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RusslandNawalny-Team bestätigt Tod von Kremlgegner

Der 47-Jährige hat eine jahrelange Haft in einer Strafkolonie verbüßt. Bei einem Spaziergang sei er zusammengebrochen, erklärte die Gefängnisverwaltung. Die Todesursache sei unklar. 16.02.2024 - 22:11 Uhr aktualisiert
Kritiker der russischen Führung, Alexei Nawalny. Foto: dpa

Moskau. Der prominenteste Kritiker der russischen Führung, Alexei Nawalny, ist tot. Nawalnys Sprecherin Kira Jarmysch bestätigte das am Samstag bei X (vormals Twitter) unter Berufung auf Nawalnys Mutter. Sie war in das Straflager im Norden Russlands gereist und habe dort die Nachricht über den Tod ihres Sohnes erhalten.

Der 47-Jährige habe sich nach einem Gang im Freien am Freitag „unwohl gefühlt“ und „fast sofort das Bewusstsein verloren“, teilte die Gefängnisverwaltung der nördlichen Region Jamalo-Nenez am Freitag mit. Es sei medizinisches Personal herbeigerufen worden, das jedoch nicht in der Lage gewesen sei, Nawalny wiederzubeleben. Die Todesursache werde derzeit ermittelt.

Der russische Präsident Wladimir Putin wurde über den Tod Nawalnys informiert, wie die staatliche Nachrichtenagentur Tass meldete. Ermittlungen zur Todesursache sollen eingeleitet worden sein.

Nawalny war zu insgesamt mehr als 30 Jahren Haft verurteilt worden. Die Vorwürfe reichen von Betrug bis hin zu Extremismus. Er hat die Vorwürfe stets bestritten und als politisch motiviert bezeichnet. Nawalny und seine Anhänger entgegneten, dass es in Wahrheit darum gehe, Kritik an Putin zu unterdrücken. Seine politische Bewegung wurde verboten, enge Mitarbeiter wurden inhaftiert oder flohen ins Ausland.

Nawalnys Frau Julia Nawalnaja hat ebenfalls noch keine eigene Bestätigung des Todes ihres Mannes. „Ich weiß nicht, ob wir den schrecklichen Nachrichten glauben sollen, die wir ausschließlich aus staatlichen russischen Quellen erhalten“, sagte sie am Freitag in ihrer kurzfristig anberaumten Rede bei der Münchner Sicherheitskonferenz. „Wir können Putin und Putins Regierung nicht glauben“, fügte sie hinzu. „Sie lügen immer.“

Sollte die Nachricht stimmen, müsse sich Putin für den Tod ihres Mannes verantworten, sagte Julia Nawalnaja sichtlich angespannt. Putin und seine Unterstützer dürften nicht straflos davonkommen für das, „was sie unserem Land, meiner Familie und meinem Mann angetan haben“. Der Tag, an dem sie zur Verantwortung gezogen würden, werde bald kommen. „Ich möchte die internationale Gemeinschaft und alle Leute in diesem Saal dazu aufrufen, dass sie sich vereinigen und das Böse bekämpfen.“

Reaktionen auf Nawalnys Tod

Der ukrainische Präsident Wolodimir Selenski bezeichnete den russischen Präsidenten Wladimir Putin als Mörder. Russen, die bei der Präsidentschaftswahl im März für Putin stimmten, sollten sich bewusst sein, dass sie für einen Mörder votierten, sagte Selenski bei einem Besuch in Frankreich. „Die Ereignisse zeigen uns, dass Putin ein Mörder ist, und das ist keine Rhetorik“, sagt Selenski. „Es ist absolut offensichtlich, dass er ein Mörder ist.“

Bundeskanzler Olaf Scholz (SPD) nannte den Tod Nawalnys bedrückend. Dass Nawalny zurück nach Russland gegangen sei, sei sehr mutig gewesen. Nun habe er diesen Mut „mit dem Leben bezahlt“, sagt Scholz in Berlin. Man wisse jetzt genau, was in Moskau für ein Regime regiere. Russland sei „längst keine Demokratie mehr“. Auch Außenministerin Annalena Baerbock (Grüne) äußerte sich:

Auch die ehemalige Kanzlerin Angela Merkel lastet den Tod dem russischen Staat an. „Er wurde Opfer der repressiven Staatsgewalt Russlands. Es ist furchtbar, dass mit ihm eine mutige, unerschrockene und sich für sein Land einsetzende Stimme mit fürchterlichen Methoden zum Verstummen gebracht wurde“, erklärte die CDU-Politikerin am Freitag in Berlin. Während Merkels Regierungszeit wurde Nawalny nach seiner Nowitschok-Vergiftung im Jahr 2020 in Berlin medizinisch versorgt.

Bundespräsident Frank-Walter Steinmeier hat der Familie Nawalnys seine Anteilnahme ausgesprochen. An Nawalnys Ehefrau Julia schrieb Steinmeier laut Mitteilung vom Freitagabend, er habe mit Entsetzen vom Tod ihres Ehemannes erfahren. Mit Nawalny verliere die Welt einen mutigen Verfechter der Demokratie. „Mit all seiner Kraft hat er sich für eine demokratische Zukunft Russlands eingesetzt. Eine Zukunft, die Putins Regime mit brutaler Macht verhindern will.“ Nawalnys Freunden und Hinterbliebenen wünsche er „in dieser dramatischen Situation von ganzem Herzen viel Kraft“, schrieb Steinmeier.

Die Europäische Union macht ebenfalls Russland für den Tod von Nawalny verantwortlich. „Alexei Nawalny hat für die Werte der Freiheit und der Demokratie gekämpft“, schrieb EU-Ratspräsident Charles Michel auf X (früher Twitter). „Für seine Ideale hat er das höchste Opfer gebracht. Die EU macht das russische Regime allein für diesen tragischen Tod verantwortlich.“

Nato-Generalsekretär Jens Stoltenberg ist nach eigenen Worten „tief betroffen und beunruhigt“ über die Berichte zu Nawalnys Tod. „Wir müssen alle Fakten klären“, sagt Stoltenberg.

Der russische Oppositionspolitiker Boris Nadeschdin würdigt Nawalny. „Nawalny ist einer der talentiertesten und mutigsten Menschen Russlands“, schreibt er auf dem Kurzmitteilungsdienst Telegram. Er bete, dass sich die Informationen über seinen Tod als unwahr erweisen würden. Nadeschdin kritisiert offen den Krieg Russlands gegen die Ukraine und wollte bei der Präsidentenwahl im März antreten. Dies verwehrte ihm die Wahlkommission.

Der litauische Präsident Gitanas Nauseda fordert Konsequenzen für die Verantwortlichen. Diese müssten „vor Gericht gestellt“ werden, schrieb er auf X. Polens Präsident Andrzej Duda sieht die Verantwortung für Nawalnys Tod bei Russlands Staatschef Wladimir Putin. „Alexej Nawalny ist ein weiteres Opfer des Kreml-Regimes“, schrieb Duda auf X. Brutalität sei jedoch ein Zeichen für Schwäche. „Der Putinismus wird vorbeigehen und Nawalnys Vermächtnis wird sich durchsetzen“, schrieb Duda weiter.

Kanzler Olaf Scholz hat sich bedrückt über die Nachricht von Alexei Nawalnys Tod gezeigt. Der Kreml-Kritiker habe für den Mut in seine Heimat zurückzukehren, „wahrscheinlich mit dem Leben bezahlt“. In Russland herrsche „längst keine Demokratie mehr“.

Das russische Außenministerium hat westliche Anschuldigungen zu Nawalnys Tod als „selbstentlarvend“ kritisiert. Obwohl die gerichtsmedizinischen Ergebnisse zu Nawalnys Tod noch nicht vorlägen, habe der Westen bereits seine eigenen Schlussfolgerungen gezogen, schreibt Außenamtssprecherin Maria Sacharowa auf dem Kurznachrichtendienst Telegram. Auf welche Anschuldigungen sie sich genau bezog, erklärte sie zunächst nicht.

Nawalny in einer der härtesten Strafanstalten Russlands

Im Dezember war Nawalny in das Straflager IK-3 mit dem Beinamen „Polarwolf“ im Norden Russlands verlegt worden. Die Haftanstalt gilt als eine der härtesten in Russland. Im Januar hatte Nawalny bei einer Gerichtsanhörung bessere Haftbedingungen gefordert.

Ein vom russischen Bundesstrafvollzugsdienst zur Verfügung gestelltes Foto zeigt Nawalny während einer Anhörung vor dem Obersten Gerichtshof Russlands. Foto: dpa

Unter anderem seien die Essenspausen zu kurz. „Ich bekomme zwei Becher kochendes Wasser und zwei Stücke ekelhaftes Brot. Ich möchte dieses kochende Wasser normal trinken und dieses Brot essen. Ich habe zehn Minuten Zeit zum Essen. Und ich werde gezwungen, mich an diesem kochenden Wasser zu verschlucken“, beklagte er damals und wirkte dabei abgemagert.

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Im August 2020 war Nawalny – damals noch als freier Mann – auf einem innerrussischen Flug zusammengebrochen. Zunächst wurde er in Russland behandelt, dann in die Berliner Charité verlegt. Dort wurde eine Vergiftung mit einem Nervengift festgestellt. Die Regierung in Moskau wies Vorwürfe zurück, russische Behörden hätten versucht, ihn zu töten.

Nachdem er sich wieder erholt hatte, kehrte der prominente Oppositionspolitiker im Januar 2021 nach Russland zurück – und wurde umgehend festgenommen.

rtr, dpa, aki
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