Benachrichtigung aktivieren Dürfen wir Sie in Ihrem Browser über die wichtigsten Nachrichten des Handelsblatts informieren? Sie erhalten 2-5 Meldungen pro Tag.
Fast geschafft Erlauben Sie handelsblatt.com Ihnen Benachrichtigungen zu schicken. Dies können Sie in der Meldung Ihres Browsers bestätigen.
Benachrichtigungen erfolgreich aktiviert Wir halten Sie ab sofort über die wichtigsten Nachrichten des Handelsblatts auf dem Laufenden. Sie erhalten 2-5 Meldungen pro Tag.
Jetzt Aktivieren
Nein, danke

Pandemie-Statistiken Behörden in US-Bundesstaaten sollen Corona-Daten manipuliert haben

In einigen Bundesstaaten der USA scheinen Statistiken über das Virus Sars-CoV-2 manipuliert worden zu sein. Experten äußern sich besorgt.
20.05.2020 - 04:54 Uhr 5 Kommentare
Sind in den USA Corona-Statistiken manipuliert worden? Quelle: AP
Drive-through-Tests in Chicago

Sind in den USA Corona-Statistiken manipuliert worden?

(Foto: AP)

Providence Gesundheitsbehörden einiger US-Staaten sollen Corona-Statistiken verpfuscht oder sogar mit Tricks bewusst geschönt haben. In Virginia, Texas und Vermont etwa räumten Beamte ein, die Ergebnisse von Virus-Tests, die eine aktive Infektion zeigen, mit Antikörper-Tests kombiniert zu haben, die auf eine frühere Ansteckung hinweisen.

Dadurch könne der Eindruck entstehen, dass ein bestimmter Staat beeindruckende Testzahlen vorzuweisen habe und die Situation besser sei als sie ist, erklärten Experten. Ein wahres Bild vom Ausmaß der Ausbreitung des neue Virus Sars-CoV-2 liefere die Herangehensweise nicht.

In Florida berichtete die für die Entwicklung einer Corona-Übersicht zuständige Datenspezialistin Rebekah Jones von ihrer Entlassung. Der Grund: Sie habe sich geweigert, Daten so zu manipulieren, dass sie die von der Staatsregierung forcierten Pläne für eine Lockerung der Sperrmaßnahmen in der Coronakrise und der Wiederaufnahme des öffentlichen Lebens rechtfertigen würden.

Und in Georgia gab die Behörde für öffentliche Gesundheit um den 11. Mai eine Grafik heraus, die in einem bestimmten Zeitraum auf einen Rückgang der Neuinfektionen in den am schwersten betroffenen Bezirken hindeutete. Allerdings wurden die täglich aktualisierten Daten nicht chronologisch aufgeführt.

Zum Beispiel kam die Zahl der Neuinfektionen vom 7. Mai direkt vor jenen vom 26. April, auf die wiederum Daten vom 3. Mai folgten. Ein kurzer Blick auf die Grafik vermittelt den Eindruck, dass der Rückgang nahtloser vonstatten ging, als es der Realität entspricht. Die Abbildung wurde binnen eines Tages entfernt.

„Paradebeispiel von rechtswidrigem Handeln“

Jasmine Clark, demokratische Abgeordnete im Kongress von Georgia und Trägerin eines Doktortitels in Mikrobiologie, bezeichnete die Grafik als „Paradebeispiel von rechtswidrigem Handeln“. Traurigerweise bekomme man das Gefühl, dass es da einen Versuch gegeben habe, die Daten so zu handhaben, dass sie ein bestimmtes Narrativ bedienten. So könne Datenerhebung aber nicht ablaufen, kritisierte Clark.

Das Gesundheitsministerium von Georgia nutzt zudem eine umstrittene Praxis bei der Darstellung der Fälle: Positive Testresultate werden nicht dem Tag zugeordnet, an dem der Test ausgewertet wurde, sondern dem Tag, an dem der Patient die ersten Symptome zeigte. Dadurch wird der Zeitstrahl verschoben und es kann der Eindruck entstehen, dass der schlimmste Moment bereits überwunden ist.

Das Büro des republikanischen Gouverneurs Brian Kemp bestritt einen Versuch, die Öffentlichkeit zu täuschen. Dies könne „nicht weiter entfernt von der Wahrheit sein“, teilte Kemps Sprecherin Candice Broce mit. Georgia gehört zu den ersten US-Staaten, die Ausgangsbeschränkungen lockerten und Bürgern versicherten, dass es wieder sicher sei, sich frei im öffentlichen Raum zu bewegen.

Thomas Tsai zufolge, einem Professor am Harvard Global Health Institute, macht es die Darstellung der Fälle in Georgia schwieriger, die derzeitigen Bedingungen zu verstehen. Er mache sich Sorgen, dass andere Staaten ihre Daten ebenfalls auf eine missverständliche Art darstellen.

Die Richtlinien der US-Regierung sehen vor, dass in den einzelnen Staaten ein Abwärtstrend bei Neuinfektionen über 14 Tage zu erkennen sein soll, bevor die Einschränkungsmaßnahmen zurückgenommen und die Wirtschaft wieder geöffnet wird.

Auch die Anzahl der Tests und der Kontaktverfolgung sollen den Richtlinien zufolge ausgeweitet werden. Einige Staaten öffneten jedoch schon, während die Zahl der Neuinfektionen weiter stieg oder konstant blieb. In den USA sind bisher 1,5 Millionen Infektionen und mehr als 90.000 Todesfälle registriert worden.

Mehr: Lesen Sie hier alle aktuellen Entwicklungen zur Corona-Pandemie.

  • ap
Startseite
Mehr zu: Pandemie-Statistiken - Behörden in US-Bundesstaaten sollen Corona-Daten manipuliert haben
5 Kommentare zu "Pandemie-Statistiken: Behörden in US-Bundesstaaten sollen Corona-Daten manipuliert haben"

Das Kommentieren dieses Artikels wurde deaktiviert.

  • Dass in den USA vermutlich Statistiken gefälscht wurden, wundert mich nicht. Es brauchte auch keine Anweisungen von D.T. Vorauseilender Gehorsam ist das Stichwort.
    Und an diejenigen, die beim Stichwort „gefälschte Statistik“ an Churchill denken: Sie unterliegen einem Irrtum.
    Churchill war ein Fan von Statistiken und ein Fan der Wahrscheinlichkeitsrechnung.
    Das Zitat, das jeder im Ohr hat, war eine Erfindung von Goebbels, der sich über Churchill geärgert hatte. Hintergrund: Was ist für amerikanische Hilfsschiffe nach Großbritannien sicherer? Verband mit Marinedeckung oder Solofahrt? Die Wahrscheinlichkeitsrechnung ergab, dass ein Verband mit Kriegsschiff-Deckung sicherer sei. Das hat Goebbels geärgert.

  • Im Vertuschen scheinen die USA von Chins gelernt zu haben, sicherlich steckt Trump hinter den
    Anordnungen, jedenfalls darf man ihm überhaupt nicht trauen! Was ist unter Trump alles passiert.....

  • Es hat so jeder seine Methoden die Statik schöner aussehen zu lassen als sie in Wirklichkeit ist.
    In China (Wuhan) hat man die Toten vergessen die angeblich einsam in den vielen Wohnungen lagen, weil niemand sich um den Nachbar gekümmert hat. Mag sen, was genau die Ursache war wird man vielleicht nie erfahren.
    In UK musste man die Totenzahlen schlagartig um mehrere Tausend erhöhen, weil man die Opfer der Pandemie in den Pflege- und Seniorenheimen nicht mitgezählt hat. Die aktuellen Zahlen werden wohl nochmals massiv nach oben korrigiert werden müssen.
    In den USA macht man sich diese Mühe erst garnicht, man fälsch einfach die Statistik, das ist einfacher.
    Wie war der Ausspruch von Churchill nochmal?
    Über den Vorgang in China haben sich die Scharfmacher noch gewaltig aufgeregt, bei UK war die Reaktion schon sehr viel verhaltener, bei den USA hat offensichtlich niemand etwas anderes erwartet.
    Der Durchlauferhitzer Medien macht es möglich, bekanntlich bleibt am besten im Gedächtnis haften was zuerst kommuniziert wurde.

  • glaube keiner Statistik die du nicht selbst gefälscht hast - auch bei uns können die Statistiken keine Wahrheit zeigen. Es gibt zu wenig Tests und man kann sich nicht einfach testen lassen. Sofern man nicht behautet gerade aus Wuhan zu kommen wird man mit unklaren Symptomen wie Husten abgewiesen sofern dern Arzt einem nicht gewogen ist.

  • Wir sollten unsere kritischen Blicke in unsere Nähe richten, nämlich in EU-Länder. Auch dort gibt es erhebliche Unterschiede, wie Corona-Infektionen und -Todesfälle gezählt/berichtet werden. Eine (warum auch immer) vermutete absolute Vergleichbarkeit dieser Daten über Ländergrenzen hinweg existiert nicht. Eine wichtige Aufgabe für guten Journalismus könnte sein, diese Vergleichbarkeit zumindest näherungsweise herzustellen?

Zur Startseite
-0%1%2%3%4%5%6%7%8%9%10%11%12%13%14%15%16%17%18%19%20%21%22%23%24%25%26%27%28%29%30%31%32%33%34%35%36%37%38%39%40%41%42%43%44%45%46%47%48%49%50%51%52%53%54%55%56%57%58%59%60%61%62%63%64%65%66%67%68%69%70%71%72%73%74%75%76%77%78%79%80%81%82%83%84%85%86%87%88%89%90%91%92%93%94%95%96%97%98%99%100%