Sanktionen: Der Ausweg für Russlands isoliertes Finanzsystem? So funktioniert Chinas Swift-Alternative Cips
Die Swift-Sanktionen könnten Chinas Zahlungsinformationssystem Cips stärken.
Foto: Xu jingbai - Imaginechina/laifPeking. Der Ausschluss russischer Banken vom Zahlungsinformationssystem Swift könnte das alternative, chinesische System Cips stärken. Das schreiben Analysten von Chinas führender Investmentbank China Securities in einer aktuellen Studie.
Am Montag sind Aktien von Unternehmen, die von einem Bedeutungszuwachs für Cips profitieren könnten, stark gestiegen. Papiere der Finanzsoftware-Firmen Beijing Infosec Technologies, Brilliance Technology und Shenzhen Forms Syntron Information legten am Montag um mehr als 20 Prozent zu.
China hatte 2012 damit begonnen, das Clearing- und Abwicklungssystem Cips (Chinas Cross-Border Interbank Payment System) aufzubauen, um die Verwendung der chinesischen Währung Renminbi zu internationalisieren. Es soll Banken ermöglichen, grenzüberschreitende Transaktionen mit der Landeswährung direkt abzuwickeln.
Cips haben sich laut offizieller Website bis Ende 2021 insgesamt 75 direkte Teilnehmer angeschlossen, darunter die Chinatochter der Deutschen Bank. Russische Banken befinden sich nicht auf der Liste, lediglich eine Russlandtochter der Geschäftsbank ICBC.
Nach Angaben der staatlichen Zeitung „Jiefang Daily“ verarbeitete Cips im Jahr 2021 rund 80 Billionen Yuan (12,68 Billionen US-Dollar). Zum Vergleich: An das Swift-System sind Unternehmensangaben zufolge 11.000 Finanzinstitute angeschlossen.
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Derzeit ist Cips für die grenzüberschreitende Kommunikation noch weitgehend auf Swift angewiesen. Für chinesische Banken und Unternehmen dient es aber bereits als Nachrichtensystem, das es ihnen ermöglicht, direkt zu kommunizieren, ohne dass Transaktionsdaten an die Vereinigten Staaten gelangen. Dass sich Cips bislang nicht stärker durchsetzen konnte, liegt auch daran, dass der Renminbi keine frei konvertierbare Währung ist.
Die Analysten von China Securities warnen deshalb, dass die Swift-Sanktionen Zahlungs- und Abwicklungshindernisse zwischen chinesischen und russischen Finanzinstituten verursachen und den Handel zwischen den beiden Ländern beeinträchtigen können.
Bereits am Freitag hatte die Finanznachrichtenagentur Bloomberg berichtet, dass mindestens zwei der großen staatlichen Banken Chinas, die ICBC und die Bank of China, die Finanzierung für den Kauf russischer Rohstoffe eingeschränkt haben. Chinas vier größte Banken haben sich an frühere US-Sanktionen etwa gegen den Iran oder Nordkorea gehalten, weil sie Zugang zum US-Dollar-Clearingsystem benötigen, zitiert Bloomberg einen Insider.
Die chinesische Staatsführung hat am Montag erneut westliche Sanktionen gegen Russland verurteilt. „Wir sind gegen den Einsatz von Sanktionen zur Lösung von Problemen und noch mehr gegen einseitige Sanktionen ohne internationales Mandat“, sagte der Sprecher des Außenministeriums, Wang Wenbin. China und Russland würden ihre wirtschaftliche Zusammenarbeit im Geiste des gegenseitigen Respekts und Nutzens fortsetzen.
Die Staatsführung weigert sich, von einer russischen Invasion in die Ukraine zu sprechen. Sie hat wiederholt zu Verhandlungen aufgerufen und darauf hingewiesen, dass man die berechtigten Sicherheitsbedenken Russlands anerkenne.
China ist der größte Handelspartner Russlands
Westliche Staaten, darunter die USA und die EU-Mitglieder, hatten zuletzt die Sanktionen gegen Russland verschärft, um den Druck auf Staatschef Wladimir Putin zu erhöhen. So wurden zahlreiche russische Banken von Swift ausgeschlossen. Wang ging nicht direkt auf Fragen ein, wie sich die Swift-Sanktionen auf den bilateralen Handel mit Russland auswirken würden oder ob China seine Käufe von russischen Rohstoffen erhöhen werde, um seinem Nachbarn zu helfen. China ist der größte Handelspartner Russlands.
Erst Anfang Februar hatten Putin und sein chinesischer Amtskollege Xi Jinping eine weitreichende strategische Partnerschaft vereinbart. Zu den umfangreichen bilateralen Abkommen zählt auch eine Übereinkunft darüber, neue Möglichkeiten für grenzüberschreitende Renminbi-Zahlungen zu schaffen.
Bereits zuvor hatte China seine Rohstofftransaktionen weitgehend auf Euro umgestellt, um die Abhängigkeit vom US-Dollar zu verringern. Dennoch wurden den China-Securities-Analysten zufolge im Jahr 2020 lediglich 17,5 Prozent des Handels zwischen Russland und China in Renminbi abgewickelt sowie rund zehn Prozent in Rubel.