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Omikron-WelleStraffen oder lockern? Europas Coronastrategien klaffen zunehmend auseinander

Während Deutschland noch mit 2G und Beschränkungen von PCR-Tests hantiert, kehren andere Länder zur Normalität zurück. Ein Blick ins europäische Ausland. 27.01.2022 - 17:51 Uhr Artikel anhören

In England fällt die Maskenpflicht, abgesehen von der U-Bahn in London.

Foto: dpa

Paris, Rom, Madrid, London, Stockholm, Wien. Als Irlands Ministerpräsident Micheal Martin vergangene Woche die Coronaregeln weitgehend aufhob, griff er zu blumigen Worten: „Der Frühling kommt. Menschen sind soziale Wesen, und wir Iren sind geselliger als die meisten. Es ist Zeit, wieder wir selbst zu sein.“

Auch Großbritannien und Dänemark kehren in großen Schritten zu einer Normalität ohne Einschränkungen zur Eindämmung der Pandemie zurück. Dagegen halten die Regierungen in Deutschland, Österreich oder Italien an den meisten Restriktionen fest. Die Coronastrategien in Europa klaffen zunehmend auseinander.

Dabei sorgt die Omikron-Welle weiterhin überall für Rekordinzidenzen. Doch die Coronapolitik scheint sich in vielen Fällen von objektiven Messwerten entkoppelt zu haben. Stattdessen bestimmen andere innenpolitische und ökonomische Erwägungen das Regierungshandeln.

Innenpolitischer Druck, hohe Impfquote und auslaufende Covidwelle: In diesen Ländern wird gelockert

Großbritannien: Am weitesten gelockert hat der britische Premier Boris Johnson. Im größten Landesteil England sind fast alle Coronaregeln am Donnerstag ausgelaufen. Nur in der Londoner U-Bahn gilt noch Maskenpflicht. Zwar werden täglich immer noch 100.000 Neu-Infektionen registriert, doch hat Johnson die Gefahr vorerst für beendet erklärt.

Das hängt auch damit zusammen, dass der Premier politisch schwer angeschlagen ist und eine Verlängerung der Maßnahmen in seiner konservativen Fraktion nicht durchsetzen könnte. Die Regionalregierungen in Schottland, Nordirland und Wales hingegen halten an der Maskenpflicht in Innenräumen fest.

Premier Boris Johnson hätte weitere Einschränkungen nicht durchsetzen können.

Foto: action press

Irland: Das Land hatte 20 Monate lang mit die schärfsten Regeln Europas. Jetzt sind sie fast alle aufgehoben, inklusive der abendlichen Sperrstunde für die Pubs. Allerdings gilt noch eine umfassende Maskenpflicht in Geschäften, Schulen und öffentlichem Nahverkehr. Der Unterschied zum Nachbarn Großbritannien ist daher sichtbar.

Dänemark: Trotz einer hohen Inzidenz von 5000 will Dänemark von Montag an so gut wie alle Coronarestriktionen abschaffen. Die Maskenpflicht im öffentlichen Nahverkehr und an anderen öffentlichen Plätzen wird aufgehoben. Auch wird kein Impfpass mehr für den Zutritt zu Freizeit-, Kultur- und gastronomischen Einrichtungen benötigt. Dass Dänemark den Schritt trotz der hohen Infektionszahlen macht, hat mit der hohen Impfquote zu tun. Über 81 Prozent der Bevölkerung sind zweifach geimpft, geboostert sind mehr als 60 Prozent. Ein weiterer Grund ist, dass rund jeder Vierte in Dänemark bereits infiziert war.

Spanien: In Spanien gilt nur noch die Maskenpflicht – selbst im Freien. Viele Regionen hatten aber strengere Restriktionen verhängt, die von der Kontrolle des Impfausweises in Bars und Restaurants bis zu einer nächtlichen Ausgangssperre reichten. Da in Spanien der Höhepunkt der Omikron-Welle überschritten ist, lockern zahlreiche Regionen nun wieder.

So schaffen Katalonien, Asturien und Kantabrien von diesem Freitag an die Kontrolle der Impfausweise wieder ab. In Madrid gab es bereits seit Monaten keinerlei Einschränkungen mehr. Spanien war auch das erste EU-Land, das vorgeschlagen hat, das Coronavirus nicht mehr Fall für Fall zu verfolgen, sondern wie eine Grippe zu behandeln.

Frankreich: Paris lockert für Geimpfte, erhöht aber den Druck auf die Ungeimpften. Diese Woche trat ein neuer Impfpass in Kraft, der Ungeimpften alle sozialen Rechte nimmt. Sie können nicht mehr ins Restaurant, Museum oder Kino und auch keine Langstrecken mit dem Zug fahren.

Das Gesundheitssystem stehe kurz vor dem Zusammenbruch.

Foto: dpa

Für Geimpfte und Genesene hingegen wird das Leben leichter – trotz einer Inzidenz von 3700. Die Kapazitätsbeschränkungen für Veranstaltungen fallen kommende Woche weg, ebenso die Verpflichtung zu drei Homeoffice-Tagen. Auch die Maske muss dann draußen nicht mehr getragen werden. In den Schulen wurde ebenfalls gelockert: Statt Klassen bei Coronafällen gleich zu schließen, setzt Frankreich nun auf ständiges Testen. Am 16. Februar sollen die Diskotheken wieder öffnen. Die Regierung stellte weitere Lockerungen nach den Winterferien im März in Aussicht.

Sperrstunden, Besuchergrenzen und 3G in der Post: Diese Länder bleiben strikt

Schweden: Während Dänemark die Restriktionen aufhebt, verlängerte das Nachbarland Schweden am Mittwoch alle geltenden Einschränkungen für weitere zwei Wochen. „Wir hinken zeitlich hinter anderen Ländern her“, erklärte Gesundheitsministerin Lena Hallengren. Man habe derzeit mit „einer extrem hohen Infektionsrate“ zu kämpfen. Die Inzidenz liegt bei über 2600. Deshalb gelten weiterhin Begrenzungen der Anzahl von Besuchern von öffentlichen Veranstaltungen oder Restaurants. Außerdem müssen alle gastronomischen Betriebe um spätestens 23 Uhr schließen.

Österreich: Die Regierung in Wien beendet am Montag den Lockdown für Ungeimpfte. Viel ändern wird sich dadurch nicht, denn in Läden, Restaurants oder Kulturstätten gilt weiterhin die 2G-Regel. Ungeimpfte sind also auch künftig weitgehend vom öffentlichen Leben ausgeschlossen.

Die Regierung hat die Impfpflicht durchgesetzt.

Foto: imago images/Volker Preußer

Den Lockdown für Ungeimpfte hatte die Regierung Mitte November 2021 eingeführt. Damit wollte sie auch erreichen, dass sich endlich mehr Bewohner des Landes impfen lassen. Noch hat die Regierung nichts dazu verlauten lassen, wann genau weitere Einschränkungen fallen werden. Die Zahl der gemeldeten Neuinfektionen steigt. Experten gehen von einem weiteren Zuwachs in den kommenden zwei bis drei Wochen aus.

Niederlande: Ministerpräsident Mark Rutte hat den vor Weihnachten verhängten Lockdown teilweise aufgehoben. Die Restaurants dürfen nun wieder öffnen – allerdings nur bis 22 Uhr und mit 3G-Regel. Nachtklubs bleiben weiter zu, und für Veranstaltungen gilt eine Obergrenze von 1250 Personen.

Italien: Auch Italien bleibt weiter vorsichtig – und schränkt das Leben für Ungeimpfte zunehmend ein. Weiterhin gilt für alle in der Öffentlichkeit Maskenpflicht, seit einer Woche dürfen nur noch Geimpfte oder Genesene zum Friseur oder ins Kosmetikstudio.

Von Anfang Februar an gilt obendrein in Banken, Postfilialen und anderen öffentlichen Ämtern die 3G-Regelung. Ab Mitte Februar greift dann auch noch die Impfpflicht ab 50 Jahren, die auf der Arbeit nachgewiesen werden muss.

In Italien gilt eine Impfpflicht für Über-50-Jährige

Foto: dpa
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Eine Lockerung der Maßnahmen ist vorerst nicht in Sicht, laut Virologen ist der Höhepunkt der vierten Welle gerade erst erreicht. Die Inzidenz liegt bei knapp 2000, mehr als 2,7 Millionen Italiener sind aktuell infiziert. Die Zahl der Intensivpatienten ist seit November stark angestiegen: Damals waren 350 Betten belegt, heute sind es knapp 2700.

Von Daniel Imwinkelried, Tanja Kuchenbecker, Sandra Louven, Helmut Steuer, Carsten Volkery und Christian Wermke.

Daniel Imwinkelried, ku, lou, hst, cvo, wer
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