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ÖsterreichWie Sebastian Kurz ohne Studium zum mächtigsten Mann Österreichs wurde

Sebastian Kurz ist der jüngste Regierungschef der Welt. So verlief seine politische Karriere steil nach oben.Charleen Florijn 03.02.2020 - 13:27 Uhr

Sebastian Kurz hat sein Jurastudium nicht beendet.

Foto: Handelsblatt

Dieser Artikel ist am 03. Februar 2020 bei Orange - dem jungen Portal des Handelsblatts - erschienen.

Sebastian Kurz war noch gar nicht in Berlin gelandet, da machte er schon Schlagzeilen: Der österreichische Bundeskanzler stemmt sich weiter gegen die deutschen Pläne für eine Steuer auf Aktienkäufe auf EU-Ebene. Die von Finanzminister Olaf Scholz vorgeschlagene Finanztransaktionssteuer werde sein Land so nicht akzeptieren, sagte er vor dem Treffen mit Angela Merkel der Zeitung Welt. „Wir werden jedenfalls alles tun, um das zu verhindern.“

Sebastian Kurz: Im Alter von 31 Jahren zum Kanzler von Österreich

An diesem Montag trifft Kurz in Berlin die deutsche Bundeskanzlerin. Gute Gelegenheit für einen Blick auf seinen Lebenslauf: Der unterscheidet sich nämlich deutlich von dem der meisten Politiker. So ist Kurz mit 33 Jahren der jüngste Regierungschef der Welt. Und das ist nicht die einzige Besonderheit. Doch der Reihe nach.

Sebastian Kurz kommt 1986 in Wien auf die Welt, seine Mutter ist Lehrerin, sein Vater Techniker. Nachdem er die Volksschule und das Gymnasium besucht, geht er zum Militär und beginnt anschließend in der österreichischen Hauptstadt ein Jurastudium. Bis heute hat er aber keinen Abschluss, der junge Sebastian zieht die Politik dem Studium vor.

Im Alter von 23 Jahren übernimmt der Student den Vorsitz der Jungen Österreichischen Volkspartei, den er die nächsten acht Jahre behält. In die Politik wollte er, weil er immer seine Meinung sagen möchte, zitiert ihn der Spiegel.

Sebastian Kurz und seine Freundin Susanne Thier kennen sich aus der Schule

Seine jetzige Freundin, die Wirtschaftspädagogin Susanne Thier, lernt er schon in der Schulzeit kennen. Bis heute sind die beiden ein Paar. Bei öffentlichen Anlässen hält sich die 30-Jährige im Hintergrund, ihre Beziehung halten die beiden bewusst privat.

2010 macht Sebastian Kurz mit einer Kampagne auf sich aufmerksam, bei der er im „Geil-o-Mobil“, einem schwarzen SUV, durch die Stadt fährt, Kondome verteilt und für die ÖVP (vergleichbar mit der deutschen CDU) wirbt.

Begleitet wird er dabei von jungen Frauen in Hot Pants und knappen Tops – den „Geilmacherinnen“. Das Motto der Kampagne: „Schwarz macht Geil“. Im Rückblick gesteht Kurz sich ein, dass die Kampagne schiefgelaufen sei, wie er im Interview mit Puls4 sagt.

Trotzdem ernennt ihn nur ein Jahr später der damalige Vizekanzler zum Staatssekretär für Integration, ein Amt, das es vor Kurz noch nicht gab. Kurz wird damit zum jüngsten Regierungsmitglied. Er soll die ÖVP aus dem Umfragetief herausholen, die jungen Wähler locken, schreibt der Spiegel damals.

Die Medien reagieren mit Spott auf den jungen Kurz. Sie hätten ihn damals regelrecht verprügelt, sagte Kurz 2012 in einem Interview mit der Zeit. Der junge Politiker lässt sich davon jedoch nicht runterziehen und klettert auf der Karriereleiter weiter nach oben.

Sebastian Kurz: Außenminister von Österreich mit 27 Jahren

Im Alter von 27 Jahren wird er Außenminister. Er hat zu der Zeit 1200 Diplomaten und Angestellte unter sich und vertritt achteinhalb Millionen Menschen im Ausland. Der Abschluss seines Jurastudiums rückt damit in weite Ferne, also streicht Kurz diesen Teil kurzerhand aus seinen Lebensläufen.

Sebastian Kurz bringt die Jugend ins Außenministerium. Er führt Sommerfeste und Grillabende ein, lädt Schulklassen ein und duzt seine Mitarbeiter, wie der Spiegel schreibt. Bis 2017 bleibt Kurz Außenminister. In dieser Zeit setzt er sich maßgeblich dafür ein, die Westbalkanroute, auf der täglich etwa 15.000 Menschen nach Europa flohen, zu schließen.

Unabhängig von der Europäischen Union verhandelt der damalige Außenminister mit Serbien und Mazedonien und trägt so wesentlich zur Schließung der Route bei. Kurz darauf nominiert das Time-Magazine ihn als „Next Generation Leader“ und bezeichnet die Grenzschließung als größten politischen Erfolg von Kurz.

Im Mai 2017 wählt die ÖVP den jungen Politiker dann zum neuen Parteichef. Nur ein paar Monate später findet in Österreich die Nationalratswahl statt. Sebastian Kurz tritt als Spitzenkandidat für die ÖVP an. Mit 31,5 Prozent wird die Volkspartei stärkste Kraft. Am 18. Dezember 2017 ist es dann soweit: Kurz tritt das Amt des Bundeskanzlers an.

Sebastian Kurz: Ibiza-Video ließ seine Regierung stürzen

Kurz entschließt sich, mit der rechtspopulistischen Freiheitlichen Partei Österreichs (FPÖ) zu koalieren. FPÖ-Chef Hans-Christian Strache wird zum Vizekanzler, acht Minister kommen aus den Reihen der ÖVP, sechs aus denen der FPÖ.

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Die Koalition hält nicht einmal zwei Jahre. Sie zerbricht an der so genannten Ibiza-Affäre. Mitte Mai veröffentlichten Spiegel und Süddeutsche Zeitung Ausschnitte aus einem Video, das Vizekanzler Strache in einer Villa auf Ibiza mit einer Frau zeigt, die sich als russische Oligarchin ausgibt. Sie sprechen über möglicherweise illegale Parteispenden und Korruptionspläne.

Nach der Veröffentlichung der Ibiza-Videos tritt Vizekanzler Strache zurück. Sebastian Kurz entlässt außerdem den FPÖ-Innenminister Herbert Kickl. Daraufhin kündigen die anderen FPÖ-Minister an, die Regierung ebenfalls zu verlassen. Die Regierung bricht auseinander.

Bundeskanzler Kurz besetzt daraufhin die Ministerposten mit Experten. Die Opposition im Parlament wirft ihm vor, nicht richtig gehandelt und die anderen Parteien außen vor gelassen zu haben. Es kommt zum Misstrauensvotum und schließlich zu Neuwahlen. Die aber gewinnt Sebastian Kurz mit seiner Partei. Und so wird er am 7. Januar 2020 erneut Bundeskanzler.

Hinweis der Redaktion: Der Artikel ist Ende 2019 erstmals auf Orange erschienen. Anlässlich des Staatsbesuchs im Februar 2020 haben wir ihn aktualisiert.

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