Aufrüstung: Nordkorea stellt erstes Aufklärungsflugzeug vor
Die Präsentation war Chefsache. Ein am Donnerstag veröffentlichtes Bild der nordkoreanischen Nachrichtenagentur KCNA zeigt Kim, wie er sich im Inneren des Kontrollraums an hohe Offiziere und die Besatzung wendet. Die Bilder des Flugzeugs verdeutlichen die geopolitische Relevanz: Das Militärbündnis zwischen Russland und Nordkorea hat einen neuen Höhepunkt erreicht.
Das Aufklärungsflugzeug ist das bisher sichtbarste Zeichen dafür, dass Russland Nordkorea im Gegenzug für die Bereitstellung von Munition und Soldaten im Ukrainekrieg nicht nur mit Öl und Lebensmitteln, sondern auch mit Waffentechnik versorgt. Experten gehen davon aus, dass Nordkoreas Satelliten- und Raketenprogramme bereits von russischem Know-how profitieren.
Das Flugzeug basiert auf einer russischen Iljuschin II-76, die mit einem typischen pilzähnlichen Aufbau für Radar und andere Geräte ausgestattet ist. Der südkoreanische Geheimdienst geht davon aus, dass Nordkorea das Flugzeug schon besaß. Die Ausrüstung des Flugzeugs sei aber wahrscheinlich von Russland geliefert worden.
Das ist eine wichtige Hilfe für Nordkoreas langfristige Aufrüstungsstrategie. Das Land besitzt trotz Sanktionen der internationalen Staatengemeinschaft nicht nur eine bislang unbekannte Zahl von Atomwaffen und Interkontinentalraketen, sondern entwickelt auch Marschflugkörper, Hyperschallraketen und Atom-U-Boote.
Kim rüstet mit KI-Kamikaze-Drohnen für den modernen Krieg
Kim hat auch aus dem Drohnenkrieg in der Ukraine gelernt. Laut KCNA überwachte er während seiner Reise auch einen Test von Angriffsdrohnen, die mit Künstlicher Intelligenz (KI) ausgestattet sein sollen. Die veröffentlichten Fotos zeigen, wie die Drohnen einen Panzer zerstören.
Kim erklärte daraufhin, die Bereiche Drohnen und Künstliche Intelligenz hätten „höchste Priorität“. Diese seien wichtig für die moderne Kriegsführung.
Nordkorea schickt weitere Soldaten nach Russland
Nordkorea hat Russlands Angriff auf die Ukraine nicht nur mit Artilleriemunition unterstützt. Im vergangenen Jahr wurden nach Schätzungen des südkoreanischen Geheimdienstes sogar 11.000 Soldaten nach Russland geschickt, die in der russischen Region Kursk gegen ukrainische Truppen eingesetzt wurden.
Dabei handelt es sich nicht um eine einmalige Schützenhilfe. 4000 dieser Soldaten sollen bereits gefallen oder verwundet sein. Doch Ersatz könnte schon eingetroffen sein. Wie der südkoreanische Geheimdienst am Donnerstag berichtete, hat Kim im Januar und Februar erneut rund 3000 Soldaten nach Russland in Marsch gesetzt.
» Lesen Sie auch: Der Indo-Pazifik ist der eigentliche Kern von Trumps Außenpolitik
Auch Munition und Artillerie liefere Nordkorea weiterhin an Russland. Zuletzt wurde nach Angaben des Generalstabschefs Südkoreas eine „beträchtliche Menge“ ballistischer Kurzstreckenraketen sowie rund 220 Panzerhaubitzen und Raketenwerfer geliefert.
USA warnen vor neuem Atombombentest
Eine wichtige Frage ist, wie die Amtszeit von US-Präsident Donald Trump die Situation verändern wird. Trump hat bereits seine Bereitschaft erklärt, sich wie in seiner ersten Amtszeit mit Kim persönlich zu treffen. Bisher hat Kim diese Annäherungsversuche nicht erwidert.
Die Direktorin der nationalen Nachrichtendienste der USA, Tulsi Gabbard, erklärte diese Woche vor dem Geheimdienstausschuss des US-Senats, dass Nordkorea aufrüste, um die Streitkräfte der USA und ihrer Verbündeten in der Region sowie die USA selbst angreifen zu können. Nordkorea strebe zumindest eine stillschweigende Anerkennung als Atommacht an, so Gabbard.
Sie warnte sogar vor einer Eskalation. „Nordkorea ist wahrscheinlich bereit, kurzfristig einen weiteren Atomtest durchzuführen“, sagte Gabbard. Nach dem vorerst letzten Atomtest im Jahr 2017 sei die Lage in Ostasien bis an den Rand eines Kriegs eskaliert. Zudem teste Kim weiterhin Interkontinentalraketen, „um seine wachsenden Fähigkeiten als Druckmittel in zukünftigen Verhandlungen zu demonstrieren“.