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NaphtaTaiwan steigert offenbar russische Energieimporte

Taiwan positioniert sich als Verbündeter der Ukraine – aber eine Beschränkung zum Kauf russischer Brennstoffe gibt es nicht. Nun ist das Land offenbar der größte Abnehmer eines Rohstoffs.Anna Kipnis 01.10.2025 - 15:16 Uhr Artikel anhören
Öl-Terminal in Russland: Eine Beschränkung zum Kauf fossiler Brennstoffe aus Russland gibt es in Taiwan nicht. Foto: AFP

Düsseldorf. Taiwan hat seine Importe des Erdölprodukts Naphtha aus Russland offenbar massiv ausgeweitet und wird damit zum größten Abnehmer des Rohstoffs. Dies geht aus einem Bericht der Financial Times (FT) hervor. Naphta wird in der Chemie- und Halbleiterproduktion benötigt.

Der Bericht bezieht sich auf Daten des in Helsinki ansässigen Zentrums für Energie- und Luftreinhaltung (Crea). Demnach habe Taiwan allein in den ersten sechs Monaten des Jahres 2025 rund 1,9 Millionen Tonnen des Rohstoffs aus Russland importiert. Der Wert der Lieferungen soll bei etwa 1,3 Milliarden US-Dollar liegen.

Im gesamten Jahr 2022 – und damit im ersten Jahr des russischen Angriffskrieges auf die Ukraine – wurden insgesamt 574.000 Tonnen des Rohstoffs importiert. Damit habe sich das Importvolumen im Vergleich zum Vorjahr vervielfacht.

Sicherheitsbedanken

Die Abhängigkeit von Russland könnte Taiwan wirtschaftlich und geopolitisch verwundbar machen. Russland pflegt enge Beziehungen zu China – welches Taiwan wiederum als Teil seines Staatsgebiets beansprucht. Ein Lieferstopp könnte daher als Druckmittel auf Taiwan eingesetzt werden.

Taiwan allerdings hatte sich in der Vergangenheit noch Sanktionen gegen Russland angeschlossen und gilt als Verbündeter der Ukraine. Am Sonntag unterzeichnete Taiwans Außenminister Lin Chia-lung in Polen einen Pakt zur Unterstützung der von der russischen Invasion betroffenen Kinder in der Ukraine. Eine Beschränkung zum Kauf fossiler Brennstoffe aus Russland gibt es allerdings nicht.

Die FT zitiert Chen Kuan-ting, einen Abgeordneten der regierenden Demokratischen Fortschrittspartei Taiwans: „Wir können uns nicht auf ein einzelnes Land oder Unternehmen verlassen, insbesondere nicht auf eines, das Taiwans Souveränität nicht anerkennt oder ihr sogar feindlich gegenübersteht.“ Es sei nicht nur eine Frage der Ressourcen, sondern eine Frage der nationalen Sicherheit und Geopolitik, wird Kuan-ting weiter zitiert.

International könnte Taiwans Abhängigkeit ebenfalls für Kritik sorgen. US-Präsident Donald Trump verhängte im August etwa Zölle in Höhe von 50 Prozent gegen Indien, weil das Land russisches Rohöl kauft.

Staatliche Unternehmen reduzieren Abhängigkeit zu Russland

Zudem haben taiwanesische Käufer laut FT häufig mehr bezahlt, als der von der G7 ursprünglich festgelegte Preisdeckel erlaubt. Dieser liegt bei 45 Dollar pro Barrel. Dies könne Sanktionen nach sich ziehen und den Vorwurf verstärken, Taiwan unterstütze indirekt die russische Kriegswirtschaft.

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Besonders stark ist laut FT-Bericht der private Konzern Formosa Petrochemical involviert. Während staatliche Unternehmen russische Importe reduziert hätten, habe Formosa seinen Bezug deutlich gesteigert. Inzwischen solle das Unternehmen fast seinen gesamten Naphtha-Bedarf über Russland decken.

Auch russische Kohle werde weiterhin nach Taiwan importiert, wenn auch in sinkenden Mengen. Beobachter warnen dem Bericht zufolge, der hohe Anteil russischer Energieträger könne Taiwans Verwundbarkeit in den aktuellen geopolitischen Spannungen erhöhen.

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