften ändern ihre Flugpläne, um den iranischen und libanesischen Luftraum zu meiden. Andere Airlines sagen Flüge nach Israel und dem Libanon ab.
So flogen vor einem Jahr 132 Fluggesellschaften Tel Aviv an. Inzwischen dominiert auf den Anzeigetafeln des internationalen Flughafens Ben Gurion das Wort „canceled“, „gestrichen“.
Abgesagt wurden am Freitag zum Beispiel die Flüge nach New York von United Airlines und Delta, nach Athen von Aegean und Ryanair, nach Rom von ITA Airways, nach Wien von Austrian Airlines (AUA), nach Frankfurt und München von der Lufthansa und nach Zürich von der Lufthansa-Tochter Swiss, um nur einige Destinationen zu nennen.
Hintergrund ist vor allem die angespannte Lage zwischen Israel und dem Iran. Die iranische Führung hatte Israel mit Vergeltung gedroht, nachdem der Militärchef der Hisbollah, Fuad Shukr, in Beirut durch einen israelischen Angriff und der Anführer der Terrorgruppe Hamas, Ismail Hanija, in Teheran getötet worden waren. Der Iran schreibt den Tod Hanijas Israel zu, wobei Israel dafür offiziell keine Verantwortung übernommen hat.
Einige Fluggesellschaften wollen Tel Aviv daher gleich für die nächsten Monate aus ihrem Angebot streichen. So kündigte die Billigfluggesellschaft Easyjet diese Woche an, die Aussetzung der Flüge von und nach Israel bis Ende März 2025 zu verlängern. Zuvor hatte sie alle Flüge von und nach Israel bis zum 27. Oktober ausgesetzt, nachdem der Iran in der Nacht vom 13. auf den 14. April einen Angriff auf Israel verübt hatte.
Israel nennt den eigenen Flugraum sicher
Auch die Low-Cost-Gesellschaft Ryanair hatte ihre Flüge aus Furcht vor einem Krieg Israels mit dem Iran für unbestimmte Zeit abgesagt. Einige Airlines reagieren kurzfristig auf die Lage. So hat die ungarische Billigfluggesellschaft Wizz Air am Dienstag den Flugbetrieb nach Tel Aviv wieder aufgenommen, nachdem sie bis Montag die Destination aus ihrem Flugplan gestrichen hatte.
Die Welle der Flugstreichungen hatte vergangene Woche bei den großen Fluggesellschaften Lufthansa, United und Delta begonnen, danach erstreckte sie sich auch auf Billigfluggesellschaften.
Israels Verkehrsministerium beurteilt den israelischen Luftraum aber weiterhin als „sicher“. Als ob sie diese Einschätzung bestätigen wollten, führen die drei nationalen Fluggesellschaften El Al, Israir und Arkia ihre Flüge wie gewohnt durch.
El Al und andere israelische Fluggesellschaften bieten zusätzliche Flüge zu nahegelegenen Zielen wie Griechenland und Zypern an, um Israelis, die im Ausland gestrandet sind, die Heimreise zu ermöglichen – nachdem die meisten ausländischen Fluggesellschaften ihre Flüge nach Tel Aviv vorübergehend eingestellt haben. Nach Berichten in der israelischen Presse warten etwa 150.000 Israelis im Ausland auf den Rückflug nach Tel Aviv.
Der sonst lebhafte Betrieb am Flughafen Ben Gurion zeigt das Ausmaß der Isolation Israels. Das Rollfeld, wo sich die Maschinen noch bis vor Kurzem in langen Warteschlangen gedulden mussten, bevor sie vom Tower die Starterlaubnis erhielten, ist jetzt praktisch leer. Die meisten Maschinen fliegen das 50 Minuten entfernte Zypern oder Athen an. Von dort müssen Passagiere auf eigene Faust ihren Weiterflug organisieren.
Die Eskalationsgefahr schränkt auch in anderen Nahostländern den Flugverkehr ein. Die Lufthansa hatte am Montag etwa mitgeteilt, dass sie Flüge nach Beirut und Teheran bis zum 12. August streichen werde. Jordanien hat alle Fluggesellschaften, die auf seinen Flughäfen landen, aufgefordert, eine Treibstoffreserve von 45 Minuten mitzuführen – was Experten als Vorsichtsmaßnahme für den Fall eines Angriffs des Irans auf Israel ansehen.
Als „prekär“ wird die Lage in Beirut geschildert. Seit eine Reihe von Ländern ihre Bürger aufgefordert haben, den Libanon dringend zu verlassen – laut Aufruf der US-Botschaft in Beirut mit „jedem verfügbaren Ticket“ –, steigt das Gedränge auf dem internationalen Flughafen Rafik Hariri, dem einzigen in Betrieb befindlichen Verkehrsflughafen des Landes.
Schweden, Großbritannien, Deutschland, Frankreich, Jordanien und Saudi-Arabien haben ähnliche Erklärungen abgegeben, in denen sie ihre Staatsangehörigen auffordern, den Libanon zu verlassen. Die Befürchtung ist, dass die zunehmenden Spannungen zwischen Israel und dem Iran zu einem größeren Krieg führen und auch der ganze Libanon Schauplatz von Kampfhandlungen wird – wie im Grenzgebiet zu Israel, wo sich die vom Iran unterstützte Hisbollah und die israelische Armee bekämpfen.